Wort zum Sonntag!
Ecuador – Ama la vida!
Nach 2 Tagen in Cuenca erreichten wir spaetabends den Kurort Baños, der zwischen den Bergen eingeschlossen in einem Tal liegt. Am naechsten Morgen wachten wir vom Prasseln des Regens an den Scheiben auf und mussten unser geplantes Outdoorprogramm leider etwas umstrukturieren. Erster Programmpunkt deswegen erstmal ein ausgiebiges Fruehstueck unter den wachsamen Augen des hosteleigenen Mopses Google. Danach ging es bei Nieselregen in die ortsansaessige Therme mit angeblich heiligem Wasser. In den heissen Becken umgeben von Bergen und direkt neben einem Wasserfall entspannten wir unsere geschundenen Koerper von den strapazioesen Busfahrten und unbequemen Hostelbetten.
Und dann gab es das wohl kurioseste Mahl dieser Reise: Yaguarlocro Auf dem Menue in der Markthalle sprang uns diese Mahlzeit direkt ins Auge und ohne Nachzudenken bestellten wir das Essen, nur um spaeter festzustellen, dass es sich bei dem Hauptbestandteil um Kuhblut handelte. War aber trotzdem lecker! Generell hat es hier der gemeine Vegetarier nicht leicht. Auf der so schon beschwerlichen Essenssuche hat man meist nur die Auswahl zwischen carne (Fleisch) und pollo (Huehnchen), wobei Huehnchen hier als vegetarisch einzustufen ist.
Den Abend verbrachten wir mit „Eis am Stiel“ und ruhten uns fuer den naechsten actionreichen Tag aus. Dieser begann frueh mit einer Chiva-Tour. Zunaechst cruisten wir mit einem Doppeldeckerbus durch das Dorf und hatten nach 5 Minuten alle Sehenswuerdigkeiten abgeklappert. Weiter ging es zu einer 90 Meter tiefen Schlucht, die wir mit einem offenen Kaefig an einer Seilbahn ueberqueren konnten. Schon einmal ein Vorgeschmack auf unser spaeteres Vorhaben. Davor gab es aber noch einige Stopps an verschiedenen Wasserfaellen und einer Ziplinestation. Genauer gesagt der schnellsten und laengsten Ecuadors. Und dann war es endlich soweit. Wir erreichten die 40 Meter hohe Bruecke ueber einem reissenden Fluss, von der man sich gesichert an einem Seil herunterstuerzen konnte – Puenting. Wir meldeten uns fuer einen Tandemsprung und dann ging alles ganz schnell. In Windeseile mussten wir die Sicherheitsgurte anlegen, waehrend uns auf Spanisch irgendwelche Anweisungen gegeben wurden. Dann wurden wir ueber die Bruestung auf einen Vorsprung geschickt, der Einweiser zaehlte kurz an und mir nichts dir nichts waren wir auch schon im freien Fall. Kurz hatten wir Panik, dass uns das Seil nicht halten wuerde, aber nach gefuehlt einer Sekunde war schon alles vorbei und wir schwangen noch einige Zeit unter der Bruecke hin und her. Am laengsten dauerte es dann wieder herunterzukommen. 🙂
Mittlerweile hatte ein starker Regen eingesetzt und wir mussten schnell in den Bus springen, um die naechste Station zu erreichen, den Pailon de Diablo. Nachdem wir im stroemenden Regen eine Haengebruecke ueberquert hatten, kamen wir zu einem gewaltigen Wasserfall. Am unteren Ende schlaengelte sich eine Steintreppe den Berg hinauf und wir wurden komplett durchnaesst. Ein wirklich ereignisreicher Tag!

Zurueck im Hostel konnten wir dann unseren neuen Zimmernachbarn begruessen: einen Oldenburger Weltreisenden, mit dem wir leider nicht ganz warm wurden. Wir nennen ihn nur den Mecker-Deutschen, denn er beschwerte sich ueber wirklich alles und schien alle Orte auf der Welt scheisse zu finden, die wir besonders mochten z. B. Sihanoukville, Vang Vieng, Montañita usw. Aber es gab auch nette Leute und wir zogen noch mit Alan aus Trinidad und Tobago um die Haeuser und tanzten Samba in der einzigen Bar, in der kein Karaoke gespielt wurde.
Am naechsten Morgen wollten wir eigentlich noch zu einem Baumhaus mit Himmelsschaukel fahren, jedoch machte uns ein Kinderfahrradrennen einen Strich durch die Rechnung: die einzige Zufahrtsstrasse war leider deswegen gesperrt und so ging es dann schon mittags mit dem Bus nach Quito.
Hier haben wir nun unseren ersten Job der Reise angetreten. Reze, Bar und Frau fuer alles im Vibes Hostel mitten im Szeneviertel La Mariscal. So funktioniert Reisen mit wenig Geld, naja fast zumindest! Zum Einstand gab es dann erstmal ein paar Getraenke auf Hostelkosten und dann ging es mit dem Chef Santiago und der anderen Freiwilligen Jordan auf die Piste. Am naechsten Morgen waren wir froh, dass wir noch nicht arbeiten mussten, denn wir hingen etwas in den Seilen. Kommentar von Santiago: „Don’t blame it on the altitude!“ Zur Erinnerung: Quito liegt auf 3000 Meter Hoehe und aufgrund der Erfahrungen aus La Paz glauben wir sehr wohl, dass die Hoehe ein entscheidender Faktor auf dem Katerbarometer ist. Zum Glueck gibt es hier viele DVDs und wir verbrachten einen amerikanischen Tag mit Subway-Sandwiches, Cola, Pizza und unzaehligen Filmen. Montags morgens schafften wir es dann doch einmal in die Altstadt und bewunderten die vielen, alten Gebaeude und Kirchen, die wirklich gut erhalten sind.
Nachmittags traten wir dann unsere erste Schicht an der Rezeption an. Nach einem ruhigen Schichtbeginn kamen wir spaeter wirklich ins Rotieren, als ploetzlich viele unangemeldete Gaeste auf einmal erschienen und auch sofort ihr Willkommensgetraenk einloesen wollten. Aber es hat uns sehr viel Spass gemacht und wir koennen uns vorstellen selber mal ein Hostel zu fuehren. Vielleicht in Berlin? Willige Sponsoren koennen sich gerne bei uns melden! 😉
Um alle Sehenswuerdigkeiten abzugrasen, nutzten wir den freien Dienstagmorgen, um mit dem Teleferico (der zweithoechste der Welt) hoch auf einen Berg zu fahren und die Aussicht ueber Quito zu geniessen. Leider hatten wir nicht bedacht, dass es auf 4000 Meter Hoehe etwas kalt werden koennte und so traten wir bald den Rueckzug an, um puenktlich mittags unsere zweite Schicht zu beginnen. Schon ab fuenf Uhr fingen wir an Alkohol auszuschenken, denn der Kanadier Geoff feierte seinen 25. Geburtstag. Nach unserem Dienst gesellten wir uns in die lustige Runde aus Kanadiern, Amerikanern, einer Norwegerin („Ulla“ aus Oslo), einer Belgierin und einem Iren. Ueberraschenderweise stiessen dann noch Nicola und Clara dazu, ein Italiener und eine Oesterreicherin, die wir schon in Montañita getroffen hatten. Mit dieser riesigen Gruppe stuermten wir eine Bar und freuten uns ueber den guten Musikmix, bei dem keiner die Fuesse still halten konnte. 😉 Peu a peu leerte sich der Club und zurueck blieben 3 Australier, eine Ecuadorianerin und wir. Nach einigen lustigen Tanzmoves wurden auch wir herauskomplimentiert und die Ecuadorianerin lud zur After hour in ihr Appartment ein. Wir teilten uns auf 2 Taxis auf und nun ging ein Traum in Erfuellung. Wir konnten dem Taxifahrer die Anweisung geben: „Follow this cab!“ Gut, dass wir nach 5 Minuten Fahrt unsere Finanzen checkten und merkten, dass wir fast kein Geld mehr hatten. So mussten wir stoppen, gaben dem Fahrer unser restliches Kleingeld und traten den Rueckweg zum Hostel an.
Zum Glueck hatten wir den naechsten Tag frei und machten uns mittags auf den langen und beschwerlichen Weg zum Mittelpunkt der Erde. Am Aequator angekommen schossen wir viele lustige Fotos auf beiden Erdhalbkugeln.
Leider waren wir bei unserer Rueckkehr in Quito zu spaet dran fuer ein guenstiges Mittagsmenue. Nach stundenlangem Suchen liessen wir uns endlich in einem kleinen Restaurant nieder und bestellten mal wieder ohne Nachzudenken. Nach einem kurzen Blick auf die Karte beschlich uns eine seltsame Vorahnung:
L: „Heisst caballo nicht Pferd?“
I: „Ja, eigentlich schon.“
L: „ Ich glaube, dann haben wir gerade Pferdefleisch bestellt.“
Aber auch dies hat uns vorzueglich geschmeckt. Man isst, was man kriegen kann.
Auch Donnerstag war ein freier Tag und so machten wir uns auf den Weg nach Mindo. Mindo liegt im subtropischen Gebiet in einem Nebelwald. Zur Vorbereitung hattten wir eingehend den Wetterbericht studiert und uns ueber die Regenwahrscheinlichkeit von 90% gewundert. Bis uns dann irgendwann auffiel, dass dies ja charakteristisch fuer einen Regenwald ist. In Mindo gibt es einen riesigen Ziplinepark mit 10 verschieden langen und schnellen Seilbahnlinien. Mit einem Geschirr an den Ziplines festgemacht saust man durch die Baumwipfel und ueber riesige Schluchten. Bei einigen Strecken war es auch moeglich zusammen mit dem Guide in der Mariposa- oder Supermannstellung zu ziplinen. Que divertido!
Auch hier blieben wir nicht unerkannt. In unserer Vierer-Ziplinegruppe war ein Italiener, der uns anscheinend aus Montañita kannte und auf der Rueckfahrt trafen wir auch noch Mike aus selbiger Location.
Am Wochenende muessen wir jetzt noch einige Schichten arbeiten und schaffen es dann hoffentlich Montag auf den Vulkan Cotopaxi und am Dienstag auf den Markt in Otavalo.
Viva la vida, viva la fiesta
In Lima verbrachten wir 3 Nächte beim Couchsurfer Arturo in seiner Luxuswohnung mit eigenwilliger Ritterdeko. Ein weiterer Gast war die Französin Elodie.
Gleich am ersten Abend wurden wir in die Feinheiten der peruanischen Küche eingeweiht und Arturo kochte uns das Nationalgericht Ceviche. Dies besteht aus rohen Fischstückchen, die mit Zitronensaft und Zwiebeln angemacht und zusammen mit Mais und Süßkartoffeln serviert werden. Am nächsten Tag erkundeten wir die Stadt und machten uns mal wieder auf die Suche nach einem Ticket für die Weiterfahrt nach Mancora. Elodie wollte ihre Reise eigentlich nach Arequipa fortsetzen, aber aufgrund von Demonstrationen wegen einer geplanten Minenöffnung musste sie ihren Reiseplan ändern und nach Cusco fahren, wo schon ihr argentinischer Exfreund auf sie wartete. Wie wir später von ihr auf Facebook erfuhren, stand auch diese Reise unter keinem guten Stern. Nachdem der Busfahrer einen Passanten überfahren hatte und sie 5 Stunden auf einen Ersatzbus warten mussten, wurde die Straße von einem Erdrutsch blockiert, sodass sie erst viel, viel später in Cusco ankamen. Wir dagegen hatten mit unserer Busfahrt mal wieder mehr Glück. Der beste Bus der Reise, ausgestattet mit einem persönlichen Fernseher wie im Flugzeug, transportierte uns innerhalb von 20 Stunden durch die Wüstenlandschaft in den Norden. Dort hieß es dann endlich wieder Sommer, Sonne, Sonnenschein! In den Bambushütten vom Misfit-Hostel verbrachten wir einige entspannte Tage mit morgendlichen Bade- und Bräunungssessions am nur 10 Meter entfernten Meer, sowie stundenlange Belustigung durch die süßen Hundewelpen. Tierno!
Weiteres Highlight war der Hostelbesitzer Adam. Stellt euch Alan von Hangover vor und ihr wisst, von wem wir sprechen. Jeden Abend erheiterte er uns mit seinen haarsträubenden Südamerikaabenteuern, z.B. wurde ihm bei einem Überfall eine Waffe an den Kopf gehalten. Aber wie er schon sagte: „Southamerica is as safe as you make it!“ Und er war nicht gerade der vorsichtigste Mensch.
Und dann hieß es auch schon „Bienvenido a Ecuador!“ Unsere Fahrt begann mit dem vermeintlich schlimmsten Grenzübergang Südamerikas. Mit einem Bus voller Israelis passierten wir die supermoderne Grenze mal wieder ohne Probleme und glauben zukünftig gar nichts mehr, was über diverse „gefährliche“ Grenzübergänge geschrieben wird. Da es schon relativ spät war, machten wir einen Zwischenhalt in Guayaquil, der größten Stadt Ecuadors. Nachdem wir dem Taxifahrer den Weg zum Hostel erklärt hatten, kamen wir im seltsamsten Hostel der bisherigen Reise an. Weitere Gäste waren ein etwas betagterer Ecuadorianer, der hier wohl seinen Ruhestand genoss, der vollschlanke Amerikaner Robin, der mal ein halbes Jahr in Deutschland stationiert war, sich aber nicht erinnert wo und der Wochenendpendler Julio César. Zum Glück blieben wir nur eine Nacht, die nicht gerade erholsam war, da Lenas Hochbettpartner einen sehr aktiven Schlaf hatte und Isabell sich nicht aus ihrer Matratzenkuhle herausbewegen konnte. Am nächsten Morgen wollten wir gerade auschecken, als wir aus dem Augenwinkel den Neuankömmling sahen, der uns freundlich begrüßte. Wir dachten uns nichts dabei und gingen in unser Zimmer, um die Taschen zu holen.
I: War das nicht der Ron aus Cusco?
L: Waaas nein! Der sah doch viel jünger aus!
I: Stimmt, hast recht und der ist ja auch viel zu schüchtern, um alleine zu reisen.
L: Achja, und Israelis reisen ja nie allein
Erleichterung machte sich breit, aber das war nicht von langer Dauer, denn er war es wirklich. Eine Hostelbekanntschaft aus Cusco, der auf der Durchreise zu den Galapagosinseln war, während seine zwei Reisepartner schon nach Kolumbien geflogen sind. Die sehen wir dann ja vielleicht auch noch mal.
Für uns ging es dann weiter nach Montanita an der ecuadorianischen Pazifikküste. Hier checkten wir im coolsten Hostel der Stadt ein, gleich rechts hinter der Brücke, an der sich riesige Leguane tummelten. Dann ging es erst einmal an den Strand, wo sich bereits viele nette Ecuadorianer und Reisende in der Sonne räkelten oder die perfekten Wellen zum Surfen nutzten. Abends schlossen wir uns der feierwütigen Hostelcrowd an und landeten nach einem Abstecher in die calle de los cocteles in einem Beachclub.
Leider fing es irgendwann an zu regnen, sodass wir bald völlig durchnässt im matschigen Sand tanzten. Aber das tat der Stimmung keinen Abbruch und wir blieben bis in die frühen Morgenstunden. Zwischenzeitlich gesellten wir uns zu den ecuadorianischen Amigos an den Strand und lauschten ihrer Jamsession. Nach diesem Abend kannten wir nicht nur das ganze Hostel, sondern auch den ganzen Strand und von überall her schallte es ‚Hey Alemania!‘, ‚Hey Germany!‘ 🙂
Am nächsten Tag ließen wir es dann eher ruhig angehen, denn wir hatten für den darauffolgenden Tag eine Tour zur Isla de la Plata gebucht. Wegen ihres Vogel- und Fischreichtums nennt man diese Pazifikinsel auch das Galapagos des armen Mannes. Zum Vergleich: wir zahlten für die eintägige Tour 50 Dollar, für einen fünftägigen Aufenthalt auf den Galapagos muss man mindestens 900 Dollar einrechnen. Mit dem Reggaetonbus fuhren wir nach Puerto Lopez zum Bootsanleger und heizten dann mit einem Schnellboot über das offene Meer zur Insel. Kurz bevor wir anlegten, kam schon die erste Überraschung. Ca. 10 Schildkröten umzingelten das Boot.
Bei 38 Grad und ohne Schatten wanderten wir dann mit unserem Führer Tito über die Insel, die mit tropischem Trockenwald bedeckt war. Hier konnten wir aus nächster Nähe die Blaufusstölpel mit ihren charakteristischen blauen Füßen beobachten, sowie Fragatas mit den roten aufgeblähten Halskrausen.
Da es auf der Insel kein Süßwasser gibt, mussten wir uns die Wasservorräte gut einteilen, obwohl wir sie uns am liebsten über den Kopf gegossen hätten.
Nach einem kleinen Lunch kam dann die ersehnte Erfrischung: eine Runde Schnorcheln am Riff. Leider war die Sicht eher schlecht, aber wir könnten doch einige bunte Fische entdecken. Eigentlich hätte man auch Mantarochen sehen können und ab Juni sogar Wale. Dies war uns leider nicht vergönnt.
Abends im Hostel angekommen erwarteten uns viele neue Gesichter und fast wähnten wir uns auf einem Doppelgängertreffen. Mit von der Partie waren u.a. die Doppelgänger von Alligatoah/Will I Am, Jay aus Indien und Tobias S. aus Melle. Auch der kleine Engländer aus Florianopolis, ein verkappter Holländer, war am Start. Dabei handelte es sich jedoch nicht um einen Doppelgänger,sondern um den einzig wahren Cody. Wieder einmal zog das ganze Hostel gemeinsam los und wir fanden uns überraschenderweise auf der besten Elektroparty seit Bielefelder Zeiten wieder. Auch der Samstagabend gestaltete sich ähnlich und sonntags hatten wir dann einen ruhigen Filmabend bitter nötig.
Schweren Herzens nahmen wir Montag Abschied vom Strandparadies und machten uns auf den Weg ins Hochland nach Cuenca. Von Guayaquil aus nahmen wir einen local Bus und die Fahrt sollte sich als sehr kurios herausstellen. Fünf Minuten nach der Abfahrt sprang der Entertainmentbeauftragte in den Gang und nahm sein Amt wohl äußerst ernst. Nach wichtigen Informationen zur Firmengründung folgte ein spannendes Ratespiel, bei dem man pro richtige Antwort ein amerikanisches Qualitätskaramellbonbon gewinnen konnte. Natürlich sahnten wir so richtig ab – nicht! Oder weiß einer von euch, wie die sauberste Stadt Ecuadors heißt?! Danach wurden wir mit ecuadorianischer Popmusik beschallt, die auf jede ordentliche Romantikplaylist gehört. Es war schon spät als wir Cuenca erreichten und es sollte noch später werden bis uns endlich ein Taxi mit all unseren Taschen mitnehmen wollte. La gente ecuadoriana esta muy loca! 🙂
Ganz anders als erwartet, stellte sich Cuenca als eine supermoderne Stadt mit tipptopp gepflegter Altstadt heraus.
Wirklich sehr schön! Jetzt sitzen wir mal wieder im Bus nach Banos, wo wir hoch in den Bergen den ultimativen Adrenalinkick suchen. Mehr dazu später!
„Words are an inappropriate means of communication!“
– Greg –
Todo posible, nada seguro!
Nachdem wir zwei Tage Zeit hatten uns an die peruanische Luft zu gewöhnen, machten wir uns in aller Herrgottsfrühe auf zur zweitägigen Machu Picchu-Erkundungstour. Mit dem Kleintransporter ging es 200 km 6 Stunden lang quer durch die Anden nach Santa Teresa. Auf der Fahrt freundeten wir uns mit dem Basken Arit an, der für die nächsten Tage unser Travelbuddy sein sollte. Vom provisorischen Busstopp am Wasserwerk folgten wir dann zu Fuß drei Stunden lang den Eisenbahnschienen zum inmitten der Berge eingekesselten Ort Aguas Calientes. Kaum vorstellbar, dass mitten durch den Dschungel und entlang der Felswände wirklich ein Zug fährt, aber die Strecke ist scheinbar gut frequentiert.
Kurz vor Aguas Calientes konnten wir aufgrund der guten Sicht schon einige Mauern vom Machu Picchu auf den Bergen erblicken und wussten: „Da müssen wir morgen rauf!“ Da wir am nächsten Morgen um 3:00 Uhr aufstehen wollten/ mussten, freuten wir uns darauf, bald ins Bett zu gehen. Aber der wohlverdiente Schlaf ließ noch lange auf sich warten. Den Argentiniern und Chilenen aus unserer Gruppe passte es gar nicht, dass das Wasser im Hostel – anderes als der Ortsname vermuten lässt – nicht caliente bzw. gar nicht vorhanden war. Deswegen veranstalteten sie einen riesigen Tumult und zogen sogar die Touristenpolizei hinzu – einen dicken, uniformierten Mann, den das ganze jedoch nicht so sehr zu interessieren schien. Uns auch nicht und deswegen aßen Arit, 2 Belgier, ein Amerikaner und wir erstmal Abendbrot. Nach 2 Stunden Diskussion löste Champi, unser Führer, das Problem dann, indem er uns um 22:00 Uhr abends in ein besseres Hotel verfrachtete. Wir freuten uns über das beste Bett seit langem, das wir dann jedoch nur 5 Stunden nutzen konnten, denn pünktlich um 03:00 klingelte der Wecker. Mit Taschenlampen ausgerüstet, versammelten wir uns mit anderen wanderlustigen Reisenden am Kontrollpunkt und waren guter Dinge als wir endlich die Brücke zum Treppenaufstieg passieren konnten. Das hielt jedoch nicht lange an, denn es ging über Treppen 1,75 km steil nach oben. Schon nach wenigen Metern blieb uns die Luft weg, aber da waren wir nicht die einzigen. Früher oder später blieben alle keuchend stehen, um nach Luft zu schnappen und überholten sich dann immer gegenseitig während eines kurzen Anflugs von neuem Elan. Spätestens nach 10 Minuten war dann auch das letzte Männeroberbekleidungsstück gefallen – und war es auch noch so atmungsaktiv. Zum Glück war es dunkel und nach einer Stunde kamen wir völlig verschwitzt und fertig am Eingang zum Machu Picchu an. Dafür hatten wir dann einen tollen Ausblick auf die hohen Berge in der Dämmerung. Nachdem sich unsere Gruppe endlich zusammengefunden hatte, ging es los mit der Führung. Einzelheiten dazu könnt ihr Wikipedia entnehmen, da wir die Inhalte leider nur auf Spanisch wiedergeben können. Nur so viel: Machu Picchu heißt „Alter Berg“ und ist die älteste erhaltene Inkastadt, die hoch über den Wolken thront, um der Sonne – zwecks Auferstehung seiner Bewohner- ganz nah zu sein. Das konnten wir leider nicht überprüfen, weil sie nicht geschienen hat.
Nach 2 Stunden Führung hatten wir dann noch Zeit die Ruinen auf eigene Faust zu erkunden und viele Fotos zu schießen. Arit musste dabei immer wieder als Fotograf herhalten.
Mittags ging es dann wieder an den Abstieg, weil wir um 14:30 Uhr wieder in Santa Teresa sein mussten. Stolz auf uns und das Durchhaltevermögen unserer Trekking-Chucks freuten wir uns auf eine tranquilo Rückfahrt nach Cusco mit hohem Schlafanteil, aber da hatten wir die Rechnung ohne unseren Fahrer gemacht. Leider wurden uns die Beifahrersitze zugeteilt, aber wir waren so müde, dass wir zunächst in unbequemer Position einschliefen. Nach einer kurzen Pausen bemerkten wir jedoch, dass unser Fahrer nicht ganz auf der Höhe zu sein schien. War es nur die Müdigkeit oder war auch Alkohol im Spiel? Wir wissen es nicht, doch wir fürchteten um unser Leben, denn es ging im Dunklen über kurvige Bergstraßen entlang an metertiefen Abgründen. Spätestens nachdem wir den ersten Sekundenschlaf beobachtet hatten, schrillten alle Alarmglocken und wir überlegten uns ein Entertainmentprogramm für den Fahrer. Die erste Maßnahme war laute Musik von Lenas Handy, da das Radio in der entlegenen Region nicht funktionierte. Dann folgte ein vierstündiges Verhör. Wir pfefferten dem Fahrer alle Fragen entgegen, die uns (auf Spanisch) einfielen. Es ging um Fußball, Essen, peruanische Tänze, Haustiere, die deutsche Ideologie und andere spannende Themen. Unser Spanisch muss wohl überzeugt haben, denn die französische Mitfahrerin hielt uns glatt für Spanier. Um dem Fahrer schließlich etwas Frischluft zu verschaffen, gaben wir vor, dass das eine französische Kind ganz dringend zur Toilette müsste und Esteban spielte auch fast perfekt mit. Als wir endlich Cusco in der Ferne erblickten, waren wir erleichtert wie nie zuvor! Und wir dachten der Aufstieg zum Machu Picchu wäre anstrengend!
Nach dieser Aufregung gönnten wir uns noch 2 Tage Entspannung in Cusco und überzeugten uns vom hiesigen Nachtleben und den reichhaltigen Essensangeboten.
Auch hier bestätigte es sich mal wieder: „Die Welt ist ein Dorf!“ Im Hostel trafen wir überraschend den Engländer James, den wir schon in Florianopolis kennengelernt hatten. Leider war er diesmal ohne seine Yacht namens Isabell unterwegs. Außerdem sind wir uns sehr sicher, dass wir einen der Barmenschen schon einmal auf Koh Tao getroffen haben. Dies konnte rumbedingt aber leider nicht mehr verifiziert werden.
Etwas angeschlagen anlässlich der Feierei zum Tag des 9. Mai stiegen wir Sonntagmittag in den Bus nach Lima. Natürlich kannten wir auch hier wieder die halbe Busbelegschaft. Wir waren aber nicht die einzigen, die auf der kurvigen Strecke etwas neben der Spur waren. Aber der Bus hielt zum Glück die Spur und schon 22 Stunden später konnten wir ungeduscht und voll beladen bei Arturos Mutter im Schönheitssalon auflaufen. Bei ihm bleiben wir die nächsten 3 Nächte und schauen, was Lima so zu bieten hatten. Gerade sitzen wir übrigens bei 25 Grad unter Palmen am Meer und schauen den Paraglidern beim Fllug über Miraflores zu.
Bolivia at its best!
In luftiger Höhe auf 3600m fühlten wir uns in La Paz wie nach Indien zurückversetzt: wild durcheinanderfahrende Autos, kleine Strassenstände an jeder Ecke, sehr unwestlich gekleidete Menschen und auch die Preise ließen unser Herz höher schlagen. Da schlugen wir dann direkt mal zu und statteten uns mit Alpakapullovern, bunten Ledertaschen und dicken Socken aus. Zu unseren besten Entdeckungen in der bolivianischen Großstadt gehörte die riesige Markthalle, in der es wirklich alles gab: selbstgemachter Käse für umgerechnet 1€, 5 Brötchen für 20 cent, Kaffee für 50 cent und – das Highlight – Sandwiches mit Ei, Käse und Avocado für unter 1€! Zum Essen kann man sich in eine der unzähligen kleinen Buden setzen und Anita, Maria oder Carmen beim Zubereiten der Speisen zugucken. Besonders beliebt: ein Tagesgericht mit Quinoasuppe, Hauptgang und Nachtisch für 2€. Auch das ließen wir uns natürlich nicht entgehen und konnten unseren gesteigerten Appetit durch die Höhenluft mit wenig Sauerstoff rechtfertigen.
Die meisten Bolivianer sind sehr abergläubisch. Deshalb werden auf dem sogenannten Hexenmarkt in der Innenstadt eine Vielzahl an Glücksbringern in jedweder Art angeboten, so auch getrocknete Lamaföten, die an Stricken an den Ladentüren baumeln. Wenn man diese in der Erde verscharrt und darauf sein Haus baut, beschert einem dies angeblich ein glückliches Eheleben. Offizielle Langzeitstudien dazu existieren derzeit noch nicht und wir bleiben skeptisch 😉
Da La Paz auf vielen Hügeln erbaut ist, verbinden drei Seilbahnlinien die unteren Stadtteile mit den oberen.
Je weiter man nach oben kommt, desto ärmer wird die Gegend, weil es immer kälter wird und auch der Aufstieg ist wegen der Höhenluft immer anstrengender. Deshalb ziehen es die reicheren Bolivianer vor, in den geschützteren, wärmeren Bereichen zu wohnen. Paradoxerweise liegt hier auch das Gefängnis San Pedro, das als eigenes kleines Dorf beschrieben werden kann. In dieser Parallelgesellschaft müssen die Insassen Miete für ihre Wohnung oder ihr Haus bezahlen und selbst für ihren Unterhalt aufkommen. Dafür arbeiten sie innerhalb der Gefängnismauern und genießen sehr viel Freiheit, z.B. dürfen ihre Familien tagsüber bei ihnen verweilen und es ist nicht unüblich, dass die Frauen der Häftlinge einmal täglich vorbeischauen, um für sie zu kochen. Je reicher man also ist, desto besser ist der Lebensstandard hinter den Mauern. Eine wichtige Einnahmequelle ist der Verkauf von Kokain an die Touristen, die das Gefängnis besichtigen.
Nach einer vierstündigen Fahrt in einer Bus-Boot-Kombination auf holprigen, ungeteerten Straßen durch das Hochland der Anden erreichten wir das nur 150 km von La Paz entfernte Urlaubsörtchen Copacabana am Titicacasee, der höchstgelegene befahrbare See der Welt, der von schneebedeckten Bergen eingerahmt ist.
Gleich am nächsten Morgen machten wir uns – mal wieder mit dem Boot – auf zur Isla del Sol. Hier hofften wir auf eine sonnenreiche Wanderung vom Nord- ans Südende, doch die sich am Horizont auftürmenden dunklen Wolken ließen uns zweifeln. Und dann nahm das Unwetter seinen Lauf und zwischen Blitz und Donner schaukelte das nussschalengrosse Boot über den See. Zum Glück war der Schweizer Skiverein guter Dinge und hielt alle bei Laune. An Land angekommen, machte die Insel dann doch ihrem Namen alle Ehre und wir konnten sie von Sonnenschein begleitet überqueren und liefen vorbei an Inkaruinen, kleinen Dörfchen und dem ein oder anderen grasenden Esel. Que lindo!

Wieder sicher an Land angekommen, schauten wir noch kurz bei der Parade zu Ehren des Tags der Arbeit vorbei. Wir quetschten uns zwischen biertrinkende bolivianische Frauenrunden und schwankende Männer und bewunderten die mehr oder weniger koordinierte Show der Musik- und Tanzgruppen mit ihren wirklich sehr geschmackvollen Kostümen 😉
Dieser Trubel sollte noch zwei weitere Tage andauern und die Hotels der Stadt waren deshalb komplett ausgebucht. Da hatten wir es mit unserem spartanisch eingerichteten Dreierzimmer mit Gemeinschaftsdusche ohne Türschloss noch sehr gut getroffen. Das würde uns spätestens dann bewusst, als wir auf den Franzosen Laurent (Raman 2.0) trafen, der nachts völlig verzweifelt auf der Suche nach einer Unterkunft durch die Stadt streifte. Da wir noch ein freies Bett ohne Matratze hatten, schmuggelten wir ihn mitten in der Nacht mit seinem riesigen Gepäck in unser Zimmer und versuchten die Federspiralen mit ein ein paar Decken auszupolstern. Nach einer erholsamen Nacht- zumindest für uns – mussten wir ihn schließlich morgens irgendwie aus dem Hotel lotsen. Dazu schulterte Isabell seinen Reiserucksack und Lena lenkte den Hotelbesitzer mit spannenden Fragen rund um die Gegend ab. Als Dankeschön lud uns Laurent zum Frühstück ein und wir verbrachten den restlichen Tag mit ihm. Im strahlenden Sonnenschein fuhren wir mit einem als Ente getarnten Tretboot über den Titicacasee und ließen uns von Laurents Trancemusik antreiben. Dann trat er abends die Reise nach Cuzco in Peru an, wo wir einen Tag später eintrafen.

Cuzco ist die älteste noch bewohnte Inkastadt in Peru und platzt vor historischen Gebäuden, Kirchen, Museen und engen Gassen aus allen Nähten. Hier haben wir uns im Wild Rover eingemietet, einem irisch angehauchten Partyhostel mit eigenem Pub. Gleich bei der Ankunft fiel uns mal wieder die unglaublich hohe Israelidichte auf. Die Israelis sind hier wirklich überall und man kann sie auch jederzeit sehr einfach identifizieren. Der gemeine Israeli tritt meistens im Rudel mit willkürlicher Zusammensetzung auf, trägt teure, identische Outdoorklamotten mit passender Adventure-Fragrance und ist meistens eher nicht so sympathisch (das sagen alle!) 😉 Aus allen Ecken ertönten melodische Hebräischklänge und wir dachten nur: alles sababa!
Cuzco ist der Ausgangspunkt für eine Expedition zum Machu Picchu, ein Muss für jeden Perureisenden. Aber das ist eine andere Geschichte, Fortsetzung folgt!
„Arbeite klug, nicht hart!“
– Dr. House –
Auch wir zelebrieren den Tag der Arbeit und wünschen allen einen entspannten 1. Mai!
Wüste Tage, kalte Nächte und ab und zu ein baño
Unsere Hoffnungen auf Wärme wurden in San Pedro inmitten der Atacama-Wüste nicht erhört. Gleich am Tag nach unserer Ankunft klingelte der Wecker um 4 – und ihr denkt, wir machen hier Urlaub! In der Eiseskälte warteten wir auf unseren Tourbus, der uns noch weiter in die Wüste zu den El Tatio Geysiren bringen sollte. Schon San Pedro ist sehr hoch gelegen, aber auf dieser Tour knackten wir die 4000m-Marke. Dies machte sich mit knackigen -8 Grad bemerkbar. Gut, dass wir auf solche extrembedingungen überhaupt nicht vorbereitet waren und deshalb alle verfügbaren Kleidungsstücke nach dem Zwiebelprinzip anziehen mussten. Aufgrund von Blasengefahr kam es nicht in Frage, die Wanderschuhe anzuziehen und so mussten wieder die Chucks herhalten. Bei Extremtemperaturen nicht unbedingt zu empfehlen! So eingepackt Genossen wir an den Geysiren zunächst einmal ein leckeres Frühstücksbüffet mit ganz vielen wärmen Getränken. Noch in der Dämmerung konnten wir dann die zu dieser Tageszeit am aktivsten Geysire besichtigen. Wirklich eindrucksvoll! Einige Tourguides kochten sogar Frühstückseier in den heißen Erdlöchern.
Nächster Stopp der Tour war eine natürliche heiße Quelle, an der wir baden konnten. Es kostete einige Überwindung, sich bei Minustemperaturen bis auf den Bikini auszuziehen, aber das heiße Wasser und der Blick auf die aufgehende Sonne entschädigten für alles!
Aber liebsten wollten wir gar nicht mehr herauskommen, aber unsere Führerin Macarena bedeutete uns mit einem Blick auf die Uhr, dass es Zeit war, weiter zu einer Lagune zu fahren. Auf dem Weg dorthin fuhren wir an schneebedeckten Vulkanen vorbei und viele Tiere kreuzten unseren Weg, z.B. Vicunas (eine kleine Lamaart), Viscachas (ein Nagetier) und sogar Nandus. An der Lagune inmitten der staubigen Berglandschaft konnten wir zudem Wasservögel und Flamingos beobachten. Auf dem Rückweg nach San Pedro fuhren wir dann noch an einem typischen chilenischen Bergdorf vorbei und entdeckten auf dem Weg zur kleinen Kirche zwei Hauslamas, die für einige Fotos und Witze von neuseeländischer Seite (como se llama) herhalten mussten. Aufgrund der Höhenluft und des frühen Aufstehens haben wir den Rest des Tages dann in der warmen Sonne verbracht und uns auf die geplante Sternentour am Abend vorbereitet. Da es in der Atacama kaum künstliche Lichtquellen gibt, eignet sich dieser Ort besonders zum Sternegucken und wir haben schon beeindruckende Bilder von anderen Reisenden gesehen. Voller Vorfreude machten wir uns abends dick eingemummelt auf den Weg zum Treffpunkt. Aber leider war uns der Wettergott mal wieder nicht wohlgesonnen. Wegen der vielen Wolken wurde die Tour abgesagt. Sehr schade, denn das war eigentlich der Hauptgrund für unseren Besuch in San Pedro. So konnten wir aber viel früher als geplant ins Bett gehen und wenigstens 6 Stunden Schönheitsschlaf genießen, denn am nächsten Tag stand schon das nächste Abenteuer vor der Tür. Es ging nach Bolivien. Familienduellfreunden ist dies auch als das Land der Oliven bekannt 😉 In aller Herrgottsfrühe fanden wir uns erneut in einem Bus wieder, mit dem es immer bergauf zur bolivianischen Grenze ging. In zügiger Höhe bildeten 3 Container den Grenzübergang, doch bevor wir uns einen Einreisestempel holen konnten, gab es erst einmal wieder Frühstück bei gemütlichen -3 Grad. Mit der Einreiseerlaubnis in der Hand ging es dann im warmen Jeep auf eine dreitägige Tour zur Salar de Uyuni, der größten Salzwüste der Welt. Mit an Bord waren unser Fahrer Jorge, die verrückte Kanadierin Alli, die Briten Nick und Shaan (man nennt ihn auch den P.I.M.P.) und Marni aus den USA. Best Jeepcrew ever!
Wir hatten kaum 20km zurückgelegt, da stoppten wir schon an der Laguna Blanca und schossen postkartenwürdige Fotos von den schneebedeckten Bergen, die sich in der Lagune spiegelten. Um die Perfektion zu vollenden, tauchte dann noch eine kleine Vicunaherde mit einem Baby auf, die am Rande der Lagune grasten.
Weiter ging es durch die beeindruckende Wüstenlandschaft und wir machten so manchen Fotostopp. Zur Belustigung der Jeepbesetzung versuchte Jorge sich als DJ. Nachdem wir den Panflötenklängen seiner Band gelauscht hatten, folgte dann der Knaller: der sechsminütige Remix vom Rick Astleys Hit „Never gonna give you up“, zu dem uns jetzt auch ein Video in der Jeepedition vorliegt. Alle waren froh und munter außer Alli, die die Höhenkrankheit erwischt hatte. Vorsorglich kauten auch wir Cocablätter, um unseren Kreislauf in Schwung zu halten. Zum Glück hatte Jorge eine riesige Tüte dabei. Am frühen Nachmittag erreichten wir unsere erste Unterkunft mitten im Nirgendwo. Dort bezogen wir unser Sechserzimmer mit Steinbetten, während das Mittagessen vorbereitet wurde. Gut gestärkt fuhren wir nachmittags zur Laguna Colorada. Im rosaroten Wasser tummelten sich hunderte von Flamingos! Mit diesen vielen Eindrücken im Kopf verbrachten wir den Abend mit Kartenspielen und amüsanten Reisegeschichten, wobei auch die „Personal time“ nicht zu kurz kam, jedoch erst als nach 3 Stunden das Wasser endlich wieder da war und die Toilette flushte 😉 Besonders erleichternd für die Männer unter uns. Eigentlich waren wir ganz froh, endlich im warmen Aufenthaltsraum zu sein, aber um das Verpasste nachzuholen, schmissen wir uns wieder in unseren Lagenlook, um die Sterne anzugucken. Jedoch hielten wir es nicht lange in der Eiseskälte aus und flüchteten schnell wieder in die simple Behausung. Mangels Elektrizität fanden wir uns dann bereits um 20.30 Uhr eingepackt in diverse Schlafsäcke und Decken im Bett wieder. Während der weibliche Teil gerade einmal dabei war, aufzutauen, entledigten sich die Männer schon wieder einiger Schichten. Am nächsten Morgen freuten wir uns über etwas angenehmere Temperaturen und nach dem Pancake-Frühstück nahmen wir unsere alten Plätze im Jeep ein. Unser erstes Ziel war der Arbol de piedras, ein Stein im Baumform.
Dann wurde es sportlich. Wir erklommen die riesigen roten Felsbrocken in der kargen Landschaft und schossen mal wieder unzählige Fotos, was die Kapazität unserer Dropbox mit Sicherheit sprengt. Wir wissen gar nicht, woran es lag, aber ständig drückte die Blase, vermutlich wegen der ungewohnten Höhe. Leider gab es überall nur banos naturales und wir mussten uns mit Hilfe des Sarongs ein bisschen Privatsphäre verschaffen. Neben der Privatsphäre ist natürlich auch in dieser Gegend die Aussicht ein wichtiges Kriterium eines banos naturales. Kurz darauf stießen wir auf das erste Dorf auf dieser Strecke, das wie ausgestorben war. Jorge erklärte uns, dass die meisten Dorfbewohner tagsüber auf den Quinoafeldern arbeiten, die wir kurz darauf passierten. Zwischen den Bergen sorgt die Getreideart für rote, grüne und gelbe Farbtupfer. Und dann erreichten wir die erste kleine Salzwüste, durch die surrealerweise eine verlassene Bahnschiene führte. Hier schossen wir die ersten Sprungfotos auf dem platten Land und Jorge entpuppte sich als äußerst talentierter Fotograf. In der kommenden Nacht sollten wir in einem Salzhotel übernachten und hier gab es auch die lang ersehnte mehr oder weniger heiße Dusche, bei der kurzzeitig das Wasser ausfiel. Aufgrund des Gewitters verbrachten wir den Abend an Salztischen bei einem Rotwein und Cocabier und duellierten uns im weltweit bekannten Kartenspiel „Asi und Präsi“. Am nächsten Morgen kam es kurzzeitig zu einer Zeitverwirrung. Unsere elektronischen Geräte waren mit der Zeitverschiebung zwischen Chile und Bolivien leicht überfordert und zeigten uns verschiedenste Zeiten an. Ohne Wifi konnten wir die Uhrzeit auch nicht ergoogeln. Schließlich entschlossen wir uns dazu, der Mehrheit zu glauben und starten pünktlich zum Highlight der Tour, der Salar de Uyuni. Nach einer Stunde Fahrt erstreckte sich vor uns die surreale Landschaft der Salzwüste, die eigentlich viel zu schön ist, um sie beschreiben zu können. Wir fuhren über die weite, weiße Fläche hin zu einer Insel, auf der wir riesige Kakteen vorfanden. Und dann ging es ans Fotosschiessen. Jorge wählte einen einsamen Ort aus, an dem wir auf der platten Fläche unzählige Fotos mit Täuschungseffekt machen konnten.
Total lustig, aber aber sehr anstrengend und so freuten wir uns nach 3 Stunden springen, rennen und posieren über das Mittagessen im Salzmuseum. Nun war die Reise fast vorbei und zum Abschluss besuchten wir noch in der Nähe der Stadt Uyuni den Zugfriedhof und knackten die gefühlte Tausendergrenze der geschossenen Fotos.
Zu den Klängen unseres Lieblingsremixes fuhren wir wenig später in Uyuni ein. Dann hieß es Abschied nehmen. Während Marni, Shaan und Alli in Richtung Potosi aufbrachen, machten wir uns zusammen mit Nick auf den holprigen Weg nach La Paz. Hier bestätigen sich alle Bolivienklischees. La Paz ist sehr farbenfroh und viele Frauen tragen die traditionelle Tracht bestehend aus langen Röcken, Hut und Zopffrisur. Außerdem scheinen hier Goldzähne sehr modern zu sein. Vielleicht sollten wir uns auch welche zulegen, damit wir hier nicht so als Touristen auffallen.
Chillen in Chile!
Und die positiven Eindrücke von den Chilenen setzten sich weiter fort. Da wir an der Metrostation den falschen Ausgang genommen hatten, irrten wir in den Straßen Santiagos herum und suchten vergeblich die Adresse unseres Hosts. Auf unserem Weg durch das ruhige Wohngebiet machten wir so manch nette Bekanntschaft mit Postboten, Portiers und Opas, die die gesuchte Adresse zwar nicht kannten, jedoch bereitwillig alle Passanten zu Rate zogen. Nach einer Stunde hatten wir es dann geschafft und gleichzeitig unser Workout für den Tag erledigt.
Bei unserem Host Nicolas bekamen wir direkt einen Kaffee angeboten und lernten die Holländerin Maartje kennen, die auch bei ihm und seinem Phantombruder Unterschlupf fand. Zusammen mit ihr nahmen wir nachmittags an einer Stadtführung teil. Dabei lernten wir vieles über die chilenische Hauptstadt, z.B. über die Militärdiktatur unter Pinochet, die bolivianischen Einwanderer und die kiltros. So nennen die Chilenen die Straßenhunde, die sogar von ihnen gefüttert werden, da sie selbst in den kleinen Wohnungen keine Haustiere halten können. Kiltros sind sehr treue Hunde, die sich perfekt an das Stadtleben angepasst haben. Man munkelt, dass sie sogar nur bei grün über die Straße gehen und jedem, der ihnen schutzbedürftig erscheint, Geleitschutz bieten. Besonders interessant fanden wir die Geschichte rund um sogenannte „Coffees with legs“. Um den Kaffee im matelastigen Land populärer zu machen, griff man auf raffinierte Promotionsstrategien zurück. In manchen Cafés wird das Getränk von zumeist leicht bekleideten Frauen serviert. Der Glückspilz mit dem 100. Kaffee des Tages kann sich über eine Runde Topless-Bedienung freuen. Das ist anscheinend sehr populär unter den Geschäftsmännern Santiagos. Frauen sind in diesen Etablissements jedoch nicht gern gesehen. Außerdem erfuhren wir, dass Chile in einem sehr erdbebengefährdeten Gebiet liegt und deshalb alle Häuser flexibel gebaut werden. Das höchste Gebäude Santiagos (auch das höchste Südamerikas) kann bei einem Erdbeben bis zu 1 m hin und her schwingen. Der Tipp unseres Tourguides, was im Falle eines Erdbebens zu tun sei: Just relax and enjoy! 🙂
Nachdem wir Santiago am ersten Tag von unten erkundet hatten, wollten wir uns am nächsten Tag einen Überblick verschaffen und fuhren mit der Zahnradbahn auf den Cerro Cristóbal. Leider versperrte uns der Smog die Aussicht auf die Anden und auch am nächsten Tag hatten wir nicht mehr Glück als wir auf den Cerro Sta. Lucia stiegen.
Am Abend trafen wir uns mit Maartje in einer Salsa-Schule und guckten ca. 50 Paaren beim mehr oder weniger gelungenen Salsa-Tanz zu. Die Europäer waren dabei immer sehr leicht zu erkennen. Leider gab es keinen „posto-9-Kandidat“ und wir zogen es vor, in der Barstraße Pio Nono unseren ersten Piscola (Nationalgetränk aus Pisco und Cola) zu trinken. Nie hätten wir gedacht, dass Chile so von Deutschland geprägt wurde. Nachdem uns am ersten Abend bereits Felipe, ein Freund von Nicolas, sein perfektes Deutsch präsentierte (dank eines Auslandaufenthalts in Essen und dem Besuch einer deutschen Schule), lernten wir nun wieder zwei Deutschlandfans mit rudimentären Sprachkenntnissen kennen, die uns vom Süden Chiles vorschwärmten.
Nächster Halt war dann die Küstenstadt Valparaiso, eine Etappe, auf die wir uns schon lange gefreut haben, denn Valparaiso gilt als eine alternative Künstlerstadt. Um ein bisschen Wartezeit zu überbrücken bis unser Host Francisco aka. Javier nach Hause kam, suchten wir in der Innenstadt nach einem Café. Leichter gesagt als getan: Mit unserem schweren Gepäck quälten wir uns die steilen Bergstraßen hinauf und fanden zwischendurch noch etwas Zeit, die schönen Wandmalereien zu bewundern, die die ganze Stadt zieren und ihr ein cooles und künstlerisches Flair verleihen.
Dann frühstückten wir mangels Alternativen zum dritten Mal an diesem Tag und freuten uns über das gute Wifi, das wir auch in den nächsten Tagen immer wieder in Anspruch nehmen sollten.
Wie verabredet standen wir um 20 Uhr bei Francisco vor der Tür, aber da hatten wir es wohl mal wieder etwas zu genau mit der deutschen Pünktlichkeit genommen. Bibbernd vor Kälte warteten wir vor seiner Haustür bis nach einer halben Stunden endlich Renzo, sein Mitbewohner, auftauchte. Wieder einmal gab es Verständigungsprobleme, die Renzo löste, indem er uns einfach den Fernseher anstellte: Rette die Million auf Spanisch, Spannung pur! 1 Stunde später erschien dann endlich unser völlig verrückter und aufgedrehter Host Francisco Javier. Leider blieb nicht viel Zeit für ein Gespräch, denn er musste noch seine wichtige Präsentation für den nächsten Tag vorbereiten, für die er noch nichts, aber wirklich nichts, gemacht hatte. Wieder mal um Lebenshilfe bemüht, griffen wir kurzerhand zur Schere und halfen ihm, Bilder für seine Plakate auszuschneiden. Wir hörten ihn noch die ganze Nacht rumwerkeln und fluchen. Wie erwartet lief die Präsentation eher mäßig. Im Gegensatz zu uns konnte sich Francisco nicht erklären, warum! 😉
Da er am nächsten Tag erst einmal Schlaf nachholen musste, trafen wir uns nachmittags mit Axel von Couchsurfing, der uns die Stadt zeigte. Wir ließen den Tag am Strand ausklingen und beobachteten Seelöwen, aber die arktischen Wassertemperaturen konnten uns nicht einmal dazu überzeugen, mit den Füßen ins Wasser zu gehen.
Dann gab es typisch chilenisches Sushi und wir liefen vorbei an Pablo Nerudas Haus den Berg hinauf zu unserer Bleibe. Nach mehrmaligem Klingeln wurde uns mal wieder vom Mitbewohner Einlass gewährt, da Francisco immer noch schlief. Beim Vortrinken war er dann aber ganz vorne mit dabei, nachdem er sich mit der Ernte seiner Mutter 3 Joints gezaubert hatte. Nun machte er dem „Flames Team“ alle Ehre. Der vierte Member wird übrigens immer noch gesucht. Bewerbungen bitte an isabellena@flamesvalparaiso.cl
Aufgrund einer nächtlichen Trennungsaktion fanden wir uns am nächsten Morgen ohne Schlüssel vor Franciscos Haus wieder. Mittlerweile kannte uns schon die ganze Nachbarschaft. Nach zwei Wartestunden und gefühlten 20 Sturmklingelaktionen siegte schließlich der Hunger und wir gingen für kurze Zeit hinunter in die Stadt, nicht ohne eine Notiz mit Anweisungen zu hinterlassen. Diese war 2 Stunden später zwar weg, aber wir kamen immer noch nicht rein. Wir schmiedeten schon Einbruchspläne und schworen uns, beim nächsten Mal ein Fenster aufzulassen, als Renzo um 16 Uhr (!!!) um die Ecke bog und uns erlöste. Ein sehr produktiver Tag! Noch ärgerlicher, wenn man bedenkt, dass Francisco die ganze Zeit schlafend zu Hause war, das Klingeln überhörte und just in dem Moment das Haus verließ als wir mal kurz unseren Wachdienst unterbrachen. Etwas angeschlagen starteten wir also in die zweite Partynacht und machten es uns mit einem Weinchen auf der Straße gemütlich als plötzlich ein Polizeiauto vor uns stoppte. Mit unseren abgelaufenen Studentenausweisen konnten wir unsere Identität nachweisen und wurden belehrt, dass man in Valparaiso auf der Straße nicht trinken darf.
Nach einem äußerst starken Coyote in der Coyote Bar (Tipp von Erdme) ging es wie am letzten Abend auch ins ProA, wo wir zufällig Axel wiedertrafen, der begeistert mit anderen Südamerikanern zu den gebotenen Musikclips auf der Leinwand tanzte. Dance for fans à la Chile.
Dieses Mal wollten wir alles richtig machen und blieben bis zur letzten Minute, um sicherzustellen, dass Francisco auch wirklich zu Hause war. Das war er auch, aber da er mal wieder schlief, musste wieder sein Mitbewohner ran, der glücklicherweise noch im Halbschlaf im Wohnzimmer Tennis guckte. Da hat sich wohl jemand besonders über unsere Abfahrt gefreut 😉
Es ging weiter in das kleine Örtchen La Calera, wo wir uns mit Gino (einem Bekannten von Isabell) trafen, um mit ihm weiter nach Norden nach La Serena zu fahren. Doch zunächst lernten wir seine Familie kennen und aßen hausgemachte Empanadas. In La Serena überließ und Gino seine Wohnung, während er bei einem Freund im Nachbarhaus unterkam und wir hatten den besten Schlaf seit langem. Gino nahm sich am nächsten Tag Zeit, uns Coquimbre und La Serena zu zeigen und bekochte uns abends mit einer chilenischen Fischsuppe (caldillo de congrio) – muy rico !
Nach einer 24-stündigen Fahrt sind wir gestern in der Atacama angekommen, eine der trockensten Wüsten der Erde. Fast hatten wir schon gedacht, wir müssten in der verpönten Stadt Calama übernachten, da der Bus nach San Pedro einfach nicht kam. Zusammen mit anderen Leidensgenossen überlegten wir schon, mit Hilfe von einer Gang Straßenhunden einen Bus zu kapern und die Reise als Roadtrip fortzusetzen. Aber schließlich kam unser Bus doch mit 3 Stunden Verspätung endlich an und wir konnten während der Fahrt den Sonnenuntergang über der Wüste mit schneebedeckten Bergen im Hintergrund bewundern.
Von den Überschwemmungen, die sich Ende März in der Atacama ereignet haben, bekommt man hier übrigens nicht viel mit. Niemand weiß so recht Bescheid und auch im Internet findet man kaum Hinweise. Ein Amerikaner erzählte uns, dass er eigentlich geplante hatte, in der betroffenen Region zu campen. Mangels Informationen stand er schließlich total verdutzt in einer völlig zerstörten Stadt mitten im Nirgendwo und bekam gleich einmal einen Stapel Mundschutze angedreht, die ihn vor den giftigen Gasen schützen sollten. Er zog es dann aber doch vor, weiter nach San Pedro zu fahren.




































