– Into the Wild –
Der Berg ruft!
An unserem langersehnten Ziel Bariloche konnten wir unseren Traum von einer heißen Dusche bei unserem Couchsurfer endlich verwirklichen und begaben uns dann frisch und munter in die Stadt. Da Ostersonntag war, rechneten wir nicht damit, dass dort so viel los war, jedoch stießen wir auf ein richtiges kleines Volksfest mit Bühnen, Marktständen und Musik. Unser Couchsurfer Emmanuel erzählte uns, dass am Morgen ein riesiges Osterei aus 400 Kilo Schokolade angeschnitten und an die Meute verteilt wurde, die zum Teil schon seit 6 Uhr morgens darauf wartete. Wir konnten leider nur noch das gigantische Gerüst bewundern. Dafür drehte jetzt das Bühnenprogramm voll auf und die „Los Andes a los Beatles“ (eine Combo aus vier Rentnern mit Panflöte und Percussions, die Beatlessongs coverten) heizten der Menge ein. Nach dieser gelungenen Vorstellung ging es zurück zu Emmanuel und wir kochten unserer altbewährtes Couchsurfing-Danksagungsmenü.
Am nächsten Tag machten wir uns zu einer Wanderung rund um den Nahuel Huapi See auf. Während Bariloche im Winter ein beliebtes Ziel für Skifahrer ist, zieht es im Sommer viele Wanderlustige an. Jetzt im argentinischen Herbst ist eher wenig los und so hatten wir freie Bahn. Wir waren kaum losgegangen, da schloss sich uns auch schon ein großer, schwarzer Hund an. Seinen Namen kennen wir nicht, jedenfalls hörte er nicht auf „Bingo“. Er sollte uns die nächsten 20 Kilometer nicht von der Seite weichen und verteidigte uns netterweise vor anderen Hunden auf dem Weg, die uns sonst bestimmt angegriffen hätten 😉 30 km wanderten wir bergauf und bergab und genossen die Panoramaaussicht über die schöne Seenlandschaft. Da Isabell stets bemüht ist, ihren Reichtum mit der heimischen Bevölkerung zu teilen, ließ sie an einem Aussichtspunkt glatt ihre Kamera stehen, über die sich ein weiterer Tourist sicher gefreut hat! Wir hoffen, die Bilder landen nicht im Netz 😉
Erschöpft aber glücklich kehrten wir nach einem Schuhtausch zurück zu Emmanuel, wo wir den Abend mit einem Glas Wein und deutschen Liedern ausklingen ließen.
Und dann war es Zeit für El Bolson, ein Hippiedorf in den patagonischen Bergen. Hier wurde es gemütlich, „lecker“ und „schön“ (Worte, die wir hier inflationär, aber zurecht, benutzten)! Im schönsten Hostel des Ortes wurden wir gleich erst einmal upgegradet und freuten uns über ein Zweierzimmer. Fast fühlten wir uns dank der familiären Atmosphäre wie zu Hause und aufgrund des herbstlichen Wetters stieg unser Teekonsum dramatisch an. Auch hier waren die Tage von langen Wanderungen geprägt und wir besichigten u.a. einen Wasserfall, den Bergsee Lago Puelo und verschiedene Aussichtspunkte.
Besonders beeindruckend war der Skulpturengarten, der Bosque Tallado, auf 1400 Meter Höhe, den wir nach einer 3stündigen Wanderung, immer bergauf, erreichten. Natürlich war auch wieder ein Hund an unserer Seite – wie könnte es anders sein! Weil wir in der Nebensaison dort waren, hatten wir den Park am Berghang für uns allein und konnten von den Holzskulpturen, die von südamerikanischen Künstlern erschaffen wurden, tolle Fotos vor der spektakulären Bergkulisse schießen.
Während es unser treuer vierbeiniger Begleiter vorzog, die Bergluft noch etwas zu genießen, machten wir uns an den Abstieg. Doch die Wachablösung ließ nicht lange auf sich warten. Ein weiterer Hund begleitete uns bis fast nach Hause. Das letzte Stück führte an einer vielbefahrenen Landstraße entlang und wir mussten dem scheinbar suizidgefährdeten Tier mehrmals das Leben retten und ihn ermahnen, am Seitenstreifen zu bleiben.
Jeden zweiten Tag findet in El Bolson ein Bio- und Handwerksmarkt statt, den wir dreimal besuchten. Dort deckten wir uns mit Schmuck ein und probierten uns durch die angebotenen Speisen, wie Tartas mit Kürbisfüllung, Empanadas und frische Säfte – que rico! 🙂
Überhaupt fuhren wir in El Bolson das volle Detox- und Bioprogramm. Bei unseren Wanderungen machten wir so manchen Brombeerstopp, pflückten frische Äpfel und sammelten Walnüsse. Merke: niemals Nüsse im Bus knacken!
Der Abschied von El Bolson fiel uns wirklich schwer, denn das Städtchen mit seiner chilligen Atmosphäre, den netten Hippiebewohnern, dem reichhaltigen Angebot an Bioprodukten und den schönen Holzhäusern hat es uns wirklich angetan. Und all dies vor einer malerischen Kulisse im friedlichen Patagonien. Wirklich idyllisch und vielleicht eine Wohnoption!;)
Auch die Wanderbilanz kann sich sehen lassen: in 5 Tagen haben wir fast 100 km mit unseren Wanderschuhen und -chucks zurückgelegt!
Nach einem fulminanten Abend in der einzigen Bar mit Livemusik versuchten wir leicht verkatert und übermüdet noch einmal unser Trampglück, um von Bariloche aus einen Bus nach Osorno in Chile zu nehmen. Wir hatten gerade unsere Schilder ausgepackt, da hielten auch schon Edward und Javier aus Chile mit ihrem sportlichen Kleinwagen neben uns an. Die beiden waren unterwegs nach Valdavia (Chile) und so konnten wir Glückspilze 5 Stunden eingepfercht zwischen unseren Rucksäcken auf der Rückbank bei ihnen mitfahren. Aus dem Radio schallte ein 80er Mix, bei dem ein Hit auf den nächsten folgte. Bei Modern Talking wurde die Musik dann voll aufgedreht und unsere beiden Fahrer freuten sich darüber, uns mit deutschen Liedern zu beglücken. Auch wir waren sehr begeistert von der Auswahl 😉 Wieder einmal stellten wir fest, dass die Chilenen zu den nettesten Menschen der Welt gehören. Kaum hatten wir die Grenze überschritten, kam Edward als Fahrer nicht mehr aus dem Grüßen der entgegenkommenden Autofahrer heraus – eine chilenische Tradition, wie er uns erklärte. Ständig boten uns die beiden zudem Kaffee und Essen an, nicht zuletzt weil wir wohl etwas müde zwischen unseren Taschen hingen.
Dann waren wir nur noch eine Nachtfahrt von Santiago entfernt. Hier halten wir uns gerade im „Pollo Express“ am Busbahnhof auf und warten bei einem Café sin leche darauf, dass unser Couchsurfer Nicolas nach Hause kommt. Aufgrund der „oranjen“ Schutzhülle von Lenas Rucksack wurden wir hier gleich für Holländer gehalten und ein Chilene bot uns seine Hilfe an. Jetzt wissen wir auch, wo die Metrostation ist, die wir vergeblich gesucht haben.
Girls Days – Mit dem LKW durch Patagonien
Der Streik, der alle Einrichtungen wie z.B Transportgesellschaften, Geschäfte, Wäschereien etc. betraf, bescherte uns zwei weitere Tage in Buenos Aires. Eine weitere Nacht streiften wir mit unseren südamerikanischen Amigos durch die Stadt. Auf der vergeblichen Suche nach einer Bar trafen wir auf eine Musikergruppe und gesellten uns zu ihnen. Durch die traditionellen chilenischen Lieder, die alle lautstark mitsangen, sowie die 970ml-Flaschen Quilmes wurde die Stimmung immer ausgelassener und die Nacht immer kürzer bis wir wie jeden Abend mal wieder an der Mafalda-Bank (Mafalda ist eine berühmte Comicfigur aus Argentinien) landeten.
Dementsprechend liefen wir am nächsten Tag auf Sparflamme und schafften es so gerade zur Wäscherei, die zum Glück nicht mehr streikte. Die weitere Mission des Tages: Schilder für die bevorstehende Trampreise nach Bariloche basteln. Da viele Leute uns den Tipp gegeben hatten, beim Trampen auf einem Schild darauf hinzuweisen, dass wir aus Deutschland kommen, weil alle gerne Ausländer kennenlernen wollen, malten wir auch ein Schild mit der Aufschrift „Somos alemanas“. Das hatte schon im Hostel durchschlagenden Erfolg. Der Venezuelaner Nestor, der das Schild aus seinem Fenster erblickte, war ganz überrascht, dass wir nicht aus Frankreich kommen, und gesellte sich zu uns in den Innenhof. Seine anderen Amigos ließen nicht lange auf sich warten, so dass wir bald mit einer riesigen Gruppe zusammensaßen und versuchten uns auf Spanisch zu unterhalten. Belustigung des Tages war die verlorene Wette des Brasilianers Bruno, der sich daraufhin die Haare blond färben musste. Aus Solidarität taten es ihm die anderen gleich, so dass wir uns zwischen den nun mehr oder weniger erblondeten Südamerikanern (Los Rubios) fast wie in Deutschland fühlten. 🙂 Bevor wir uns ins Bett verabschiedeten verabredeten uns mit Nestor für den nächsten Tag, um uns den Stadteil La Boca anzuschauen.
Wie geplant ging es dann mit zweistündiger Verspätung los. Auch Bruno war mit dabei. In La Boca erwarteten uns bunte Häuser, Tangoshows und viele Künstlerateliers. Nestor hatte es sich auf die Fahnen geschrieben uns den schönsten Tag in Buenos Aires zu bescheren und so wurden wir mal wieder unfreiwillig ausgehalten. Schon auf dem Hinweg wurde uns ein Stück Kuchen aufgedrängt, gefolgt von einem Caipirovska und einem Bier. Obwohl wir gar nicht hungrig waren revanchierten wir uns mit einem Eis.
Und dann war es auch schon Zeit Buenso Aires zu verlassen. Schweren Herzens verabschiedeten wir uns vom ganzen Hostel und begaben uns auf die Abenteuerreise Richtung Süden. Da wir von mehreren Leuten den Tipp bekommen hatten, dass man von Bahia Blanca am besten nach Bariloche trampen kann, legten wir die Strecke bis dorthin mit dem Zug zurück. Wer schon einmal in der dritten Klasse in einem argentinischen Zug mitgefahren ist, weiß, wie es dort zugeht. Der Wagon schaukelte die ganze Fahrt hin und her und wir federten auf den durchgesessenen Sitzen mit. Um wenigsten etwas bequem liegen zu können, schliefen wir dann abwechselnd auf dem wirklich dreckigen Boden mit unseren Trampschildern als Unterlage sowie auf der kleinen 2er-Bank, wobei wir uns dazu auf die Hälfte unserer Körpergröße zusammenfalten mussten. Gemütlich! Vollkommen ausgeruht starteten wir also unsere 1000 Kilometer lange Trampstrecke gen Südwesten. Carlos, eine Hostelbekanntschaf, hatte uns vorher sehr rudimentär den Weg zum Tramphotspot auf einem Einkaufszettel aufgemalt. Zunächst mussten wir einen Bus bis zu einer Tankstelle an der Ruta Sur nehmen. Leider war uns die genaue Nummer unbekannt und so stellten wir uns erstmal mit unserem Schild „Direccion Bariloche“ mitten in die Stadt und ernteten komische Blicke. Zum Verständnis: Das ist in etwa so, als wenn man sich vorm Hamburger Michel mit einem „Richtung Rom“ Schild positioniert. Ein freundlicher älterer Herr gab uns schließlich eine heißen Bustipp und wenig später transportierte uns die 514 Richtung Stadtausgang. Mangels Buskarte und monetärer Bezahlungsmöglichkeit war dies für uns sogar kostenlos, weil wir den Fahrer nur verständnislos anstarrten. Nachdem wir noch einen kurzen Fußmarsch zurücklegten, waren wir um 12 Uhr mittags auch endlich an unserem Ausgangspunkt und uns beschlich das komische Gefühle, dass die Reise doch etwas länger dauern könnte als geplant. Während der nächsten 20 Minuten waren wir anscheinend eine unterhaltsame Abwechslung für die entgegenkommenden Autofahrer und alle winkten und hupten uns aufmunternd zu. Schließlich erbarmte sich der Trucker Daniel uns die ersten 200 Kilometer bis Rio Colorado mitzunehmen. Zum ersten Mal betraten wir die Fahrerkabine eines LKWs, wo wir und unser halber Hausstand auf dem Bett und dem Beifahrersitz Platz fanden. Mit Begleitung der Red Hot Chilli Peppers schlichen wir den Highway entlang, denn Daniel hatte scheinbar keinen Zeitdruck. Unterwegs hielt er ständig an, um Besorgungen zu machen u.a. Glasflaschen und Pflaumen, mit denen er uns verköstigte. 3 Stunden später hatten wir die 200 Kilometer hinter uns gebracht und standen im weit und breit größten „pueblito“ an einer verlassenen Tankstelle. Was für ein Glück, dass der LKW-Fahrer Gustavo uns von Weitem zuwinkte. Das dachten wir zumindest, denn nun nahm das Schicksal seinen Lauf. Er erklärte uns, dass er nicht auf der direkten Straße nach Bariloche sondern einer Straße, die weiter nach Süden verläuft, weiter führe, er könne uns aber in San Antonio, einer weitern Abzweigung nach Westen, rauslassen. Aufgrund einer Vokabelverwechslung nahm er dann einige Zeit fälschlicherweise an, wir wären alleinerziehende Mütter mit 2 bzw. 3 Kindern unterwegs in Südamerika. Wir dachten eigentlich, wir hätten über Geschwister geredet. 🙂
In San Antonio kamen wir um 18:00 Uhr abends an und waren heilfroh, dass sich neben der Tankstelle ein kleines Motel im amerikanischen Stil befand. Hier verbrachten wir eine erholsame Nacht, um schließlich frohen Mutes weiter zu trampen. Doch schon der erste Fahrer, den wir früh morgens um sieben Uhr ansprachen, nahm uns alle Illusionen. Die von Gustavo vorgeschlagene Straße, sei nicht sehr stark frequentiert und die meisten Fahrzeuge würden weiter an der Küste nach Süden fahren. Trotzdem brachte er uns bis zu besagten Abzweigung, denn wir wollten es zumindest versuchen. Bei gefühlten 0 Grad warteten wir mit unseren Schildern in der patagonischen Steppe. Nur vereinzelt fuhren Autos und LKWs in die falsche Richtung an uns vorbei und zur Aufmunterung entwickelten wir das goldene Tramper-Mantra:
1. Wir leben noch.
2. Wir haben Wasser und Brot.
3. Wir haben alle unsere Sachen noch.
4. Wenigstens regnet es nicht.
5. Es gibt Autos.
6. Es gibt keine Tiger. (Danke an Gustavo für diesen einzigen sinnvollen Hinweis!)
Irgendwann mussten wir, flexibel wie wir sind, eine Entscheidung treffen und unsere Pläne mal wieder über Bord werfen. Wir hielten es für das beste weiter Richtung Süden zu fahren, da es dort eine vielbefahrene Straße nach Bariloche gibt. Also hieß es ein neues Schild zu malen und den Standort zu wechseln. 10 Minuten später kam Alejandro, der Retter in der Not, mit seinem Truck angebraust. Nach einer Matetee-Pause machten wir uns auf die unterhaltsame Fahrt nach Trelew. Alejandro war mit einer Ladung Kartoffel unterwegs nach Feuerland und bot sich auch gleich an uns bis dorthin mitzunehmen. Zur Überzeugung zeigte er uns schöne Videos und Fotos von Pinguinen, Seelöwen und der tollen Landschaft und hätten wir mehr Zeit wären wir bestimmt mitgefahren. Aber dann wären wir nicht nur 1000 sondern 2500 km in der falschen Richtung. 🙂 Scheinbar froh mit jemandem reden zu können, erzählte er uns von seinem Leben on the road und seinen Plänen bis zum 30sten Geburtstag eine eigene Firma aufgebaut zu haben. Bis er dafür das Geld zusammenhat ist er jeden Tag in den Weiten Patagoniens unterwegs. Zum Wachbleiben in der öden Tundralandschaft hilft er mit Mate und Cocablättern nach. Einsamer als hier geht es nicht und unter den Trucker kursieren Ufo- und Geistergeschichten, die sich nachts zutragen sollen. Keine Ahnung, wie wir das alles verstanden haben, aber irgendwie konnten wir uns unterhalten. Da auch Alejandros Fahrstil eher tranquillo war, kamen wir erst um 16 Uhr in Trelew an und mussten einsehen, dass wir es trampend erst in drei Tagen nach Bariloche schaffen würden. So lieb wir das Truckerleben auch gewonnen hatten, wollten wir doch nicht so viel Zeit dafür opfern und konnten relativ günstig ein Nachtbusticket zu unserem Zielort ergattern. Dort wartet schon ein Couchsurfer auf uns – hoffentlich hat er eine heiße Dusche.
Fazit nach zwei Tramptagen in Patagonien: Wir haben ca. 800 Kilometer zurückgelegt und sind noch immer etwa 600 Kilometer von unserem Ziel entfernt. Dafür sind wir in die Wildnis Patagoniens vorgedrungen. Die Entfernungen sind wirklich unvorstellbar lang und oft kann man kilometerweit schauen und nur sehr sehr selten kommt man an einer Tankstelle sowie einer Ansammlung von Häusern vorbei. Da ist Trelew mit seinen 90.000 Einwohnern eine richtige Metropole.
Ostersonntag, 12 Uhr mittags, wir sind nach 69 Stunden on the road endlich an unserem Ziel in Bariloche angekommen und genießen mit unserem letzten Geld einen café con leche in einer Tankstelle mit den Bergen im Hintergrund.
Muchas noches locas – que no pare la fiesta!
Von Colonia aus starteten wir unseren ersten Trampversuch Richtung Montevideo. Nach dem Aufstehen schwante uns Böses: es regnete in Strömen. Als wir jedoch die Ruta 1 hochliefen, klärte es glücklicherweise etwas auf. Am Ortsausgang angekommen platzierten wir uns bewaffnet mit unseren Schildern – ‚Montevideo‘ und ‚por favor‘ – am Straßenrand.
Dann hieß es warten und lächeln, denn alle Autos schienen Richtung Carmello abzubiegen. Doch nicht viel später stoppte ein Kleintransporter neben uns und wir konnten die ersten 20 km mit zwei Handwerkern zurücklegen, die uns Mate-Tee und Wurstbrote anboten. Dann ging es Schlag auf Schlag. Kaum ausgestiegen hielt ein nettes Rentnerpärchen am Straßenrand und nahm uns die nächsten 50 km mit. Glück für uns, denn nun fing es wieder richtig an zu regnen. Die beiden waren echte Deutschlandfans und erzählten uns fun facts über die Städte/Dörfer auf dem Weg, die von verschiedenen Nationen besiedelt wurden. Um uns an einem günstigen Ort an einer Mautstelle herauszulassen, legten sie sogar einen Umweg ein und gaben uns den Tipp, die Autofahrer dort direkt anzusprechen und darauf hinzuweisen, dass wir aus Deutschland kommen. Anscheinend sind Deutsche hier sehr beliebt…im strömenden Regen mussten wir ein sehr mitleidserregendes Bild abgegeben haben und Isabell hatte ihren Regenponcho kaum ausgepackt, da trat der Ingenieur und Bayern-München-Fan Mirco auf die Bremse, bei dem wir bis nach Montevideo mitfahren konnten. In der uruguayischen Hauptstadt konnten wir bei Eric, dem Bruder eines Ex-Kollegen von Isabell, unterkommen. Am Busbahnhof Rio Blanca nutzten wir zur Kontaktaufnahme das erste Mal seit anno 1999 eine öffentliche Telefonzelle und saßen kurz darauf im Bus Richtung „Städtisches Klinikum“, wo uns Eric mit einem Regenschirm abholte. Zu Hause kochte Eric uns erst einmal eine typisch uruguayische Mahlzeit: Buletten und Reis J
Beim Essen erzählte er uns etwas über sein Land. Seit mehr als 15 Jahren regiert die linke Partei in Uruguay und das Land ist überraschend tolerant. Seit längerem sind gleichgeschlechtliche Ehen, sowie Adoptionen durch gleichgeschlechtliche Paare erlaubt. Außerdem ist der Marihuana-Konsum legalisiert. Für den Hausgebrauch darf man schon jetzt 6 Pflanzen besitzen und ab Oktober soll es frei verkäuflich in Apotheken erhältlich sein, nicht zuletzt um den Markt zu regulieren. Da wird Uruguay dann ganz plötzlich zu einem sehr interessanten Reiseziel – quasi zum Holland von Südamerika – für brasilianische und argentinische Touristen. Dann musste Eric zur Arbeit und wir besuchten aufgrund des anhaltenden Regens das in der Nähe gelegene Shoppingcenter. Hier hatten wir freies Internet, erledigten unsere Einkäufe und gingen dann zum ersten Mal auf dieser Reise ins Kino: Cincuenta sombras de Grey in Originalversion! Ein anstrengender erster Tag in Montevideo, der aber anders als gedacht noch lange nicht zu Ende war. Wir waren schon fast bettfertig als Eric mit seinem Freund und Arbeitskollegen Nicolas um 23.30 Uhr von der Arbeit kam und uns unbedingt noch das montevideische Nachtleben zeigen wollte. Da wir dachten, wir gehen nur auf ein Bier aus, ließen wir uns überreden. Nicolas bestellte den Fed-Ex-Express, einen betriebseigenen Chauffierservice in Form eines Taxis, das mit Gutscheinen bezahlt wird. So fuhren wir auf der Suche nach Leuten an mehreren Bars vorbei bis wir uns schließlich in einem Elektroclub wiederfanden, der für einen Mittwochabend und motevideische Verhältnisse erstaunlich voll war. Komischerweise waren wir nach nicht mal 10 Minuten als deutsche Touristen clubbekannt und hatten einige Gesprächspartner. Erst um 6 Uhr ging es mit dem Fed-Ex-Express zurück und im Zimmer von Erics Tochter fanden wir dann endlich unseren wohlverdienten Schlaf. Aus katertechnischen Gründen auf uruguayischer Seite haben wir das versprochene Überraschungsfrühstück mit deutschen Spezialitäten leider nicht erhalten 😉 Obwohl Nicolas nicht ganz auf der Höhe war, erklärte er sich bereit, uns die Stadt zu zeigen.
Während wir durch die Altstadt liefen, erklärte er uns, dass er sich für kommendes Jahr an der FH Osnabrück um einen Masterplatz beworben hat. Was für ein Zufall! So konnten wir ihm schon einmal ein bisschen helfen, sein Deutsch zu trainieren und ihm von Osnabrück vorschwärmen 😉 Dann musste auch er zur Arbeit und wir gingen mangels alternativer Entertainmentmöglichkeiten (kein Fernseher, kein Internet) unserer alltäglichen Abendgestaltung nach: kochen und Harry Potter hören. Nach einer weiteren Partynacht schafften wir es am Freitag noch zum Meer/Rio de la Plata und kochten abends ein typisch deutsches 2-Gänge-Gericht für unseren Gastgeber, dessen Vater übrigens aus Deutschland kommt. Auf der Speisekarte standen Kartoffelbrei und Gulasch mit Röstzwiebeln auf einem Salatbett mit Gemüse der Saison, sowie ein geschichteter Joghurttraum im Glas garniert mit Granola. Da haben wir noch richtige Hausfrauenqualitäten in uns entdeckt. Auch der Gastgeber war hellauf begeistert und spätestens jetzt sind wir immer wieder bei ihm willkommen. Nach 3 Tagen hieß es Abschied nehmen und am Busbahnhof überraschte uns Eric noch mit einem Souvenir: Dulce de leche aus Punta del Este. In einer Bus-Boot-Kombi ging es zurück nach Buenos Aires. Dort mussten wir leider wieder unsere bei Juan und Hugo eingelagerten schweren Reiserucksäcke in Empfang nehmen. Da es Samstag war, freuten wir uns auf einen spannenden Abend im pulsierenden Nachtleben der argentinischen Hauptstadt. Im Hostel lernten wir eine Gruppe Südamerikaner kennen, die uns mit auf eine WG-Party im Stadtteil Palermo nehmen wollten.
Nach anderthalb Stunden zu Fuß und einer halben Stunde Busfahrt waren wir auch schon da! Weiter ging es dann später zum Plaza Serrano, denn die Nacht war ja noch jung! Hier irrten wir kreuz und quer über den Platz auf der Suche nach einer ansprechenden Location. Leider ohne Erfolg. Dafür war es plötzlich 7 Uhr und pünktlich zum Frühstücksbeginn waren wir wieder im Hostel. Auch die nächste Nacht war wieder sehr gehintensiv. Mit einer Gruppe Israelis (die ersten netten Menschen dieser Nation und Angestellte beim Secret Service) liefen wir von Bar zu Bar. Auf unserer Odyssee durchs nächtliche Buenos Aires erregte ein riesiges Zelt auf dem Grünstreifen inmitten der Hauptstraße unsere Aufmerksamkeit. Eine Organisation der indigenen Völker Argentiniens demonstrierte hier für ihre Rechte. Wir kamen mit einem der Demonstranten ins Gespräch und wollten sie gerne irgendwie sinnvoll unterstützten. Also versprachen wir, am nächsten Tag mit Wasser und Sandwiches zurückzukommen, was wir dann auch tatsächlich schafften. Wer sich übrigens fragt, was wir hier sie ganze Zeit so treiben: heute haben wir ca. 3 Stunden lang versucht, ein Bahnticket nach Bahia Blanca zu kaufen. Wir wurden von Schalter zu Schalter und von Bahnhof zu Bahnhof geschickt, nur um schließlich festzustellen, dass diese Woche gestreikt wird, sodass wir Buenos Aires erst Donnerstag (zwei Tage später als geplant) verlassen können.
Buenos Aires, mi amor!
Und 22 Stunden später waren wir plötzlich in Buenos Aires! Nachdem wir endlich den richtigen Ausgang aus dem Terminal gefunden hatten, waren wir bereits mit unseren Kräften am Ende. Bei einer Verschnaufpause wurden wir von einem argentinischen Polizisten freundlich ermahnt, jederzeit auf unser Gepäck achtzugeben. Das haben wir zumindest so verstanden. Mit den immer schwerer werdenden Rucksäcken schleppten wir uns durch die Stadt und hofften, dass der Couchsurfer schon Kaffee aufgesetzt hatte. Wir hatten Glück und trafen um 15 Uhr pünktlich zur Lunchzeit in der WG ein. 4 Argentinier begrüßten uns herzlich und teilten ihre Tarta mit uns. Da nur Juan Englisch sprach, lief die Konversation etwas schleppend an und auch die Namen der anderen WG-Mitglieder blieben für uns zunächst ein Mysterium.
„Wie hießen die nochmal?“ – „Ich hab nur Uwe verstanden!“ Damit hatte der chilenische Teil der WG seinen Spitznamen weg. Lenas Kaffeetasse mit der Aufschrift „Hugo“ war schon ein Wink mit dem Zaunpfahl, wir jedoch fragten uns: „Who the fuck is Hugo?“
Um den Tag noch auszunutzen, machten wir uns auf den Weg in das alternative Stadtviertel San Telmo, wo jeden Sonntag ein Floh- und Handwerksmarkt stattfindet. Es gab viel zu sehen. Neben den verschiedenen Ständen traten an jeder Ecke Musik- und Tanzgruppen auf. In einem Hinterhof stießen wir auf ein Künstlerkollektiv, wo eine Band traditionelle argentinische Musik spielte. Zu den Tango tanzenden Paaren gesellten sich immer mehr Leute aus dem Publikum, sodass bald die ganze Tanzfläche gefüllt war. Argentinische Kultur hautnah! Alle tanzten ausgelassen – auch die Männer. Davon können sich die Deutschen mal eine Scheibe abschneiden!
Sommerverwöhnt wie wir waren wurde uns bei 20 Grad in unseren kurzen Sachen und Flip-Flops schon fast kalt und so traten wir den Rückweg zur WG an. Wir hatten gehofft, dass das Fußballspiel, das sich die Jungs angucken wollten, schon vorbei war, aber leider war der Anstoß erst um 21.30 Uhr…Zur argentinischen Abendbrotzeit um 23.00 Uhr gab es dann noch Pizza und verschiedene lokale Eissorten sponsored by Juan. Endlich war das Fußballspiel vorbei und wir durften uns einen Film aussuchen. Die Wahl fiel auf „Little Miss Sunshine“, aber das kam bei den Jungs wohl nicht so gut an, denn nach und nach fielen ihnen die Augen zu. Vielleicht waren sie aber auch einfach erschöpft vom Fahrradfahren (oder Sandwichessen, Zitat How I Met Your Mother ;)).
Am nächsten Tag hatten wir nur ein vorrangiges Ziel: ein Ticket für die Fähre nach Colonia in Uruguay besorgen. Doch das gestaltete sich schwieriger als wir dachten. Da am 24. ein bedeutender Feiertag war, hatten die Geschäfte aus unerfindlichen Gründen bereits am Vortag geschlossen. Also liefen wir durch die komplette Stadt bis zum Fährhafen und ergatterten noch zwei der begehrten Tickets in die „Provinz“ Uruguay. Damit war die Tagesmission erfüllt und wir traten den 5km langen Rückweg an. Aber wir sind ja keine Luxusbackpacker. So haben wir wenigstens schon einmal fast alle Viertel von Buenos Aires erlaufen. Eine wunderschöne, überschaubare Großstadt mit Berliner Flair!
Juan hatte uns bereits mitgeteilt, dass er am Abend ein Kinodate habe und so freuten wir uns auf eine leere Wohnung und wieder einmal einen Netflix-Zugang. Nach einem Kampf mit dem Türschloss vernahmen wir schon die wohlklingenden Laute von „Uwes“ Gitarre. Also doch keine sturmfreie Bude, dafür eine musikalische Bespaßung und unsere erste Matetee-Session von und mit dem chilenischen Musiker. Zu dritt saßen wir um den Wohnzimmertisch und lachten uns an, weil „Uwe“ die englischen und uns die spanischen Wörter fehlten, um die Konversation am Gang zu halten. In seiner Verzweiflung schlug „Uwe“ eine Fahrradtour zu einem Park vor – um 20.00 Uhr abends. Uns war alles recht, um der peinlichen Stille zu entkommen. Und so schwangen wir uns auf die Räder und radelten ohne Licht (erster Gedanke der gesetzestreuen Deutschen) durchs nächtliche Buenos Aires. Am Park angekommen konnten wir uns dann nicht mehr mit unseren Smartphones ablenken und mussten uns ganz oldschool wohl oder übel unterhalten. Nachdem wir uns überwunden hatten, klappte es mit dem Spanischen doch einigermaßen und wir konnten sogar ein richtiges Gespräch führen. Dabei stellten wir u.a. klar, dass wir nicht etwa „novias“, wie alle geglaubt hatten, sondern nur „amigas“ sind. In sportlichem Tempo ging es zurück zur Wohnung, denn wir hatten geplant, für unsere Gastgeber zu kochen. Unter Einfluss unseres ersten Weines seit Monaten zauberten wir Kartoffelbrei, Fisch mit Senfsoße und Gemüse. Komischerweise klappte es mit der Spanischunterhaltung immer besser. Um 23.30 Uhr konnten wir dann auch endlich essen, untermalt von den Violinenklängen von „Uwes“ Streicherduo auf Soundcloud (Violayviola). Um die zu uns genommenen Kalorien wieder abzutrainieren, bekamen wir beide dann noch eine Salsa-Lesson gratis. Ein wirklich sportlicher Tag und eine tolle Zeit in Buenos Aires! Glücklicherweise sind wir nächstes Wochenende noch einmal dort, um auch das berühmt-berüchtigte Nachtleben auszuchecken und die ein oder andere Straße zu entdecken, die wir noch nicht durchquert haben. Erleichtert haben wir heute noch festgestellt, dass nächstes Wochenende ja noch gar nicht Ostern ist, wovon wir 3 Wochen lang fälschlicherweise ausgegangen sind.
Morgen geht es für uns erst einmal von Colonia nach Montevideo – eine Strecke, die wir trampenderweise zurücklegen wollen.
Arm aber sexy – Es gibt Reis!
Von Florianopolis aus ging es mit dem Nachtbus in bequemen VIP-Deluxe-Sitzen nach Foz do Iguacu, einer der wenigen Stopps, der schon vor der Weltreise feststand. Zuerst besichtigten wir die brasilianische Seite der weltberühmten Wasserfälle (der Rio Iguazú trennt Brasilien und Argentinien) und konnten von verschiedenen Aussichtspunkten das Naturspektakel in seiner vollen Pracht bewundern. Bei strahlendem Sonnenschein machte es dabei gar nichts aus, dass man an einigen Stellen ziemlich nass wurde, da einige Stege inmitten der zahlreichen Wasserfälle gelegen waren. Schon beeindruckend, welche Naturgewalten da am Werk sind. 🙂 Ein fabelhafter, letzter Tag im wunderbaren Brasilien. Wir sind der Meinung, das war spitze! 😉
Doch die Glückssträhne hielt nicht lange an, denn dann ging es nach Argentinien. Um pünktlich über die Grenze zu kommen, verschlangen wir im Hostel noch schnell die Reste der Reismahlzeit vom Vortag und investierten unsere letzten Reais in ein Busticket nach Argentinien. In Puerto Iguazu gestalteten sich die Geldbeschaffungsmassnahmen äußerst schwierig. Leider gab es in der nicht ganz so kleinen Stadt nur 2 Banken, von denen uns nur eine das Tageshöchstlimit von 100€ auszahlen wollte. Dumm nur, dass wir für das Busticket nach Buenos Aires am nächsten Tag schon 84€ wieder ausgeben mussten. Blieben nach Adam Riese noch 16€. Weil wir schon den ganzen Tag unterwegs waren und nicht noch länger mit unserem Hausstand durch die Gegend laufen wollten, entschieden wir uns erstmal zu unserem Hostel zu fahren, welches etwas außerhalb der Stadt in der Nähe des Nationalparks lag. Für die Übernachtung wurden im Voraus 10€ und weitere 5€ als Pfand für die Bettwäsche fällig. Wie gehofft, konnten wir leider nicht mit Karte zahlen. Somit hatte jeder von uns noch einen Euro übrig. Eigentlich wollten wir diesen Euro in etwas Essbares investieren, aber da es weit und breit keinen Supermarkt gab und der Bus in die Stadt alleine schon 60 Cent gekostet hätte, ging die Rechnung nicht auf. Mit knurrendem Magen wagten wir also einen Blick in unsere Essenstüte. Aus den dort vorhandenen Zutaten (0,5 Liter Wodka, 5 Brühwürfel, 500g Reis und 200g Haferflocken) hätte uns selbst die Chefkoch-App kein schmackhaftes Gericht vorschlagen können. Um den Hunger zu stillen, blieb uns dann aber trotzdem nichts anderes übrig als einen Pott Brühe mit Reis zu kochen. Glücklicherweise fiel uns auf dem Weg vom Zimmer zur Küche noch eine reife Avocado vor die Füße, mit der wir das Gericht verfeinern konnten. Yummy! Da auch unsere Wasserflaschen keinen Tropfen mehr hergaben, kochten wir uns nebenbei auch noch Leitungswasser ab.
Mehr oder weniger gut gestärkt wollten wir dann das kleine bisschen Luxus genießen, was uns noch blieb und stürzten uns in den Hostelpool.
Am nächsten Tag stand dann der Besuch der argentinischen Seite der Wasserfälle auf dem Programm. Leider war da mit einem Euro nicht viel zu holen und so mussten wir zunächst wieder in die entgegengesetzte Richtung in die Stadt fahren, um Geld zu beschaffen und uns mit Essen für die am Abend anstehende Busfahrt einzudecken. Leichter gesagt als getan! Auf der Suche nach DER Bank irrten wir 1,5 Stunden durch die verwinkelten Straßen der Stadt bis wir schließlich unsere Mission erfüllt hatten. Ein Blick auf die Uhr zeigte uns, dass Zeit knapp wurde und wir uns sputen mussten, wenn wir unseren Bus nach Buenos Aires um 18 Uhr erreichen wollten. Da auf weiter Flur kein Supermarkt zu finden war, wurde die Essenssuche zunächst auf Eis gelegt und wir fuhren erstmal zu den Wasserfällen.
Mit der Zeit im Nacken arbeiteten wir uns bei 30 Grad durch die Menschenmassen hin zur Aussichtsplattform. Die letzten Schlucke aus der Wasserflasche mussten dabei -wie die Zeit- gut rationiert werden. Da Samstag war, besuchten noch mehr Leute den Nationalpark, sodass alles doppelt so lange dauerte und wir leider keine Zeit mehr hatten, auch andere Wasserfälle außer der Hauptattraktion zu besuchen. Sightseeing nach dem asiatischen Prinzip! Viel zu früh mussten wir ins Hostel zurückkehren und mangels Alternativen hieß es wieder: Baby, es gibt Reis!
Mit Sack und Pack machten wir uns auf den Weg in die Stadt zum Busterminal. Unsere erste Priorität jedoch: Essen kaufen! Gerade aus dem Bus ausgestiegen schlug das Wetter um und mit dem schweren Gepäck und Flipflops an den Füßen versuchten wir möglichst schnell durch den strömenden Regen in die rettende Trockenheit des Supermarktes zu kommen. Endlich konnten wir unsere Reisdiät unterbrechen und deckten uns mit Joghurt, Brot, Obst und Käse ein. Das dachten wir zumindest.
Im Nachtbus lernten wir Marcello kennen, einen ca. sechzigjährigen Argentinier, der uns auf erstaunlich gutem Deutsch mit seinen Geschichten aus der DDR erheiterte. Marcello machte uns außerdem Hoffnung, dass uns als Abendsnack noch ein Sandwich erwarten würde. Allerdings sei es um 20:30 Uhr noch viel zu früh fürs Abendessen in Argentinien. Gespannt hielten wir 3 Stunden die Augen offen, um die kostenlose Mahlzeit nicht zu verpassen und hatten um halb zwölf die Hoffnung schon fast aufgegeben, als uns ein Gericht serviert wurde: Überraschung! Es gibt Reis (und Rollbraten)! 🙂 Da war die Freude groß! Mit vollem Magen schlief es sich aber trotzdem besser, während uns der Bus 20 Stunden durch die argentinische Pampa chauffierte.
In Buenos Aires schlafen wir nun bei einem Couchsurfer und hoffen auf einen etwas abwechslungsreicheren Speiseplan!
Happy St. Patrick´s Day
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Heaven is a sanddune!
Auf alle brasilianischen Eventualitäten vorbereitet machten wir uns auf den Weg zur Ilha Grande, einer Insel unweit von Rio. Nach der Busfahrt in den Priority Seats für Dicke, Schwangere oder ältere Menschen, die liebenswürdigerweise für uns gebucht wurden, setzten wir mit dem Boot über. Wegen mangelnder Portugiesischkenntnisse konnten wir leider die Witze des Kapitäns nicht verstehen und hoffen, dass sie nicht auf unsere Kosten gingen, obwohl es ganz den Anschein hatte.
Auf der Insel angekommen stieg mit uns aus dem Boot ein älterer Insulaner, der uns gleich einen Schlafplatz in seinem Haus anbot. Jedoch hatten wir schon ein tolles Hostel gebucht, das sich mitten im tropischen Wald befand. Nach einer mehr oder weniger geruhsamen Nacht machten wir uns auf, die Insel zu erkunden und unsere Wanderschuhe mal wieder aus den Tiefen des Rucksacks zu befreien. Und so stiefelten wir los, über uns die Regenwolke, die uns seit Rio verfolgte (der Regenmagnet). Über Stock und Liane ging es bei 33 Grad und ca. 80 Prozent Luftfeuchtigkeit durch den tropischen Regenwald bis hin zu einem einsamen Strand. Hin und wieder überholten wir einige Brasilianer, die sich mit ihren Wander-Flip-Flops den rutschigen Weg hinunterkämpften.
Wieder am Hostel sorgten 3 Katzenbabys für Unterhaltung. Besonders die rotgetigerte Katze hatte es uns angetan und Gatinho, der kleine rote Brasilianer, ist seitdem unser imaginärer Travelbuddy („Haben wir alles?“ -„Wo ist die Katze?“)!
Der nächste Halt an der Costa Verde war dann die Kolonialstadt Paraty. Auch hier zeigte sich der Himmel in strahlendem Grau, ganz wie man es sich in Brasilien vorstellt. Wir waren gerade dabei, unseren Acai-Becher vom besten Dealer der Stadt zu genießen als unser französischer Mitbewohner ganz aufgelöst nach seinem Tablet suchte. Bei seiner Detektivarbeit gerieten auch wir kurz ins Visier seiner Fahndung. Doch musste auch er schließlich einsehen, dass wir auf der elektronischen Front mehr als gut ausgestattet waren. Letztendlich stellte sich heraus, dass die Putzfrau das Tablet im Gemeinschaftsraum gefunden und weggeschlossen hatte. Auf den Schreck gab’s erst einmal einen Caipirinha am Strand. Schon nach den ersten Schlucken gesellte sich ein dicker schwarzer und sehr zutraulicher Hund zu uns. Ihn überkam wohl der Hüteinstinkt und ohne unser Einverständnis entschloss er sich, die Beschützerrolle zu übernehmen. Zur Verstärkung trommelte er sein Rudel bestehend aus 6 anderen Hunden zusammen, sodass wir von einer Hundemeute durch die Stadt zurück zum Hostel begleitet wurden (der Tiermagnet). Ganz wohl war uns dabei allerdings nicht, da sich die Hunde uneins zu sein schienen und bellend und knurrend um die Vorherrschaft im Rudel kämpften.
Am nächsten Tag nutzten wir die kurze Regenpause, um die schöne Altstadt zu erkunden. Vor dem einsetzenden Regenwetter flüchteten wir in ein Waldstück am Meer. Dort entdeckten wir eine illegale Cachaca-Destillierungsvorrichtung und bekamen fast einen Herzinfarkt als Lena einen als Ast getarnten Gecko zum Festhalten benutzte und dies lautstark kundtat (2 1/2 Freunde und das Dschungelabenteuer).
Pünktlich zum Wochenende lockte uns die Großstadt Sao Paulo mit seinem berühmten Nachtleben. Glücklicherweise könnten wir uns bei Monique einquartieren, einer Erasmus-Freundin von Isabell. Da Monique bis 8 Uhr arbeiten musste, kosteten wir es voll aus, mal wieder ein Wohnzimmer mit Fernseher und Netflix-Angebot zur Verfügung zu haben. Die kleinen Freuden des Backpackerlebens! Nach einem Nostalgie-Heineken und bewaffnet mit einem brasilianischen Brahma-Bier machten wir uns auf ins alternative Szeneviertel Santa Madalena. Dort lud uns Monique in einer Peixaria zu Pastel und Caipirinha mit Früchten unser Wahl ein, die in Einmachgläsern serviert wurden und deren Alkoholmischverhältnis selbst Claudia überzeugen würde 😉 Zum Abschluss unseres Paulista-Programms tanzten wir bis in die frühen Morgenstunden in einer traditionellen Samba-Bar zu heißen Rhythmen.
Nachdem wir jetzt auch das volle Paulista-Programm durchgezogen haben, war es schon wieder Zeit, Sao Paulo den Rücken zu kehren.
Jetzt befinden wir uns im Süden Brasiliens auf der Ilha Santa Catarina bei Florianopolis, ein Surferhotspot!
Im Hostel wurden wir sogleich freundlich von unserem irischen Mitbewohner begrüßt, der eine Vorliebe für Deutsche hegt. Warum auch immer. Jedenfalls machte er seiner Nation alle Ehre und war schon am Nachmittag stockbetrunken. Das äußerte sich darin, dass er die ganze Zeit begeistert „Germany“ rief, wenn er uns erblickte, Isabell für seine Freundin Peggy hielt und sich nach einer erfrischenden Dusche zum Trocknen in sein Federbett kuschelte und aus dem Off Kommentare zu den Unterhaltungen im Zimmer lieferte. Auch steuerte er den Soundtrack bei, zu dem zu unserem Schrecken auch Revolverheld als most popular German song gehörte. Bei der pre-pre-St.-Patrick’s-Day-Party fand sein Entertainmentprogramm schließlich seinen Höhe- oder Tiefpunkt – je nach Blickwinkel – als er auf den Tischen tanzend blank zog. Daraufhin wurde er des Hostels verwiesen. So weit reicht die brasilianische Freizügigkeit dann doch nicht!
An unserem ersten ganzen Tag hier erkundeten wir den Großteil der Insel rund um den Lagoa de Conceicao schon einmal zu Fuß, nicht zuletzt, um einen Geldautomaten zu finden. Danach erklommen wir die riesigen Sanddünen, um uns mit einem Sandboard wagemutig die steilen Abhänge hinunterzustürzen. Zu unserer Überraschung sind wir echte Naturtalente und erfreuten uns 1 Stunde lang an dem Spaß bis wir total eingesandet ins Hostel zurückkehrten und die tägliche Acai-Dosis zu uns nahmen. Nun beginnen die Vorbereitungen auf die pre-St.-Patrick’s-Day-Party, den wir auch ohne irischen Beistand gebührend feiern werden.
Chicas cariocas – Brasilien für Anfänger
Nach dem anstrengenden Flug hatten wir einen Tag Zeit, um unsere innere Uhr wieder ins Gleichgewicht zu bringen und waren damit bereit für die volle Dröhnung Brasilien J Im Hostel wurden wir von Silvia und José abgeholt, zwei Freunden von Lenas Onkel, bei denen wir das Wochenende verbringen durften. Schon auf dem Weg zur ihrer Wohnung wurde uns Insiderwissen über Rio und speziell den Stadtteil Barra vermittelt. Am Wohnkomplex angekommen staunten wir nicht schlecht! Neben dem riesigen Appartement mit Blick auf eine Lagune, die Berge Rios und die Stadien, welche für Olympia 2016 gebaut wurden, gab es einen Pool, eine Sauna, einen Fitnessraum und diverse Festsäle. Außerdem erzählten uns die beiden, dass verschiedene nationale Fußballstars in der Nachbarschaft wohnen. Rohnaldinho ist leider nicht mehr darunter.
Und dann ging es auch schon los mit der „brazilian experience“. Erster Halt war die berühmte Snackbar „Cervantes“, wo sich auch Silvias und Josés Tochter Mariana und ihr Freund Henrique zu uns gesellten. Dort erwartete uns die erste Hürde: Finde ein vegetarisches Gericht auf einer brasilianischen Speisekarte! Zum Glück gab es russischen Salat. Während wir es uns schmecken ließen, erzählte uns José, dass alle Kellner der Snackbar jede Woche gemeinsam Lotto spielen und 2012 den riesigen Neujahrsjackpot geknackt haben. Daraufhin fand sich der Besitzer am nächsten Tag ohne Kellner wieder. Nur einer hatte in dieser Woche aus Geldmangel nicht mitgespielt, jedoch teilten die anderen den Gewinn mit ihm. Darüber hinaus wurde er zu einer brasilianischen Berühmtheit, die als Pechvogel des Jahres in vielen Fernsehshows auftreten musste.
Ein sehr ereignisreicher Tag! Vor dem Schlafengehen gab es dann aber noch eine Überraschung. Auf dem Bett stand ein typisch brasilianisches Geschenk: Havaianas. Juchu! Todmüde fielen wir ins Bett und der Schlaf war auch nötig, denn am nächsten Tag stand einiges auf dem Programm.
Nach einem reichhaltigen Frühstück mit richtigem Käse, dunklem Brot und Pao de queijo (Käsebällchen), machten wir uns auf den Weg, um Rio zu erkunden. Zunächst ging es mit dem Auto Richtung Küste entlang verschiedener Strände und Surferhotspots. Vom Rücksitz aus konnten wir dabei die vielseitige Landschaft bewundern. Hochhäuser reihen sich an der Strandpromenade entlang und wurden von den grünen Bergen im Hinterland begrenzt. Hier machten wir einige Fotostopps und konnten die fabelhafte Aussicht auf die Strände von Ipanema und Leme genießen.
Doch wir sollten nicht nur die Landschaft kennenlernen, denn Silvia und José hatten es sich auf die Fahnen geschrieben, uns auch alle Highlights der brasilianischen Küche näherzubrigen. Und so fuhren wir in das Insiderrestaurant, die Academia do Cachaca, um das wichtigste Nationalgericht, Fejioada, bestehend aus Reis, Bohnen, Fleisch, Farofa (gerösteter Maniok) und Kohl, zu testen. Wegen der riesigen Portionen, die aufgefahren wurden, konnten uns der extrem starke Caipirinha und der Pitùhonigschnaps auf jeden Fall nicht mehr aus den Latschen werfen.
Gut gestärkt ging es dann zu Rios berühmtester Sehenswürdigkeit – der Christusstatue auf dem Corcovado. Dort erwartete uns ein atemberaubender Rundblick über die gesamte Stadt. Leider zogen am Himmel schon die ersten Wolken auf, die uns eigentlich hätten stutzig machen sollen. Aber der Zeitplan war tight und so fanden wir uns kurze Zeit später am Fuße des Zuckerhuts wieder. Trotz der sich weiter verdunkelnden Regenwolken, wagten wir uns in die Seilbahn, die uns in Windeseile zum Gipfel brachte. Schon beim Ausstieg aus der Gondel wurden wir von Windböen und den ersten Regentropfen empfangen und konnten uns gerade noch unter das Sonnendach der ansässigen Pommesbude retten, bevor der Himmel endgültig seine Schleusen öffnete („#fucktherain“ Zitat Jose). Nur ein altes amerikanisches Ehepaar (Doris und Luke Bouvier, wie uns das Namensschild verriet) trotzen den widrigen Bedingungen und schossen eifrig Selfies mit der Christusstatue im Hintergrund. Währenddessen knüpften wir unter dem Sonnendach die ersten sozialen Kontakte zur lokalen Bevölkerung. Drei völlig betrunkene Nordbrasilianer waren erst ganz erpicht darauf, uns kennenzulernen, al s wir jedoch verlauten ließen, dass wir aus Deutschland kommen, war das Getöse groß. Alles, was wir den Handzeichen entnehmen konnten, waren die Zahlen sieben und eins. Wir vermuten, dass es dabei um Fußball ging 😉 Kurz nachdem Mariana und Henrique auch den Gipfel erreicht hatten, ging es mitten durch das Gewitter auch schon wieder mit der Seilbahn hinab.
Ganz schön anstrengend, hatten wir es in den letzten Tagen in Bangkok – zumindest tagsüber – eher ruhig angehen lassen. Nach einer kurzen Verschnaufpause fuhren wir dann noch in eine typisch brasilianische Bar mit Livemusik, in der weitere kulinarische Köstlichkeiten serviert wurden, u. a. Tapioka, Maniok-Pommes, „Verstecktes Fleisch“ und Feijoada-Bällchen.
Der nächste Tag war nicht weniger ereignisreich. Den ersten Stopp machten wir im Tijuca-Nationalpark, ein Überbleibsel des Regenwaldes mitten in Rio, um daraufhin vorbei am Maracana-Stadium und der Karnevalsstraße zum historischen Viertel der Stadt zu fahren. Den Abschluss des kulturellen Programms bildete dann die Escadaria de Selarón im Stadtviertel Lapa. Dies ist eine Treppe, die vom chilenischen Künstler Selarón mit bunten, ausgefallenen Fliesen und Mosaiken dekoriert wurde.
Um die Carioca-Einbürgerung perfekt zu machen, besuchten wir noch das beste Restaurant Barras, das übrigens auch viele Pärchen für ihr erstes Date auswählen. Die meisten schaffen es allerdings nur bis zur Vorspeise. Beim Essen erfuhren wir einiges über die Favelas und die soziale Ungerechtigkeit und Ungleichheit in Brasilien. Viele Brasilianer sind von der Regierung enttäuscht, weil sie keine Veränderungen sehen. Gerade in Rio ist die Kriminalität ein großes Problem und ein unbeschwertes Leben wie in Deutschland ist vor allem nachts kaum denkbar. Da waren wir zum ersten Mal froh, im behüteten Melle aufgewachsen zu sein.
Zum Abschluss des Mästungsprogramms gab es dann noch etwas Gesundes. Mariana und Henrique fuhren mit uns in die 24-Stunden-Straße und wir lernten den In-Drink Acai kennen, dem vor allem Detox-Qualitäten zugeschrieben werden. Also genau das Richtige für unsere südostasiengeschundenen Körper.
Wir danken den dreien für das tolle Wochenende und die umfassende Einführung in die brasilianische Lebensweise! Wir sind wirklich begeistert von der brasilianischen Gastfreundschaft und haben uns in Barra schon wie zu Hause gefühlt. Nach diesem Einbürgerungswochenende fehlt nur noch der versprochene brasilianische Pass!
Eine Hommage
Auf das Schlimmste gefasst – unser Flug wurde von der allseits geschätzten Fluggesellschaft Ethiopian Airlines durchgeführt – verließen wir Bangkok am 4. März, um 32 Stunden später nach 3 Stopovers in Rio anzukommen. So zumindest der Plan. Vor so einem langen Flug waren wir natürlich sehr aufgeregt. Deshalb überhörten wir auch prompt unseren Wecker und wachten zufällig eine halbe Stunde vor dem Checkout im Hostel aus dem Tiefschlaf auf (Katha, du weißt, wie sich das anfühlt). Da hieß es Ranklotzen mit dem Taschepacken und auch unsere Backup-Müller-Bag wollte gefüllt werden, denn wir sahen unser Gepäck schon am Flughafen in Lomé, Togo seine Runden drehen. Pünktlich um 12 gaben wir die Schlüssel ab, doch dann folgte die Frage aller Fragen: Fliegt der Flieger eigentlich um 1 Uhr am oder pm? Nachdem wir zum ersten Mal in die Flugbestätigung geguckt hatten, machte sich Erleichterung breit – wir waren im Zeitplan, sodass wir noch einen sehr produktiven Tag in Bangkok verbringen konnten (wir haben immerhin eine Staffel The Inbetweeners geschafft!). Nach einigem Hin und Her waren wir endlich im Flugzeug und suchten vergeblich nach der versteckten Kamera, denn im Gang trafen wir 2 bekannte Gesichter, die zufälligerweise auch in unserer Reihe saßen und die vielgenutzte Strecke bis nach Rio mitflogen (far, far away). Dann ein weiterer Schock: im Flugzeug, in dem wir 8 Stunden bis nach Addis Abeba fliegen sollten, gab es keinen Fernseher und unsere elektronischen Geräte liefen nur noch auf Sparflamme. Da hieß es Augen zu und durch! Glücklicherweise kamen wir pünktlich in Äthiopien an. Leider dehnten sich die vorgesehenen 4 Stunden Wartezeit nach und nach auf 8 Stunden aus. Da hatte sich Ethiopian Airlines die Kundeninformation bei der Deutschen Bahn abgeguckt. Niemand wusste so genau, was los war und konnte Auskünfte über die geplante Weiterreise geben. Zum Glück bekamen wir so noch ein paar afrikanische Spezialitäten serviert. Nach einer gefühlten Ewigkeit ging es dann endlich weiter und wir erreichten kurze Zeit später den nächsten Zwischenhalt in Lomé. Weil wir wussten, dass wir unseren Anschlussflug nach Rio in Sao Paulo verpasst hatten, baten wir eine Stewardess um Hilfe bei der Organisation der Weiterreise. Da hatten wir die Rechnung aber ohne Ethiopian Airlines gemacht, denn „Trust me, nobody here knows anything!“ war die kompetente Antwort, die wir erhielten. Wie aus dem Customer Relationship Management Handbuch! Das war uns ja noch gar nicht aufgefallen! Zumindest hatte die Crew eine gute Selbstbeobachtungsgabe. Als Entschädigung für die verspätete Ankunft wurde uns in Sao Paulo ein Hotelzimmer zur Verfügung gestellt, denn der nächste Flug nach Rio sollte erst am kommenden Morgen starten. Problem: um 1 Uhr nachts den Shuttlebus finden. Gott sei Dank sind die Brasilianer sehr hilfsbereit, sodass wir um 2 Uhr endlich im Hotel einchecken konnten. Dort wurde uns noch eine Hot Plate mit brasilianischen Spezialitäten angeboten. Eigentlich waren wir gar nicht hungrig, aber man weiß ja nie, wann es wieder einmal etwas gibt und außerdem konnten wir so die Rechnung für die Fluggesellschaft noch etwas in die Höhe treiben. Deshalb langten wir noch einmal richtig zu und schlugen uns die Bäuche voll. Nebenbei erfreuten wir uns am brasilianischen Fernsehprogramm, um danach noch einmal für 3 Stunden in ausgestreckter Position die Augen zu schließen. Viel zu früh klingelte der Wecker und endlich konnten wir die letzte Etappe antreten. Nachdem Isabell deutlich gemacht hatte, dass wir nicht etwa nur nach Rio, sondern nach Rio de Janeiro wollten, ging es dann los! Der Flug bestand eigentlich nur aus Start und Landung und nach 50 Stunden on air stolperten wir erschöpft die Gangway hinunter gen Ausgang. Leider stand uns noch eine 1,5 stündige Busfahrt zum ersten Hostel im Szeneviertel Ipanema bevor, die uns jedoch schon an allen wichtigen Sehenswürdigkeiten in der Innenstadt vorbeiführte. Bem-vindo á América do Sul!
















