Fazit Asien

Noch 12 Stunden Asien und dann erwartet uns ein neuer Kontinent. In den letzten 2 Tagen haben wir fast alle Menschen wieder getroffen, die wir in den vergangenen Monaten kennengelernt haben: Jordan aus Kanada, Kelly und Dominic aus Amerika, Flo und Simon aus Bayern, Nacho und Juan aus Argentinien, Anita und Denise aus Österreich, Richard aus England, Jo aus Deutschland, John aus Indien und viele namenlose, bekannte Gesichter…Ein würdiger Abschied!

Zeit für ein Fazit!

Die schönsten Orte:

Palolem (Goa), Inle Lake (Myanmar), Don Det (Laos) und Koh Rong (Kambodscha)

Das beste Essen:

Egg Biryani und Palak Paneer (Indien), „Gagamole“ (Myanmar), Green Curry (Thailand), Goat Chesse Sandwich (Laos)

Lieblingsgetränke:

Feni mit Limca (Indien), Kingfisher Beer (Indien), Masalatee (Indien), Avocado-Shake (Myanmar), Espresso Martini (Kambodscha)

Nicht zu empfehlendes Essen:

Ekel-Thali (Ernakulam, Indien), Tom Yum Suppe (Laos)

Die besten Hostels:

EasyGo (Don Det, Laos), One Stop (Sihanoukville, Kambodscha), Humbled Footprints (Yangon, Myanmar), Mandala Beach Hostel (Alleppey, Indien)

Was wir gelernt haben:

  • Die Nachfrage bestimmt das Angebot
  • Warten
  • Never mess with the puppies!
  • Hauptsache Toilette/ Jede vorhandene Toilette ausnutzen
  • Immer Servietten dabei haben, d.h. im Restaurant immer welche mitnehmen (Napkins move)
  • Punjabi und Karnataka Tänze
  • Mojitos mixen (geht auch mit Whiskey)
  • Asiatische Menschen tun sich schwer mit Ironier
  • Reise niemals ohne Immodium akut
  • Man trifft sich immer dreimal in Asien
  • Fehlende Jahreszeiten werden durch übermäßigen Klimaanlagengebrauch ausgeglichen
  • Der Sarong ist durch nichts zu ersetzen!
  • Man kann niemals genug Plastiktüten haben
  • Auch aus Joghurtbechern kann man trinken
  • Pläne sind da um geändert zu werden.
  • Deutsche erkennt man an ihrem Fußballhandtuch
  • „Friends“ bars are a backpacker´s best friend
  • Asien-Dosen ergeben immer „E“
  • NFTH
  • NIEMALS; NIEMALS seafood am Straßenrand essen, außer man möchte eine Crash-Diät machen
  • In jeder Reisegruppe gibt es einen Spion

Menschen aus folgenden Ländern haben wir getroffen:

Argentinien, Australien, Belgien, Brasilien, Dänemark, Deutschland (hauptsächlich Bayern), Finnland, Frankreich, Großbritannien, Holland, Irland, Island, Israel, Italien, Kanada, Korea, Malta, Marokko, Mexiko, Norwegen, Neuseeland, Österreich, Philippinen, Polen, Russland, Schweden, Schweiz, Serbien, Spanien, Südafrika, Türkei, Uruguay, USA, VAE

Diese Nationalitäten wurden uns zugeschrieben:

Lena: Israelisch, französisch, englisch, amerikanisch, schwedisch, russisch, polnisch, irisch

Isabell: Ukrainisch, russisch, englisch, irisch

Mit folgenden Namen wurden wir betitelt:

Isabell: Elisabeth,Sabby, Gabby

Lena: Lina, Nina

Verluste:

Flip Flops (3x), Kamera, iPhone, Tasche, Haarbänder- und gummis, Ohrringe, Nagelschere, Schieberle, Hose, aufblasbares Nackenkissen, Schuhe, Sonnenbrillen

Sätze, die wir nicht mehr hören wollen:

  • „Taxi car? Taxi boat? Tuktuk?“
  • „Und ihr habt gerade Abi gemacht?“
  • „Fried eggs, scambled eggs, boiled eggs?“
  • Ein Wort, dass dreimal hintereinander schreiend wiederholt wird, z.B. „Panjim, Panjim, Panjim“ oder „Pineapple, pineapple, pineapple“

Was wir vermissen werden:

  • Dass man überall barfuß laufen kann
  • Günstiges Obst und Fruchtshakes

Playlist:

  • Blame it on the night – Calvin Harris
  • Walking with elephants – Ten Walls
  • Me gustas tu – Manu Chao
  • Is this love – Bob Marley (Montmartre Remix)
  • One love – Blue
  • Sexual Healing – Kygo Remix
  • Stolen Dance – Milky chance
  • Shake it off – Taylor Swift

Koh Tao, Koh Phangan, Koh Rrekt!!

Über den zweiten Zwischenstopp in Bangkok müssen wir nicht viel berichten, da er sich ähnlich gestaltete wie der erste. Um den Süden Thailands zu erkunden, buchten wir eine Bus-Taxi-Boot-Kombination nach Koh Tao. Wieder einmal war die Klimaanlage unser schlimmster Feind, den wir mit einer kurzen Hose und Panzertape bezwangen, um nicht schockgefrostet zu werden. Leider war dies auf dem Boot nicht möglich, sodass wir im Kühlraum mal wieder auf den universell einsetzbaren Sarong Vertrauen mussten, der uns seit Indien begleitet. So eingewickelt und mit Mütze traten wir auf der Insel vom Boot und wurden von den subtropischen Temperaturen erschlagen.

Da wir in der Nacht kaum geschlafen hatten, freuten wir uns auf einen entspannten Strandtag und nahmen das nächste Taxi zum Hostel. Aber wir hatten die Rechnung ohne Klyde gemacht, der uns mit einer an ADHS-grenzenden Energie und lauter Musik im Hostel begrüßte. Zu unserem Glück hatte sich das ganze Hostel entschlossen, an diesem Tag eine Seefahrt zu machen und zufällig waren noch 2 Plätze frei. In einer halben Stunde sollte es losgehen. Weil die Deutschen ja so für ihre Spontaneität bekannt sind, sagten wir kurzerhand zu und fanden uns plötzlich mit einem Bier in der Hand am Fähranleger wieder.
Spätestens als wir das erste Mal vom Boot ins Meer sprangen, war die Müdigkeit verflogen. Wir hatten die Gelegenheit, einen Klippensprung zu machen und an einem Riff zu schnorcheln. Auch an Bord wurde viel geboten. Wir wurden in 2 Teams aufgeteilt und mussten in verschiedenen Spielen gegeneinander antreten, z.B. Push-ups oder Karaoke. Vor lauter Hunger – das Frühstück fiel etwas mager aus – meldete Isabell sich freiwillig mit dem italienischen Casanova für die Cream-Cracker-Challenge (Tuc-Wettessen), die sie mit Bravour meisterte. Im Hintergrund jubelte der irische Borat-Abklatsch und tanzte begeistert auf den Bänken.
Nach so viel Spiel, Spaß und Spannung und leider ohne Schokolade sollten wir eigentlich müde gewesen sein, schlossen uns aber noch ein paar Leuten an, um in eine Bar am Strand zu gehen. Dort wurde uns eine spektakuläre Feuershow geboten und wir trauten unseren Augen kaum als Stu aus dem Hostel sich den Thais anschloss und mit brennenden Pois jonglierte. Man nennt ihn seitdem auch Fire-Stu.

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Auf dem Rückweg erlebten wir dann noch eine Überraschung. Zwei alte Sihanoukville-Bekannte kreuzten unseren Weg. Ja, in Asien sieht man sich immer dreimal, wie wir schon oft festgestellt haben.
Nach diesem Trara hatten wir es uns wirklich verdient, einen Tag am Strand zu verbringen. Nachdem wir bei 40 Grad im Schatten zu einem Aussichtspunkt gelaufen waren, stürzten wir uns ins türkise Meer!

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Aufgrund der vielen Riffe eignet sich Koh Tao besonders zum Tauchen und es ist auch der günstigste Ort, um die Open Water Lizenz zu erwerben. Das wollte sich Isabell nicht entgehen lassen und meldete sich für einen zweitägigen Kurs an. Nach einigen Stunden Theorie und vier Tauchgängen hatte sie die Lizenz zum Tauchen in der Tasche! Dies wurde mit einem Pubcrawl gefeiert. Vorher mieteten wir uns aber noch einen Scooter, um die kleine Insel zu erkunden. Beim Schnorcheln am Shark Bay konnten wir viele bunte Fische beobachten, die versprochenen Haie ließen sich jedoch nicht blicken…
Am nächsten Tag zog es uns mal wieder aufs Meer. Leider hatte die Fähre nach Koh Phangan wegen eines nicht näher definierten Unfalls Verspätung, sodass wir unser Ziel erst spät am Abend erreichten. Auch hier stand wieder Strand und Meer im Vordergrund, sowie der Besuch der Half Moon Party an einem Ort mitten im Dschungel. Dafür ist eine leuchtende Bekleidung und Bemalung obligatorisch. In der hauseigenen Bar bemalten wir uns mehr oder weniger künstlerisch mit fluoreszierenden Farbe und erreichten nach einer halsbrecherischen Taxifahrt untermalt von schwedischen Trink- und Astrid-Lindgren-Liedern die Partylocation. Beim Tanz in der Menge kam uns ein Hüftschwung verdächtig bekannt vor. Es war Ren, den wir vor 2 Monaten in Goa getroffen hatten! Asien ist ein Dorf!

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Wir freuten uns über das Wiedersehen (denn „Freunde sind wichtiger als das Wetter“ Zitat Ren) und tanzten bis zum Morgengrauen. Auf dem Rückweg konnten wir noch schnell unsere Finnischkenntnisse erweitern. Leider sind wir ja nicht mehr die Jüngsten, sodass das Kurzzeitgedächtnis auch schon mal bessere Tage gesehen hat. Apropos Alter: jetzt sitzen wir auf der Fähre nach Bangkok, um dort Isabells Geburtstag zu feiern und uns dann auf den 40-stündigen Flug nach Rio zu machen. Es war eine tolle und unvergessliche Zeit in Südostasien, aber nun freuen wir uns darauf, Südamerika zu entdecken.

Der Wahnsinn geht weiter…

Nach 26 Stunden in Sleeper Bussen, Pick-ups, Booten und Minivans erreichten wir völlig erschöpft Vang Vieng im Norden von Laos. Auf der langen Fahrt kamen wir mit Laurent ins Gespräch, ein ca. 40-jähriger französischer Schriftsteller und Society-Experte aus Paris, den wir kurz vor Vang Vieng adoptierten und mit in unser Hostel nahmen. Laurent folgte uns danach auf Schritt und Tritt und erheiterte uns mit Anekdoten aus seinem romantischen Liebesleben und Geschichten über die Pariser High-Society. Obwohl er etwa 15 Jahre älter war als wir, war er noch planloser und wäre wahrscheinlich nicht allein in Vang Vieng zurechtgekommen.

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Der Grund, warum man vor allem hierher kommt, ist das Tubing auf dem Nam Song Fluss. Dabei treibt man in einem Reifen den Fluss hinunter, vorbei an hohen Bergen und Felsen, und stoppt bei verschiedenen Bars auf dem Weg. Das wollten wir gleich am ersten Tag ausprobieren und mussten Laurent erst einmal davon überzeugen, dass man sich nicht in Todesgefahr begibt, so lange man halbwegs Herr seiner Sinne ist. Sichtlich nervös folgte Laurent uns zum Fluss, der sich als alles andere als ein reißender Strom entpuppte. Gemächlich trieben wir zur ersten Bar und machten uns einen Spaß daraus, Laurent weiszumachen, dass hinter der nächsten Biegung ein Wasserfall auf uns wartet, bei dem schon manch erfahrener Tuber aus der Bahn geworfen wurde. Tatsächlich konnte man jedoch jederzeit den Boden sehen und hätte den Fluss auch schwimmend oder laufend durchqueren können. Auf diese Fortbewegungsart griff dann auch schließlich Isabell zurück, die wie beim Kanufahren einen Hang zum Ufer hatte und Tuben ganz sicherlich nicht als eine ihrer Stärken im Jobinterview angeben wird. Bei der ersten Bar erwartete uns dann ein ausgeklügeltes Entertainmentprogramm bestehend aus einer Holzplanke über einem Becken mit schlammigem Wasser und 50 alkoholisch erheiterten Männern mit zumeist britischen Hintergrund. Beim Bewundern der spektakulären Show kamen wir mit vielen anderen Zuschauern ins Gespräch und machten uns so einige Bases rund um die Welt klar u.a. in Sacramento, Göteborg und Sevilla. So tubten wir von Bar zu Bar und wurden dabei immer wieder von mit Koreanern bestückten Kanus überholt – die einzige Nation, die dieses Fortbewegungsmittel dem Tube vorzieht.

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Überhaupt wimmelte es in ganz Vang Vieng nur so vor Koreanern. Wie wir von John-Aussie in der Aussie-Bar erfuhren, wurde eine berühmte koreanische TV-Show in Vang Vieng gedreht, weswegen alle Koreaner nun diesen Ort besuchen möchten. Außerdem teilte John uns scherzhaft mit, dass Kim Jong Un kürzlich die natürlich nicht getürkte Wahl zum „Sexiest Man of North Corea“ einstimmig gewonnen hat. Auch im Nachtleben waren die Koreaner omnipräsent und überzeugten mit ihren Bierpong-Qualitäten. Nur die Kommunikation mit ihnen stellte uns vor manche Herausforderung und auf die Frage, was Prost auf koreanisch heißt, bekamen wir eine der folgenden Antworten: „ööööhhhhh“, „I am from Corea“ oder „Where are you from?“. Anschließend folgte dann noch ein Selfie, natürlich mit obligatorischem Selfie-Stick. Aber nicht nur mit den Koreanern gab es English Problems, sondern auch die Spanier glänzten nicht gerade mit ihren Sprachkenntnissen. Wir freuen uns schon jetzt auf Südamerika ;).
Nach 3 Tagen Rundumbetreuung und Lebenshilfe konnten wir Laurent in die freie Wildbahn entlassen. Gott sei Dank stehen wir über Facebook in Kontakt und können ihn online weiter unterstützen und verfolgen, ob er die Reise überlebt. Wenn dem so ist, freuen wir uns auf ein Wiedersehen 2016 in Paris.
Da das Tuben so viel Spaß gemacht hat, ging es 2 Tage später mit Kind und Kegel (ein deutsches Pärchen hat tatsächlich ihr einjähriges Kind mit ins Tube genommen und sich dann gewundert, dass das Kind sich nach 10 Minuten langweilt) in die zweite Runde. Dieses Mal war Melanie aus Portsmouth mit im Tube. Unterwegs schlossen wir uns einer Gruppe aus 15 Skandinaviern an und genehmigten uns noch einen Absacker im Schweden-Zimmer bevor es auf die Piste ging. Da dies ja in erster Linie eine Bildungsreise ist, nutzten wir die Gelegenheit, um ein paar nützliche Brocken schwedisch aufzuschnappen. So können wir uns nun zum Beispiel jederzeit mit Schweden über die Fischpreise unterhalten :“Va kostar fisken?“ (How much is the fish?). Dies sollte nicht die einzige Kuriosität des Abends bleiben. Da die Koreaner alle sehr ähnlich aussehen, folgte Isabell einem Hinweis von Lena und kickte eine Koreanerin als freundschaftliche Begrüßung, weil sie sie für „Crazy Corea“ aus Don Det hielt, die wir am Abend vorher bereits getroffen hatten. aber weit gefehlt. eine sichtlich verwirrte Koreanerin starrte uns mit großen Augen an, entschuldigte sich verbeugend bei uns und fragte, warum ihr diese Begrüßung gebührte. Wir hoffen, sie wird dies nicht bei ihrer nächsten Europareise anwenden.

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Auf dem Rückweg zum Hostel gabelte Isabell dann noch einen sichtlich intoxikierten Perser mit Imkerhut auf. Leider war seinen Äußerungen nicht zu entnehmen, in welchem Hostel er zu Hause war, sodass sie ihn schließlich einfach in einem Dorm-Bett in unserem Hostel ablegte und hoffte, dass dies ungefähr richtig war.
Dann war es mal wieder Zeit, die Zelte abzubrechen und in den Bus nach Luang Prabang zu steigen, der die unglaubliche Strecke von 200 km in der Rekordzeit von 8 Stunden zurücklegte. Unterwegs ereilte uns bei einer Talfahrt eine Reifenpanne, sodass alle aussteigen mussten – vermutlich die Attraktion des Jahres im kleinen Bergdorf, in dem wir Halt machten. Es wurden so manche Fotos geschossen und Videos gedreht.
In Luang Prabang checkten wir im wahrscheinlich chaotischsten Hostel der bisherigen Reise ein. Anders als gebucht wurden wir in zwei unterschiedlichen Zimmern untergebracht. Eine Polin erzählte uns, dass sie während ihres Aufenthalts von 4 Tagen 3 Mal das Zimmer wechseln musste, ein Deutscher hatte das Vergnügen, eine Nacht in einem Bett mit einem unbekannten Polen verbringen zu müssen, natürlich mit nur einer Bettdecke. Auch die Verteilung der Locker für die Wertsachen stellte eine große Planungsherausforderung dar. Entweder war der Schlüssel verloren oder die zugeteilten Locker waren schon belegt, sodass man ungehindert auf die eingeschlossenen Sachen von anderen zugreifen konnte. Aber auch die anderen Gäste sind nicht ohne. Eine Britin berichtete uns heute Morgen, dass sie in der vergangenen Nacht kein Auge zugetan hat, weil ihre Bettnachbarin im Schlaf lautstark über ihre Vorliebe für Taco Bell redete und Tiergeräusche von sich gab: „Good Morning. Cockadoodledoo!“. Sie war uns schon abends negativ aufgefallen als sie Isabell fragte: „Do you like your hair?“…
Wir entschieden uns, anstatt der 3 geplanten Nächte doch nur 2 zu bleiben und machen uns morgen nach dem Besuch eines berühmten Wasserfalls auf die zweitägige Reise nach Bangkok, die uns noch einmal kurz in die Hauptstadt Vientiane führt.

Chaos in Laos – Ein Kajak auf Abwegen

Da die sportliche Betätigung in den letzten Wochen etwas zu kurz gekommen ist, packten wir die Gelegenheit auf Don Det beim Schopf und buchten eine eintägige Kajaktour auf dem Mekong. Frohen Mutes wählten wir ein 2er Kajak und stachen in See. Doch der friedlich aussehende Mekong entpuppte sich als „reißender“ Strom und wir mussten unsere ganze Kraft aufwenden, um nicht den Anschluss an die Gruppe zu verlieren. In dem Moment wünschten wir uns einen starken Steuermann herbei, denn wir waren eins der wenigen Boote ohne „Manneskraft“. Und dies sollte nicht das einzige Mal bleiben. Leider hatten wir auch die Instruktionen des Guides verpasst, sodass uns schon die erste Stromschnelle gefährlich nah an die Böschung katapultierte. Da kam uns der Stopp mit Wanderung zu einem kleinen Wasserfall gerade recht. Mit der Mittagspause vor Augen stiegen wir danach wieder voll motiviert ins Boot. Doch zu früh gefreut. Jetzt begann der wirklich anstrengende Teil der Strecke. Das Wasser wurde immer turbulenter und nachdem wir schon ein anderes Boot aus der Bahn gedrängt hatten, rammten wir eine der 4000 kleinen Inseln. Das kostete wertvolle Zeit und so waren wir das letzte Kajak, das die gefährlichste Stelle der Tour bezwingen musste. Schade nur, dass wir während der Befreiungsaktion mal wieder die Instruktionen des Guides verpasst hatten. Dies rächte sich natürlich. Wir wirbelten durch eine Stromschnelle und sollten dabei den richtigen Flussarm erwischen. Dies ging gehörig schief. Wir blieben zwischen dem Ufer und der Böschung stecken und uns fehlte die Technik und die Kraft, uns selbst zu befreien. Glücklicherweise hatten 2 weitere Guides dieses Malheur beobachtet und eilten schnell paddelnd zur Hilfe. Völlig verzweifelt flehten wir sie an, doch bei uns im Kajak mitzufahren. Und so fanden wir uns mit jeweils einem Guide am Steuer in 2 getrennten Kajaks wieder. Jetzt lief die Fahrt wie geschmiert und wir konnten uns endlich auf die schöne Landschaft konzentrieren und in der Ferne Delfine beobachten. Kurz vor der Mittagspause hieß es dann nochmals Plätzetausch, denn die Guides mussten das BBQ vorbereiten, sodass Lena auf offener See wieder zurück in unser Boot klettern musste. Zum Glück verlief dann alles reibungslos und wir konnten unsere wohlverdiente Mittagspause antreten. Danach mussten wir nur noch ein kurzes Stück mit dem Kajak zurücklegen – zur Sicherheit waren wir wieder mit den Guides unterwegs. Am Haltepunkt wurden wir zusammen mit den Kajaks und einer anderen Gruppe auf einen Transporter verfrachtet. mit 4 anderen deutschen Mädels bekamen wir die VIP-Plätze im Vorderraum und konnten den für asiatische Ohren wahrscheinlich wohlklingenden Thaigesängen lauschen. Der Transporter brachten uns dann nochmal zu einem der größten Wasserfälle Südostasiens (gemessen an Liter/ Minute).DSCN0977

Das Highlight erwartete uns jedoch danach, als wir auf dem Dach des Transporters Platz nehmen durften. Der Fahrtwind blies uns ins Gesicht und wir mussten den entgegenkommenden Zweigen und Stromkabeln ausweichen. Der Transporter muss ein sehr komisches Bild abgegeben haben, denn unten quetschten sich ca. 30 Leute zwischen die Kajaks und auch auf dem Dach saßen wir zu fünft inmitten von noch mehr Booten. So brausten wir mit 60 km/h durch die Lande und hofften, dass uns der Transporter heil nach Hause bringen würde. Als es dann wieder aufs Wasser ging, wurden unsere Hoffnungen von einer entspannten und unanstrengenden Rückfahrt zerstört. Von allen Kräften verlassen ließen wir uns von den Guides quer über den Mekong fahren und kamen nach einem Rennen sogar als erste am Bootsanleger an. Dies war jedoch bestimmt nicht unser Verdienst. Nach diesem Tag zweifelten wir sehr stark an unseren Kajakfähigkeiten, aber nachdem uns unser neuseeländischer Mitbewohner von seiner missglückten Eskimorolle erzählt hatte, fühlten wir uns nicht mehr wie die letzten Idioten. Zum Abschluss des Tages gönnten wir uns ein dickes Abendessen mit Blick auf den Sonnenuntergang über dem Mekong und fielen nach 5 Folgen „Friends“ in einer Bar erschöpft in unsere Betten.

In den nächsten Tagen ließen wir es etwas ruhiger angehen und passten uns der chilligen Atmosphäre auf der Insel an. Hier gibt es nur entspannte Menschen, was wahrscheinlich auch daran liegt, dass der Marihuanakonsum weitestgehend toleriert wird und es Kuchen, Shakes und Cocktails auch jeweils in einer „Happy-Version“ gibt. Doch darauf wollen wir nicht weiter eingehen. 😉 Auf jeden Fall ist Don Det ein Ort, an dem man hängenbleiben könnte. Abseits des Backpackertrubels leben die Laoten ein friedliches und einfaches Leben an einem beneidenswert schönen Ort und sind wahrscheinlich oft glücklicher als manch Deutscher mit vielen Besitztümern. Zum Beispiel kamen uns die Nachbarskinder, mit denen wir einige Stunden spielten, viel ausgelassener und fröhlicher vor.

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Schweren Herzens nahmen wir nach 4 Tagen Abschied vom Paradies und traten unsere 24-stündige Reise gen Norden an. Gerade haben wir einen kurzen Zwischenstopp in Pakse und erholen uns bei einem Masalatee von der kuriosen ersten Teilstrecke. Lena hatte nämlich das Vergnügen mitten zwischen der laotischen Ausgabe der Flodder-Familie zu sitzen. Bethelkauende und spuckende Oma, vorne und hinten auslaufende Kinder und den ganzen Bus beschallende Gespräche….
Jetzt sind wir gespannt, was uns in Vang Vieng, DEM Ort für Outdooraktivitäten und Tubing, erwartet.

Party, Tempel, Amigos und ein Bier

Wir sind mit dem Blogschreiben leider etwas nachlässig geworden und haben heute mit Schrecken festgestellt, dass wir über die Zeit in Kambodscha noch gar keinen Eintrag verfasst haben. Und jetzt sitzen wir schon in diesem laotischen Inselparadies auf Don Det („Been there, Don Det“) und versuchen uns zu erinnern, was eigentlich in den letzten 10 Tagen so alles passiert ist.

Alles begann mit der vermeintlich schlimmsten Grenzüberquerung von Thailand nach Kambodscha, vor der uns nicht nur der Lonely Planet sondern auch zahlreiche Reiseblogs gewarnt hatten. Auf der sechsstündigen Zugfahrt von Bangkok zur Grenze – für umgerechnet einen Euro – hatten wir also genug Zeit, uns mental darauf vorzubereiten und uns die schlimmsten Szenarien wie falsches Visum, Pass geklaut oder Festsitzen an der Grenze auszumalen. Anders als erwartet spazierten wir dann jedoch locker durch die Kontrollposten beider Länder und fanden schnell 2 nette Mitfahrer, mit denen wir uns ein Taxi nach Siem Reap teilten. Dort angekommen waren wir erstmal baff. Uns erwartete eine topmorderne und vollkommen auf Touristen ausgelegte Stadt mit eigener Pubstreet und europäischen Restaurants. Eigentlich existiert Siem Reap also nur, weil sich ca 5 Kilometer entfernt die Tempelanlagen von Angkor Wat befinden. Die waren auch das Ziel für unseren nächsten Tag. Mit dem Rad fuhren wir los und freuten uns über einen wunderschönen personalisierten Zugangsausweis mit einem Bild, dass die aktuelle Wetterlage von gefühlten 40 Grad auf unseren Gesichtern widerspiegelte. In Rekordzeit arbeiteten wir die Sehenswürdigkeiten ab, wofür manche Leute drei oder mehr Tage benötigen. Aber wir haben ja keine Zeit 😉 Die gesparte Zeit konnten wir dann in Sihanoukville verbringen. Dort, an der kambodschanischen Küste, blieben wir eine Woche hängen und frönten dem Strand- und Partyleben. Hier gäbe es jetzt einiges zu berichten, aber what happens in Sihanoukville stays in Sihanoukville. 🙂 Das ist besser für alle Beteiligten. Nur soviel kann gesagt werden: wir haben viele Freunde aus aller Welt hinzugewonnenen, wo gehobelt wird fallen jedoch auch Späne und deswegen blieben eine Kamera und ein Handy auf der Strecke. Ein Hoch auf die iCloud! Unseren stressigen Strandalltag (aufstehen, frühstücken, am Strand liegen, Abendbrot essen, feiern) unterbrachen wir an einem Tag, um auf die Insel Koh Rong zu fahren. Ein Paradies mit weißem Strand und türkisem Meer, aber leider zu vielen großen und kleinen Holländern. 🙂20150128_110752

Nach einer Woche Faulenzen konnten wir uns schließlich loseisen und stürzten uns in das Großstadtleben Phnom Penhs (#PhnomPeng). Hier war es mal wieder Zeit für Kultur und dafür bot sich Phnom Penh besonders wegen der bewegenden Geschichte Kambodschas an. Von 1975 bis 1979 herrschten in Kambodscha die Khmer Rouge, die ein komplett kommunistisches Staatssystem etablieren wollten und dabei ein Drittel der kambodschanischen Bevölkerung – vermeintliche Staatsfeinde – auslöschten. Dies wurde für uns sehr bewegend im ehemaligen S21-Gefängnis in Phnom Penh und auf dem Killing Field außerhalb der Stadt dargestellt. All das erinnerte uns schon sehr an die deutsche Nazi-Vergangenheit, nur dass die Gräueltaten erst ca 40 Jahre zurückliegen und noch viele Zeitzeugen ihre Geschichten erzählen können, wodurch die Geschehnisse sehr präsent sind. Besonders berührt hat uns bei unserem Besuch auf den Killing Fields die riesige Stupa, in der die Schädel und Gebeine der zahlreichen Opfer aufgebahrt sind (die Regale reichen bis zur Decke und es sind nur ein Bruchteil der Knochen ausgestellt), sowie der Killing Tree, an dem Kleinkinder und Babys totgeschlagen wurden, bevor sie in den Massengräbern verscharrt wurden. Das in Kombination mit den Geschichten aus dem Audioguide lassen einem die Tränen kommen.

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Nach zwei Tagen in der supermodernen Stadt lernten wir am eigenen Leib kennen, dass Kambodscha doch ein sehr armes Land ist. Mit dem Bus fuhren wir Richtung Laos, wobei man auf der insgesamt 12-stündigen Fahrt fast nie von einer Straße sondern eher von einem Feldweg sprechen konnte. Dieser wäre bei uns nur für den landwirtschaftlichen Verkehr freigegeben, wir jedoch rasten mit unglaublichen 30 km/h durch die Schlaglöcher und fühlten uns wie bei einer Achterbahnfahrt. Unser Tourguide an Bord hatte uns schon vorher darauf hingewiesen und bedeutete uns auf einer etwas sanierteren Teilstrecke unsere Ein- und Ausreisedokumente auszufüllen. Glücklicherweise hatte der Entertainmentbeauftragte des Busses alle Register gezogen, um uns die Fahrt zu versüßen. Auf die Auszüge aus Videoclips vom Eurovision Songcontest (u.a. der Epic Sax Guy) folgten die Best-of-Musikvideos von Blue und Britney Spears. Für die jüngere Generation unter euch: das waren die Stars unserer Jugend.

Als wir dann endlich in Laos ankamen, war es bereits dunkel. Für alle Fahrgäste zu den 4000 Islands sollte ein Pickup bereitgestellt werden, der uns zum Fähranleger bringen sollte. Etwa 25 Leute versammelten sich ratlos mit Sack und Pack vor dem doch etwas klein erscheinenden Gefährt. Ganz europäisch hatten wir natürlich nicht daran gedacht, dass auch das Dach als Gepäck- und Sitzfläche genutzt werden kann. Zum Glück war die laotische Straßensituation etwas besser, dafür heizte der Fahrer aber auch ohne Rücksicht auf Verluste durch die Nacht. Da wir so gerne Boot fahren (zum gefühlt hundertsten Mal auf dieser Reise) freuten wir uns dann noch ganz besonders auf die Überquerung des Mekongs in kompletter Dunkelheit. Von da aus stiegen wir dann nochmal um in ein Tuk Tuk zum Hostel, womit wir innerhalb von 24 Stunden fast alle möglichen Fahrzeuge genutzt und für mehr oder weniger geeignet befunden hatten. Nach 14 Stunden on the Road konnten wir endlich unser Quartier im EasyGo Hostel aufschlagen und gesellten uns zu den anderen Gästen am Lagerfeuer. Ganz nach laotischem Brauch wurde dort ein Barbecue mit  Wasserbüffel und Gurken zubereitet, was besonders die crazy Koreanerin nicht wirklich überzeugte. Nach einigen Sprachstunden in österreichisch, schweizerisch und hebräisch, konnten wir nach diesem anstrengenden Tag endlich unter unser Moskitonetz in der Bambushütte schlüpfen und schlafen.

Am nächsten Morgen konnten wir dann zum ersten Mal sehen, wo wir uns hier eigentlich befinden und waren von der Schönheit der Insellandschaft mitten im Mekong mehr als begeistert!

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How to spend 3 days in Bangkok without doing sightseeing

Nach dem reichhaltigen Kultur- und Naturprogramm und ebenso vielen Eindrücken in Indien und Myanmar stand uns der Sinn nach ein bisschen Laissez-faire. In Bangkok waren wir da an der richtigen Adresse. Die Stadt ist wahrscheinlich nicht unspektakulär, aber man verpasst auch nichts weltbewegendes, wenn man sich nur in einem Viertel aufhält. Fühlst du doch auch kulturell gestresst? Hilfe naht!

Man nehme ein Hostel in Bangkoks Backpackerviertel an der Khao San Road mit einer Dachterrasse für gemütliche Morgene, Abende und Nachmittage. Man füge eine Gruppe aus internationalen Reisenden hinzu und versüße das Ganze mit ein bisschen Chang-Bier oder je nach Geschmack und Geldbeutel Hong Thong Rum-Whiskey-Blend und warte ab, was passiert.

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Gleich nach unserer Ankunft in Bangkok mischten wir uns unter die trinkfreudige Hostelbelegschaft, die vor allem aus Briten und Franzosen bestand. Scheinbar gut für uns, dass niemand aus Deutschland dabei war: wir wähnten uns schon in vollkommener Redesicherheit. Doch wie wir bereits in Indien gelernt hatten, befindet sich in jeder Gruppe ein Spion (Codewort: Österreicher)! Diesmal trat er in Form eines als Franzosen getarnten Bayern auf. Dies merkten wir leider erst später am Abend als Karim aus Frankreich uns seinen blitzsauberen bayrischen Dialekt präsentierte, den ihm seine Mutter vererbt hat. Aber gescheit wie wir sind, überlegten wir uns schleunigst Decknamen für die französische Truppe, um ungehört Informationen austauschen zu können. Darunter waren Arthur (Deckname: der Papagei. AdV: Arthur est un perroquet, wie jeder Französischschüler weiß), Arnaud alias Mario Götze, Karim alias Sepp, Francois alias Simon G. (wegen der verblüffenden Ähnlichkeit) und Alexander, dessen Deckname hier aus datenschutztechnischen Gründen nicht genannt werden darf. Nennen wir ihn „Du weißt schon wen“. Perfekte Ausgangsvoraussetzungen für einen lustigen Abend. Nach einigen gemütlichen Stunden auf dem Rooftop ging es in Richtung Khao San Road, wo uns Cocktails aus Eimern, DJ-Sets auf der Straße, der ein oder andere Ladyboy und unzählige Pubs erwarteten. Leider läutete das thailändische Militär um 2 Uhr die Sperrstunde ein, aber nach einer kleinen Auszeit erwachten die Pubs zu neuem Leben. Da alles Gute immer nach 2 Uhr morgens geschieht, ließen wir es uns nicht nehmen, noch ein bisschen zu verweilen. Unser französischer Mario-Götze-Doppelgänger nahm schließlich angestachelt von seinen Freunden die Herausforderung des schwedischen Barchampions im Armdrücken an und überraschte das gesamte Publikum mit einem bravourösen – und zugegebenermaßen auch für ihn selbst unerwarteten – Sieg!

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Darauf noch ein Bucket!

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Wenn einem schon einmal eine Dachterrasse mit Blick über die Skyline Bangkoks bereitsteht, muss man dies natürlich auch ausnutzen und so zogen wir in den frühen Morgenstunden wieder zurück an unseren Lieblingsplatz, um den Sonnenaufgang anzuschauen. Leider versperrte uns das Sonnendach die ansonsten einwandfreie Sicht. Übermütig bauten wir eine Leiter aus Tischen und Stühlen und schwangen uns mehr oder weniger galant aufs Sonnendeck. Die anstrengende Kletterei hat sich auf jeden Fall gelohnt, denn nun konnten wir beobachten, wie die feuerrote Sonne überraschend schnell hinter den Wolkenkratzern emporstieg und dabei alles in ein rotgelbes Licht tauchte!

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Die nächsten Tage verliefen ähnlich, unterbrochen von Bräunungssessions unter dem Samsen Skyline Shrine (dem Buddha-Altar auf dem Sonnendeck) und Shoppingtouren entlang der Khao San Road. Wir können nun offiziell behaupten, dass wir wahrscheinlich die Touristen sind, die am wenigsten von Bangkok gesehen haben. Aber keine Panik: wir kommen wieder! Und dann gucken wir uns vielleicht auch mal einen Tempel an. Jedenfalls konnten wir so ganz entspannt – wenn auch etwas übermüdet – unsere Zugfahrt Richtung Kambodscha antreten, wo wir heute Abend angekommen sind.

Mingalar Bar aus Myanmar

Aus dem sonnigen Yagon ging es weiter ins Landesinnere. Auf der Fahrt im VIP-Bus konnten wir uns dank der auf 10° Celsius eingestellten Klimaanlage schon einmal auf die winterlichen Temperaturen am Inle Lake einstimmen. Zum Glück stellte das Busunternehmen bunte Snoopy-Decken und Kopfkissen bereit, ohne die wir die Fahrt wahrscheinlich nicht überlebt hätten.

Nach der Ankunft in Nyaung Shwe um 04:30 Uhr (gefühlte 0° C Ortstemperatur) mussten wir dann noch 6 Stunden überbrücken, um unser Zimmer beziehen zu können. Wir nutzen die Zeit für eine Fahrradtour zum See. Von einem kleinen Fischerdörfchen aus wurden wir und unsere Fahrräder von einem motorisierten Kahn ans andere Ufer gebracht, wo wir die Fahrradtour fortsetzten. Während der Überfahrt hatten wir die Möglichkeit viele postenkartenwürdige Fotos zu schießen, u.a. von den Fischern und ihrer typischen Fortbewegungstechnik (mit einem Bein auf dem hinteren Ende des Bootes balancierend stoßen sie sich mit Hilfe eines Stockes vom Grund ab).

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Von den  vielen Outdoor-Menschen inspiriert und den noch nicht genutzten Wanderschuhen vor Augen, die uns jedes Mal beim Rucksack packen vorwurfsvoll anstarren, buchten wir dann eine zweitägige Trekkingtour mit Übernachtung in einem Bergdorf. Sonntagsmorgens ging es dann in aller Herrgottsfrühe los. Um 8 Uhr trafen wir auf unseren Guide Aung, der uns durch die burmesische Berglandschaft führen sollte. Voller Tatendrang stiefelten wir los, nur um nach 200m den ersten Stopp in einem Teehaus einzulegen. Das Gespräch war nach dieser Zeit schon wieder bei beziehungstechnischen Fragen angelangt. Dann war das wenigstens auch schon mal geklärt J (Falls es jemanden interessiert: Aung ist 29, wohnt noch bei seinen Eltern und ist derzeit Single. Achja, und er ist ca. 1,60m groß und verdient 20 Dollar am Tag. Bei Interesse vermitteln wir gerne gegen eine Gebühr von 1000 Kyat. Ernstgemeinte Zuschriften bitte mit Lebenslauf und Foto als Kommentar zum Blogeintrag.) Der Teestopp ließ uns hoffen, dass ein entspannter Wandertag vor uns liegt, aber zu früh gefreut. Als hätten wir es geahnt, zeigte uns Aung, welchen Berg wir heute bezwingen würden und teilte uns freudig mit, dass der erste Wandertag nur aus einer steil ansteigenden Strecke bestand. Im Laufschritt führte Aung uns die Berge hoch. Schon nach ein paar Höhenmetern mussten wir das Tempo drosseln, denn unsere Fitness hatte in den letzten 6 Wochen wohl doch etwas gelitten, trotz intensiver Vorbereitung im Meller Fitnessstudio. Mittags erreichten wir ein kleines Dorf, wo wir zum Lunch bei einer Familie einkehrten. Es gab Shan-Nudeln mit Ei, die uns in einer einfachen Bambushütte serviert wurden. Frisch gestärkt hatten wir wieder Kraft, es mit der letzten Etappe aufzunehmen und wir erreichten ca. 2 Stunden später den Gipfel.

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Kurz darauf erblickten wir dann in der Ferne das Dorf, wo wir übernachten sollten. Bei der Familie angekommen wurden wir zunächst ins „Wohnzimmer“ der Hütte geführt, in dem sich lediglich ein riesiger Buddha-Altar befand. Außerdem gab es in der Hütte einen abgetrennten Schlafbereich für die Familie und das „Esszimmer“, in dem der Guide schlafen sollte. Nach und nach trafen die verschiedenen Familienmitglieder und/ oder Nachbarn ein und während die Muddi im Kochzelt schon mal die Kessel fürs Abendessen erhitzte, war bei uns mal wieder Fotosession angesagt. Sämtliche Kinder des Dorfes sowie diverse Männer, deren Verwandtschaftsgrad unbekannt war, versammelten sich um uns.

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Wegen der eintretenden Dunkelheit musste das Fotoshooting dann leider abgebrochen werden. Zeit, um Konversation zu machen. Aung fungierte dabei als Übersetzer und teilte uns mit, dass heute der Schwager der Familie gestorben war. Ganz europäisch reagierten wir sehr betroffen, während uns die Männer freudig anstrahlten. Aung erklärte uns, dass der Tod eines Dorfbewohners Glück für alle dort lebenden Personen bedeutet. Da wir nun auch für eine Nacht Dorfbewohner waren, galt dies auch für uns. Aber Glück kann man ja nicht genug haben und deswegen errichtete uns der Vaddi ein Bett direkt unter dem Buddha-Schrein mitten im Wohnzimmer. Das Bett bestand aus einer Teddybären-Decke als Unterlage sowie 2 Kissen und jeweils 2 Wolldecken.

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Doch bevor wir dann endlich um 07:00 Uhr ins Bett gehen konnten, gab es noch Essen. Unter den gespannten Augen der Muddi, des Guides und der Nachbarin verspeisten wir unser Mahl und konnten gar nicht genug essen, um sie zufrieden zu stellen. Danach war es aber nun wirklich Zeit ins Bett zu gehen, doch zunächst mussten wir noch die zwei aufgedrehten Kinder des Hauses bändigen, die besonders Gefallen an unserer Sparkassentaschenlampe mit Blinkfunktion (ein Dank an Jan) gefunden hatten und uns dabei begeistert Geschichten auf burmesisch erzählten. Aufgrund der Verständigungsprobleme (burmese problems) wurde dies nach einiger Zeit jedoch anstrengend und so gaben wir vor zu schlafen. Dies motivierte auch den Kleinsten, sich seine Decke zu schnappen und sich auf burmesisch brabbelnd zwischen uns zu legen. Wir dagegen kamen nicht mit einer Decke aus und kuschelten uns unter einen Berg aus ungefähr 10 Decken + Schlafsack, um nicht einen Erfrierungstod zu sterben und dem Dorf noch mehr Glück zu bescheren. Für die nächsten 12 Stunden blieben wir in unserem Lager und trauten uns aufgrund der Eiseskälte nicht mehr nach draußen zum Plumpsklo. Dafür hatten wir jedoch einen Wahnsinnsausblick aus dem Fenster ohne Fensterscheibe und konnten so viele Sterne sehen wie noch nie.

Nach einem reichhaltigen Frühstück (Kuchen, Reis, Toast und Avocado) und der obligatorischen Katzenwäsche ging es an den Abstieg. Strammen Marsches liefen wir vorbei an Bergdörfern, Avocado- und Papayabäumen und erreichten mittags wieder unseren Ausgangspunkt Nyaung Shwe. Von dort aus ging es dann wieder mit dem Nachtbus weiter nach Bagan. Hier gibt es sehr viele Tempel und Pagoden, die über die Landschaft verteilt sind und dank unseres fetzigen E-Bikes heizen wir hier mehr oder weniger schnell von Sehenswürdigkeit zu Sehenswürdigkeit. Unsere letzte Station Mandalay erreichen wir dann am Freitag, bevor wir Sonntag schon nach Bangkok fliegen.

Wenn man Outdoor-Aktivitäten mag, ist Myanmar auf jeden Fall das perfekte Reiseland. Touristisch ist es relativ gut erschlossen (z. T. besser als Indien), jedoch muss man für den Aufenthalt satte Eintrittsgelder und teure Hostels einkalkulieren. Die Regierung bekommt von jeder gebuchten Übernachtung 10% und heimst wahrscheinlich auch die Eintrittsgebühren für die verschiedenen Regionen ein. Der Eintritt für die Inle-Zone beträgt 10 Dollar und für Bagan sogar 20 Dollar. Tendenz steigend. Zum Vergleich: Ein gutes Abendessen mit Getränken für 2 Personen bekommt man hier für 6 Dollar. Wer also nach Myanmar reisen möchte, sollte dies schnell tun, da sich innerhalb der letzten 2 Jahre die Preise verdoppelt haben.

Indische Nächte sind kurz…

Da sitzen wir nun in unserem ersten Hostel in Myanmar in der Hauptstadt Yangon und können es kaum glauben, dass der erste Reisemonat schon vorbei ist. Indien ist irgendwie schon so weit weg, aber immer noch präsent.

Die letzten Tage waren noch sehr ereignisreich, vor allem die verrückte Silvesternacht. Über Couchsurfing haben wir einen DJ kennengelernt, der bei einer großen Party auf einer Insel vor Pondicherry auflegen sollte. DJ Bobby Beck war so nett, uns dort vergünstigt hineinzuschleusen und so hatten wir die Möglichkeit hautnah mitzuerleben, wie man in Indien ins neue Jahr startet. Zur Venue brachte uns ein Motorboot. Getreu dem indischen Motto „Safety First“ wurde wir alle mit mehr oder weniger ihren Zweck erfüllenden Schwimmwesten ausgestattet, die jeder über sein Partydress anziehen musste. Für uns eher befremdlich, aber für die Inder vielleicht lebensrettend, da die meisten nicht schwimmen können.

Auf der Insel erwarteten uns eine riesige Bühne, beleuchtete Palmen, ein sandiger Dancefloor direkt am Meer, sowie zwei Bambushütten für Essen und Getränke. Neben einem deutschen Pärchen aus Berlin waren wir fast die einzigen Europäer dort. Pünktlich zu Beginn der Party lieferte ein Traktor das Essen in riesigen Töpfen an und die Schlemmerei konnte starten. Wir probierten uns durch Gerichte wie angebratene Cornflakes, Reiscurry und Curd. Zwischendurch wurden wir von Bobbys Freunden mit Alkoholika (Biri, Biri?) versorgt (Schnaps gab es umsonst, aber Softdrinks musste man bezahlen) und freuten uns über die gute Musik, die plötzlich stoppte. Schnell war die Quelle des Übels ausgemacht: im Küchenzelt herrschte ein riesiger Tumult. Natürlich verstanden wir kein Wort von den hitzigen Diskussionen in der Landessprache zwischen der Polizei und dem Küchenpersonal. Schließlich stellte sich heraus, dass sich einige Leute über die Qualität des Essens beschwert hatten. Grund genug, die Polizei einzuschalten und Tische und Töpfe umzuschmeißen. Essen nimmt in Indien einen sehr hohen Stellenwert ein und dementsprechend ist ein gutes Silvestermahl ein wichtiger Bestandteil für eine gelungene Nacht. Der Streit weitete sich schließlich bis auf die Bühne aus und DJ Bobby stand verloren zwischen schimpfenden Gästen und beschwichtigenden Polizisten vor seinem Pult. Verwundert und amüsiert verfolgten wir die Szene zusammen mit den anderen Deutschen.

Gott sei Dank konnte der Eklat 1 Stunde vor dem Jahreswechsel aufgelöst werden und wir konnten noch einmal das Tanzbein schwingen. Im Vergleich zu den Indern waren wir da eher zurückhaltend, vor allem bei den Bollywood-Songs, deren Texte und Choreographie scheinbar jeder zu kennen scheint. Besonders die Männer sind hier sehr tanzbegeistert und wollten uns unbedingt einige typische Tanzschritte beibringen. Zwischen Fotosessions und Tanzstunden ging der Jahreswechsel fast etwas unter. Aber als die ersten Bierfontänen in die Luft flogen, wussten wir jedoch, dass 2015 begonnen hatte, worauf wir mit einem leckeren Whiskey-Cola anstießen. Nach einem fünfminütigen Feuerwerk, Happy-New-Year-Wünschen von allen Seiten (wir haben ca. 100 fremden Menschen die Hand geschüttelt) und weiteren Bollywood-Songs aus DJ Bobbys Repertoire war die Party schließlich abrupt zu Ende und wir stellten uns in die lange Schlange für die Bootsrückfahrt. Weitere optionale Partyziele wurden auch schon von der Polizei geräumt, sodass wir schon gegen 3 zurück zu Hause waren. Ein wirklich witziger, aber auch sehr seltsamer Abend!

Unser letztes Ziel in Indien erreichten wir am Neujahrsabend: eine Couchsurfer-WG in Bangalore, bei der täglich 10 Leute ein und ausgingen und nicht ganz klar war, wer nun permanent dort wohnte. Die meisten stammten aus der nördlichen Region Punjab und waren nach Bangalore gekommen, um dort ein Restaurant zu eröffnen. Am letzten Abend wurden wir von den „Chefs“ zum Testessen aufgefordert und entdeckten bei einem Bollywood-Film mit Shah Rukh Khan ganz neue indische Gerichte. Ein guter Abschluss der Reise in dieses überraschend coole Land. Wir können allen wärmsten empfehlen nach Indien zu reisen, denn wir haben nur positive Erfahrungen gemacht und hatten eine tolle Zeit. Allerdings sollte man etwas lärmresistent sein und viel Gelassenheit mitbringen.

In Myanmar treffen wir jetzt auf eine ganz andere Welt und fast vermissen wir den chaotischen indischen Alltag. Hier in Yangon ist alles sehr sauber und geordnet und vor allem ruhig! Gestern haben wir uns schon nach einer 24-stündigen Reise die berühmte Shwedagon Pagode angeschaut, die eher einem Dorf aus Gold als einem Tempel gleicht und sind (aufgrund eines Kartenlesefehlers) mehrere Stunden durch die Stadt geschlendert. Heute stehen dann noch die restlichen Sehenswürdigkeiten und ein Marktbesuch an, bevor es dann morgen mit dem Sleeper-Bus weiter zum Inle-Lake geht.

Weihnachten in Indien – same, same but different

Mittlerweile sind wir nun an der Ostküste Indiens angekommen und fühlen uns – dank des andauernden Regenwetters – wieder fast wie in Deutschland. Da hatten wir in den Tagen vor Weihnachten wettertechnisch mehr Glück. In Alleppey verbrachten wir eine sonnige und entspannte Zeit in Jays Beachhostel, das wir uns mit einer Gruppe aus internationalen Backpackern, hartnäckigen Moskitos (Hindi: maga mutsch), der ein oder anderen Kakerlake und einer Schlange teilten. Das Meer vor der Haustür war zwar nicht wirklich zum Schwimmen geeignet, aber dafür konnten wir bei den morgendlichen Yogaübungen am Strand Delfine aus nächster Nähe beobachten.

Gleich nach der Ankunft in Alleppey wurden wir vom Rikschafahrer auf das in der Stadt stattfindende Festival hingewiesen, welches die vorweihnachtliche Attraktion bildete. Das Fest versetzte Jung und Alt in Aufruhr, wobei sich uns der Sinn – bis heute – nicht ganz erschließt. Jeder Versuch herauszufinden, warum es gefeiert wurde, lief in etwa so ab. Wir: „Do you know the purpose of this festival?“ Der/ die Angesprochene (heftiger head wobble* und grinsen): “yes, yes, 3 days, 3 days!”. Aber man soll die Feste ja feiern wie sie fallen und deswegen mischten wir uns fast unbemerkt mit einer Gruppe aus dem Hostel unter die feierwütige indische Jugend. Nach einer endlosen Kathakali-Performance (der traditionelle Tanz aus Karnataka), einigen Fotosessions und einer Einladung nach Nepal (wir sind uns nicht ganz sicher, ob eine Heirat der Söhne Bestanteil des Reisepakets ist) kehrten wir in unser ruhiges und relaxtes Refugium am Strand zurück. Dort beeindruckte uns der Franzose Figou mit seinen selbstkomponierten Liedern und seinem neu erworbenen „Moto“, das ihn ganz ohne Planung und ohne Englischkenntnisse (English problems) nach Nepal bringen sollte. Wir wünschen ihm an dieser Stelle alles Gute 😉 Zwischendurch konnten wir eine indische Weihnachtstradition hautnah miterleben. Dabei gehen die Kinder von Haus zu Haus und singen (vermutlich) Weihnachtslieder, um Geld zu sammeln. Der Gruppenanführer ist als Weihnachtsmann verkleidet, von dem man auf Grund seiner schrecklichen Plastikmaske jedoch lieber keine Geschenke annehmen möchte.

Am nächsten Tag wartete das volle Touri-Programm auf uns. Mit einem Kanu ging es durch die keralischen Backwaters, die auch als das Venedig Indiens bezeichnet werden. Dabei handelt es sich um ein Netz aus kleinen verzweigten Kanälen, an deren von Pflanzen überwucherten Ufern sich viele Siedlungen befanden. Auf der Fahrt konnten wir den dort ansässigen Familien beim Wäsche waschen, fischen und kochen zuschauen. Wir hatten den Eindruck, dass wir geradewegs durch die Badezimmer der einheimischen Bevölkerung trieben. Schwimmende Fischhändler und Wassertaxis kreuzten unseren Weg. Mit im Boot saß ein italienisches Paar aus unserem Hostel. Als wir mittags bei einer indischen Familie zum Thali-Essen einkehrten, waren sie gar nicht so begeistert, denn sie hatten sich auf Pizza oder Pasta gefreut. Das war auch das einzige was zumindest der männliche Part essen wollte. Wir sind gespannt, ob er die nächsten Monate in Indien mit trockenem Reis und Ketchup überleben wird, denn auch Gemüse, Obst und scharfe Soßen stehen nicht auf seinem Speiseplan. Dabei ist das indische Essen unglaublich lecker und abwechslungsreich und wir haben schon alle Gerichte blind durchprobiert. So sind wir auch kulinarisch dem Land nähergekommen.

Mit unserem neugewonnenen amerikanischen Freund Raman (L.A. Base und Bob Marley Double) machten wir uns nach ein paar schönen und entspannten Tagen auf ins Landesinnere. In Kumily beim Periyar Wildflife Sanctuary trafen wir einen Tag vor Weihnachten zwei reiselustige Mitglieder aus dem Timpe-Clan: Martina und Niklas (Lenas Mutter und Cousin). Mit dieser bunt zusammengewürfelten Gruppe, bei der sich sicher so mancher über die Konstellation wunderte, machten wir am 25. Dezember eine Jeepsafari im Tigerreservat – ein sehr weihnachtliches Vergnügen.  Bei einer Wanderung durch den Dschungel wurde es dann gefährlich. Wir wurden von einer Herde Elefanten eingekreist, die sich uns bis auf 3 Metern im Unterholz näherten und markerschütternde Warnsignale von sich gaben. Alle waren in Schockstarre, einzig Raman war damit beschäftigt, eine Horde Blutegel von seinen Schuhen zu entfernen. Auf Anweisung des Guides mussten wir schnell umkehren, denn die Elefanten wollten ihre zwei Babys beschützen und mit ihnen war nicht zu spaßen. Auch Zuckerstückchen hätten sie entgegen dem weitverbreiteten Benjamin-Blümchen-Stereotyp nicht besänftigt. Auf der Rückfahrt im Jeep hatten wir dann noch einmal das Glück eine Horde Elefanten in freier Wildbahn zu beobachten. Zusammen mit 20 indischen Touristen standen wir auf einem kleinen Hügel, um die Tiere besser sehen zu können.

Nun haben wir nur noch 4 Tage in Indien und das Land wird uns sehr fehlen. Besonders das Essen und der tägliche Chaitee 😉 Die Entscheidung nach Indien zu fahren war goldrichtig. Auch wenn einen der chaotische Verkehr, die ständige Suche nach Auskünften und die unpräzisen Erklärungsversuche der Inder manchmal in den Wahnsinn treiben können. Trotzdem stößt man eigentlich immer auf hilfsbereite Menschen, die einen in jeder Lage unterstützen. Auch landschaftlich ist hier für jeden was dabei: Sandstrände, Berge, Dschungel, Klippen…Leider ist es gerade als Frau oft schwierig, die Einheimischen kennenzulernen aber dank Couchsurfing und Fahrten im Local Bus sind wir doch mit vielen ins Gespräch gekommen und haben das Land auf diese Weise besser kennengelernt.

Nächster Halt: Myanmar!

*Das Kopfwackeln ist ein charakteristisches Merkmal der indischen Kommunikation. Es kann je nach Frage und Gesichtsausdruck „ja“, „vielleicht“ oder „ich weiß nicht“ bedeuten.

Eine Jeepfahrt, die ist lustig…

Nach einigen erholsamen Tagen in Palolem (wir berichteten) erwartete uns in Anjuna das komplette Kontrastprogramm. Die Gegend und besonders Anjuna sind als Hippie-Hochburg sowie für die ausschweifenden Goa-Parties berühmt und berüchtigt. Um dies voll und ganz auszukosten, stiegen wir dieses Mal im Prison Hostel (dem selbsternannten ersten Party-Hostel Goas) ab. Schon nach den ersten Stunden dort fühlten wir uns sehr heimisch, denn uns erwartete eine internationale Mischung aus Backpackern (u.a. Inder, Australier, Amerikaner, Argentinier, Briten und Franzosen), die uns sofort in ihrer Mitte aufnahmen und spätestens nach dem ersten Abend mit Kartenspielen auf alkoholischer Basis waren wir komplett integriert.

Daher beschloss der gesamte Trupp am nächsten Tag zusammen zu den ??? Wasserfällen zu fahren. Erst war der Plan, die Strecke („nur 1,5 Stunden!“ Zitat: Alok) mit dem Scooter zurückzulegen, doch wegen der großen Teilnehmerzahl entschlossen wir uns schließlich dazu, zwei offene Jeeps zu mieten. Allerdings stellte sich nach der Anmietung heraus, dass auch in diesen Gefährten der Platz nicht ausreichte. Aber wir sind ja schließlich nicht in Deutschland, das heißt, ein 6er-Jeep kann ohne Probleme auch 9 Leute beherbergen. Also quetschten wir uns zu siebt auf die Rückbank und klammerten uns mit aller Kraft an den Haltestangen fest während uns zwei verkehrserprobte Inder souverän über die Schlaglöcher navigierten (u.a. der indische Bruno Mars!). Während der wechselnden Überholmanöver der beiden Jeeps schossen wir zahlreiche unvorteilhafte Fotos (die uns leider noch nicht vorliegen) und missachteten wahrscheinlich jede Verkehrsregel – aber das sind in Indien sowieso nur Richtlinien, wie wir gelernt haben. Als wir schließlich an einer Ampel neben dem anderen Jeep zum Stehen kamen, wurden wir von der Nachbarbesatzung freundlich darauf hingewiesen, dass unser Motor leicht qualmte. Und wie auf Kommando konnten wir bei grün nicht mehr starten und mussten den Jeep mit vereinten Kräften unter den wachsamen Augen eines Verkehrspolizisten durch den dichten Verkehr an den Straßenrand schieben. IMG_0188Während wir uns bei der Begutachtung dezent im Hintergrund hielten, versammelten sich nun alle Männer aus der Gruppe um den rauchenden Motor. Ganz nach dem indischen Prinzip diskutierten alle wild herum, ohne jedoch zu einem Ergebnis zu kommen. Nach einem Anruf bei der Vermietung wurde uns ein neuer Jeep zugesichert, der nun aber erst einmal abgeholt werden musste. Das hieß für den Rest: das erste Bierchen des Tages in einer „Raststätte“, der wir wahrscheinlich den Jahresumsatz beschert hatten. Nach gefühlt 2 Stunden waren die anderen endlich zurück.

Unser neuer Jeep hatte leider ein kleines Manko: noch weniger Platz als vorher und eine Hinterklappe, die sich ständig öffnete. Glücklicherweise opferten sich die Jungs am hinteren Rand zu sitzen. Zu ihrer Sicherheit gurteten wir sie mit 2 Sarongs an den Außenstangen fest, die wir am Tag zuvor zum Glück auf dem Markt erstanden hatten. Lena wurde aus diesem Grund zur Security-Beauftragten ernannt und die Stabilität der Seemannsknoten fortwährend überprüfen.

Die Fahrer hatten in weiser Voraussicht, dass es sich um eine längere Reise handeln könnte, als Proviant ein paar Kartons Bier eingekauft, die uns von nun an als zusätzliche Sitzgelegenheit dienten. Die verantwortungsvolle Aufgabe der Bierverteilung und Vorratskontrolle wurde Isabell zugeteilt. Man nennt sie seitdem auch „The Box“. Weiter ging die Reise und die Stimmung wurde ausgelassener. Vor allem Felix, ein indisch-mexikanischer Amerikaner, sorgte mit seinem ununterbrochenen Redeschwall für lustige Unterhaltung. So teilte er uns z.B. mit, dass sein Vater und Onkel in der indischen „Times“ eine Heiratsanzeige für ihn geschaltet hatten, um ihn endlich mit einer indischen Frau zu vermählen. Ja, so etwas gibt es tatsächlich! Wir haben die Anzeige gesehen. Zwischendurch wurden wir von vorne immer wieder ermahnt, dass wir das Bier unbedingt bis zum Kontrollpunkt vor dem Wasserfall ausgetrunken haben mussten, was zu diversen Toilettenstopps führte.

Nachdem wir schon ungefähr 4 Stunden unterwegs waren, wurde der Himmel immer dunkler. Was das bedeutet haben wir schon am Abend vorher erfahren als uns heftiger Regen dazu zwang, im Hostel zu bleiben. Und auch nun sollte der Regen nicht lange auf sich warten lassen. Wie schön, dass wir leicht bekleidet in einem offenen Jeep saßen und nach kurzer Zeit bis auf die Knochen nass waren. Besonders unser britischer Mitfahrer Stefan zitterte wie Espenlaub und wünschte sich seine Handschuhe herbei, die er in London bei Minustemperaturen sogar im Bett trägt.

Bald darauf kamen wir endlich am Kontrollpunkt an, wo sich als erstes herausstellte, dass das Mitführen von alkoholischen Getränken überhaupt kein Problem darstellt. Es war bereits 17 Uhr (die Sonne geht hier um 18 Uhr unter). Am Tor machte sich Ernüchterung breit: wir waren erstens zu spät, um noch in den Park hineinfahren zu können. Des Weiteren sind dort offene Jeeps sowieso nicht erlaubt, da es im Park wilde Tiger und Elefanten gibt. Und dann war da noch das Problem mit dem Sonnenuntergang in 1 Stunde! Nach kurzer Beratschlagung und einer Erfrischung im Fluss traten wir also den Rückweg an und deckten uns für den weiten Weg mit noch mehr flüssigem Proviant ein.

Die ganze Aktion hat ungefähr    9 Stunden gedauert. Zur Erinnerung: unsere indische „Reiseleitung“ hatte mit ca. 3 Stunden Fahrt gerechnet…mit dem Scooter 😉

Nicht nur wegen diesem lustigen, aber total unproduktiven Tag wird uns Goa noch lange in guter Erinnerung bleiben. Nächtliche Partys mit Tanzen am Strand (raven IM Wasser ;)), Scooter fahren mit Flip-Flops und ohne Helm, schöne Strände und entspannte Menschen – was will man mehr!?

Leider geht auch die schönste Zeit zu Ende und wir sind jetzt nach einem kurzen Zwischenstopp in Mysore wieder an der Küste in Kerala. Dort wartet eine Backwaterstour auf uns, während der wir versuchen, uns ein bisschen auf Weihnachten einzustimmen. Nicht leicht bei 30 Grad!

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