Everything is awesome!

Letztendlich mussten wir akzeptieren, dass das Lateinamerikaabenteuer vorerst vorbei sein würde, spätestens als der Flieger aus Cancún in Richtung Houston, Texas abhob. Am Flughafen verstärkten die Mexikaner noch einmal unseren Eindruck von ihnen als sympathisches Volk. Da wir über Land eingereist waren, wurde für die Ausreise aus Mexiko eigentlich eine Gebühr von 15 Euro fällig, aber der nette Grenzbeamte sah an unseren entsetzten Blicken wohl, dass das Geld knapp war und stempelte unseren Pass so ab. Wir sollten nur keinem davon erzählen 😉

In Texas angekommen mussten wir erst einmal an der Einreisekontrolle warten und fürchteten uns schon vor den kritischen Augen der Immigration Officer. Doch alles lief überraschend einfach ab, nicht zuletzt weil der Grenzbeamte aus Indien kam und mit uns über sein Heimatland tratschte, nachdem er das Visum im Pass gesehen hatte. So blieb keine Zeit für weitere Fragen und wir hetzten zu unserem Anschlussflug nach Los Angeles. Hier kamen wir mitten in der Nacht an und mussten feststellen, dass der letzte Bus nach Santa Monica vor 20 Minuten abgefahren war. Also teilten wir uns mit einer leicht verrückten Stewardess ein Taxi und kamen um 2 Uhr nachts endlich bei Raman an, der mittlerweile vor dem Fernseher eingeschlafen war. Nach einer Hausführung und einer kurzen Zusammenfassung des letzten halben Jahres bezogen wir unser eigenes Gästezimmer und fielen todmüde ins Bett. Am nächsten Morgen lernten wir dann auch Ramans Mitbewohner Scott kennen, den „Director of Awesomeness“ der Rastabus-Company, die Raman gehört. Da bereits zwei weitere Mitarbeiter für eine Besprechung im Wohnzimmer anwesend waren, wollten wir nicht länger stören und machten uns die Essenssuche, da wir seit gestern Nachmittag nichts mehr gegessen hatten (bei United Airlines gab es leider auch nichts L). Glücklicherweise gab es ein paar Blocks weiter unseren Lieblingsladen 7/11 und wir liefen ganz amerikanisch mit einem Kaffee und einem Sandwich in der Hand zur Strandpromenade. Von dort hatte man einen guten Ausblick auf den Santa-Monica-Pier, den Strand und die Berge. Keine schlechte Wohngegend 😉 Den Rest des Tages erkundeten wir das Viertel und liefen hinunter bis nach Venice Beach. Wer noch nie hier war: es ist einfach nur verrückt! Zwischen den vielen Straßen- und Künstlerständen laufen die seltsamsten Menschen mit eigenwilligen Outfits herum, reden mit sich selbst und rauchen Marihuana, oft verschrieben von den sogenannten „Green Doctors“. Außerdem gibt es auffällig viele Obdachlose, die es sich zwischen den Palmen „gemütlich“ machen.

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Abends wurden wir dazu genötigt, zusammen mit Raman und Scott das unglaublich tolle Lego-Movie anzuschauen. Awesome! 😉 Am nächsten Tag wollten wir uns dann unter die Stars und Sternchen mischen und Hollywood einen Besuch abstatten. Mit dem Bus fuhren wir zum Hollywood Boulevard und spazierten über den Walk of Fame.

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In der Ferne konnte man auch das Hollywood-Zeichen sehen, aber leider war es etwas bedeckt. Das Ganze ist jedoch etwas Unspektakulärer als man denkt, weil es sich eigentlich nur um eine Straße mit Souvenirläden und Fastfoodketten handelt. Also machten wir uns relativ schnell wieder auf den Rückweg ins wirklich wunderschöne Santa Monica. Dort sollte abends ein kostenloses Konzert auf dem Pier stattfinden, das wir uns natürlich nicht entgehen lassen wollten. Um 19 Uhr folgten wir dem Menschenstrom hinunter zum Pier und trafen hier wenig später Raman, Scott und ein paar Freunde. Scott erwähnte ganz nebenbei, dass sie in ihrer Garage sieben Segways stehen hätten, die sie ab und zu für Touren nutzen. Als der ganze Spaß um 22 Uhr vorbei war, gingen wir also noch einmal zurück in die Rastabus-Mansion, wo wir in der Garage unsere erste Segway-Lesson bei Scott nahmen.

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Es stellte sich heraus, dass Isabell ein richtiger Segway-Pro war, trotz eines Zusammenstoßes mit dem Garagentor. Wir waren so begeistert von dieser Art der Fortbewegung, dass wir die Jungs nötigten mit den Segways in eine Bar zu fahren.

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Dort wurde ein neues Gesangsduo geboren, das das Queen-Lied Bohemian Rhapsody mit einer unglaublichen Performance darbot. J Nachdem die Bar zugemacht hatte, saßen wir noch bis in die frühen Morgenstunden bei Raman zusammen und waren etwas überrascht als um 8 Uhr der Fahrer unseres Shuttles nach San Diego an der Tür klingelte. In Windeseile schmissen wir alle Sachen in unseren Rucksack und verabschiedeten uns von LA.

In San Diego kamen wir in einer Couchsurfer-WG bei John und Matt unter. San Diego ist eine wirklich coole Großstadt mit Kleinstadtfeeling und vielen hippen Bars und Restaurants.

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Gestern mussten wir leider einen kompletten Tag bei Walmart verbringen, denn die Handysuche gestaltet sich hier etwas schwieriger als gedacht. Aber jetzt sind wir endlich wieder telefonisch bzw. über Whatsapp zu erreichen! Heute wollen wir dem Strand noch einmal einen Besuch abstatten und dann ist unsere Zeit in Kalifornien auch schon wieder abgelaufen. Die Amerikaner sind wirklich netter und hilfsbereiter als gedacht und wir haben unsere Zeit hier gut genutzt auch dank unserer tollen Hosts!!

Fazit Lateinamerika

Unglaubliche 8 Reisemonate sind nun vorbei und wir sitzen in Cancún im Hostel und sind in den Startlöchern für den Flug nach LA (dieses Mal – hoffentlich – wirklich ;)). Die Zeit in Lateinamerika war unbeschreiblich toll. Trotz einiger schmerzhafter Verluste im materiellen Sinne, sind wir nun umso reicher an neuen Freunden, Erfahrungen und Erlebnissen, von denen wir noch unser Leben lang zehren werden. Uns fällt der Abschied von hier viel schwerer als aus Asien, was nicht zuletzt daran liegt, dass wir in Lateinamerika viel mehr in Kontakt zu den Einheimischen standen und die Landschaft so vielseitig ist, dass man aus dem Staunen gar nicht mehr heraus kommt! Hasta la vista, América Latina & Hello California!!

 

Die schönsten Orte:

  • Buenos Aires (Argentinien)
  • El Bolsón (Argentinien)
  • Valparaiso (Chile)
  • Montanita (Ecuador)
  • Salar de Uyuni (Bolivien)
  • Iguaçu (Brasilien)
  • Ciudad Perdida (Kolumbien)
  • San Blas (Panama)
  • Antigua (Guatemala)

Das beste Essen:

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  • Açaí (Brasilien)
  • Feijoada (Brasilien)
  • Dulce-de-lèche-Eis (Argentinien)
  • Kürbistarta à la Dolores (Argenitien)
  • Empanadas von Ginos Mutter (Chile)
  • Sushi (Chile)
  • Fisch (Ecuador – Nicaragua)
  • Ceviche (Peru)
  • Sandwiches mit Avocado, Ei und südamerikanischem Feta-Verschnitt (Bolivien)
  • Englische Muffins mit Erdnussbutter und Ahornsirup (Ecuador) (nur Lena)

 Lieblingsgetränke:

  • Cashewsaft (Brasilien)
  • Caipirinha (Brasilien)
  • Pisco Sour (Peru)
  • Alma Mata Weißwein (Argentinien)
  • Frische Fruchtsäfte, besonders Ananas und Maracuja
  • Wodka-Cranberry

 Nicht zu empfehlendes Essen:

  •  trockener Reis

Die besten Hostels:

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  • La Brisa Loca (Santa Marta, Kolumbien)
  • Pehenuia (El Bolsón, Argentinien)
  • Wild Rover (Cusco, Peru)
  • Misfits Beach Huts (Mancorá, Peru)
  • Hostel im Dschungel (Ilha Grande, Brasilien)
  • Backpacker Sunset (Florianópolis, Brasilien)
  • Che Lagarto (Buenos Aires, Argentinien)
  • Vibes (Quito, Ecuador)
  • Iguana Backpackers (Montanita, Ecuador)
  • Casa Villa Mary (Taganga, Kolumbien)
  • Pura Vida Mini Hostel (Santa Teresa, Costa Rica)
  • Surfing Donkey (San Juan del Sur, Nicaragua)
  • Adventure Brew (La Paz, Bolivien)
  • Quetzal Hostel (Cancún)

Die besten Hosts:

  • Silvia, José und Mariana (Rio, Brasilien)
  • Juan und Hugo (Buenos Aires, Argentinien)

Was wir gelernt haben:

  • NFTR, NFITR
  • Wer K sagt, muss nicht unbedingt auch E sagen.
  • Der Satz „If you got nothing, you got nothing to lose“ ist ein Trugschluss.
  • Spanisch (mas o menos)
  • Salsa, Samba und Bachata
  • Long Island Iced Tea kann man auch ohne Cola trinken.
  • Verlieb dich nie in einen Seemann!
  • Matetee zubereiten
  • In Patagonien gibt es keine Tiger!
  • Wenn der Brüllaffe in Nicaragua dreimal schreit, regnet es (also theoretisch jeden Tag).
  • Bei allen Höhenlagen über 2000m steigen der Bano-Gebrauch und der Betrunkenheitsgrad proportional an.
  • Wandern – eine Hassliebe
  • Wie man ein Hostel nicht führt.
  • Brasilianer sind die nettesten Menschen der Welt!
  • Venezuelanische und brasilianische Schimpfwörter.
  • Wenn dich nachts jemand in Buenos Aires nach der Uhrzeit fragt, gucke nie auf dein Handy!
  • Spiele niemals Flip-Coin in La Paz!
  • In Argentinien kommt nicht immer Geld aus dem Automaten/am besten Dollar tauschen!
  • Immer mindestens 20 Dollar im Portemonnaie haben.
  • Wanderschuhe braucht man selbst bei der Besteigung eines 5000m hohen Vulkans (fast) nicht.
  • Unterschätze niemals die Distanzen in Patagonien!
  • Flugzeiten sollte man häufiger noch einmal gegenchecken (ist billiger)!!
  • Plane nie weiter als zwei Tage im Voraus!
  • Die Kartenspiele „Ezel“ (NL) und „Quims“ (FR)
  • Gegen Seekrankheit helfen grüne Äpfel und Cracker und Eistee ist auf jeden Fall besser als Cola.
  • Alpakaföten bringen Glück!
  • In Kolumbien bedeutet „express“ nicht unbedingt schnell.
  • Goldzähne erhöhen nicht den Attraktivitätsgrad.
  • Taxifahrer sind die größten Halsabschneider (geben immer mindestens den doppelten Preis an und wollen einem weismachen, dass es keinen Bus zum Zielort gibt).
  • Deutschland scheint in Südamerika sehr beliebt zu sein.
  • Nach südamerikanischen Standards müssten wir schon seit 7 Jahren verheiratet sein und mindestens 3 Kinder haben.
  • Blonde is beautiful!
  • Australier und Israelis treten immer in Rudeln auf.
  • Alle Kanadier kommen aus Vancouver oder Québec.
  • Todo posible, nada seguro!
  • Elektronische Geräte mit Wasserschaden funktionieren nach 6 Monaten wieder komplett.
  • Alle Nicaraguaner stecken unter einer Decke! (Und wir meinen nicht den Deckentrick)
  • In Mittelamerika braucht man für 200km immer mindestens 7 Stunden in mindestens 4 verschiedenen Fahrzeugen. Die Zeit steigt proportional zur Kilometeranzahl an.
  • Der Song „Mama Yokero“ ist kein adäquater Gesprächseinstieg.
  • In spanischsprachigen Liedern tauchen immer die Wörter „amor“, „corazón“ und „contigo“ in verschiedener Zusammensetzung auf.
  • Das Multifunktionstool eignet sich hervorragend zum Öffnen von Weinflaschen und Dosen.
  • Et kütt wie et kütt und hätt noch immer jot jejange.
  • Honolulu liegt NICHT auf Big Island!! 🙂
  • Reisen ohne Geld

Menschen aus folgenden weiteren Ländern haben wir getroffen:

  • Alle süd- und mittelamerikanischen Nationen
  • Baskenland (4x!)
  • Norwegen
  • Trinidad und Tobago
  • Marokko
  • Griechenland

 

Mit folgenden Namen wurden wir betitelt:

Isabell: Isabel Martínez, Elisabeth, Lena

Lena: Isabell, Anna, Jessica, Lila, Lina (L-E-N-A – Ah! LINA!)

Verluste:

Flip Flops (6x), Kamera (2x), Handy (1,5x), Haarbänder und -gummis, Ohrringe, Schieberle, Hose, Lonely Planet Mittelamerika, Schuhe (3x), Sonnenbrillen (6x), Kindle (funktionsuntüchtig), Turnbeutel (2x), Portemonnaie, Kleid, iPad-Ladekabel, Vorhängeschloss, Kontaktlinsenflüssigkeit, Leggins, T-Shirt – FREE YOUR STUFF 😉

Sätze, die wir nicht mehr hören wollen:

  • Chicas,(eine Form von schön/hübsch)! Como están?
  • Taxi, Taxi, Taxi?

Was wir vermissen werden:

  • Spanisch sprechen
  • Günstiges Essen/Almuerzos
  • Reggaeton
  • Obstvielfalt
  • Die vielfältige Landschaft

(Reggaeton-)Playlist:

  • Enrique Iglesias – Bailando
  • Felix Jaehn Remix – Cheerleader
  • Daddy Yankee – La nueva y la ex
  • Fanfare Ciocarlia – Moliendo Café
  • Manu Chao – Me gustas tú
  • Rick Astley – Never gonna give you up
  • Pitbull – El taxi
  • The Eagles – Hotel California
  • Marc Anthony – Vivir mi vida
  • Mark Ronson – Uptown Funk
  • Nicky Jam – Travesuras
  • Bernard Fanning – Wish you well
  • Pitbull – Don’t stop the party
  • Eros Ramazotti – Piú bella cosa
  • Bob Marley – Redemption Song
  • Oasis – Whatever
  • Shaggy – It wasn’t me
  • Fakear – La lune rousse
  • Nicky Jam – El Perdón
  • Leroy Vine Jr. – I’m in love with the coco
  • „Rumba“

Die verrücktesten Ereignisse:

  • Vogel in Plastiktüte (Kolumbien)
  • Sambaparade mit 5 Teilnehmern (Kolumbien)
  • Sunday Funday (Nicaragua)
  • Party in Cusco und Montanita (Peru/Ecuador)
  • Segeltörn mit verrücktem Italiener (Panama)
  • „Überfall“ in Buenos Aires (Argentinien)
  • Der komplette Aufenthalt in Montevideo (Uruguay)
  • Couchsurfen bei Francisco (Chile)
  • Trampen mit Gustavo (Argentinien)
  • 1.-Mai-Feier am Titicacasee (Bolivien)
  • Israeli-Verlust in La Paz (Bolivien)
  • Kolumbien im Copa-América-Fieber

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Folgende Tiere haben wir gesehen:

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  • Lamas/Alpakas/Vicunas/Guanakas
  • Große Greifvögel, Blaufußtölpel, Fragatas, Loras, Tukane, Albatrosse, Pelikane, Flamingos
  • Bergviscachas (Chinchillas)
  • Schildkröten
  • Brüllaffen und Kapuzineraffen
  • leuchtende Fische und bunte Fische, deren Namen wir nicht kennen, fliegende Fische, schwarze Fische
  • Geckos, Leguane
  • Viele, viele Insekten und sehr große Schmetterlinge
  • Fledermäuse
  • Wildpferde
  • Skorpione, eine Skorpionsspinne
  • Krabben, Langusten, Krebse, Hummer
  • Schlangen

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Ultimos dias!

Leider vergingen unsere zwei Tage in Antigua viel zu schnell. Aber wir hatten trotzdem Zeit, uns die schönsten Ecken der Kolonialstadt anzuschauen. Zum Glück funktionierten die Geldautomaten nach einem Tag wieder, sodass wir uns auf dem örtlichen Kunsthandwerksmarkt noch einmal mit unglaublich wichtigen Dingen eindecken konnten. Sogar ein Friseurbesuch war noch im Budget und für 1,80 Euro konnte Lena hier nicht widerstehen. Isabell betrachtete währenddessen die etwas verblichenen Poster mit Frisurvorschlägen der frühen 90er und dachte über einen schicken Undercut mit integriertem Rasurmotiv nach. Lasst euch überraschen 😉

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Und dann stand auch schon das nächste Länderhopping an. Wir wollten auf möglichst direktem Wege nach Cancún in Mexiko kommen und mussten dazu erst einmal mit dem Chickenbus nach Guatemala City fahren.

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Nachdem wir unsere Fahrkarte bezahlt hatten, wollten wir mit den letzten verbliebenen Quetzales noch ein letztes Mal eine guatemaltekische Mahlzeit zu uns nehmen. Und so standen wir mittags vor einem Imbiss und suchten aus allen möglichen Taschen unser Kleingeld zusammen, nur um dann festzustellen, dass es nur noch für ein Gericht reichte. Das hatte sich die Kellnerin wohl auch anders erhofft, als wir als einzige Ausländer den Laden betraten. Die Finanzkrise ist nun auch bei uns angekommen! Reisen mit wenig Geld heißt es da!

Am frühen Abend ging es dann mit dem Nachtbus los zur belizischen Grenze. Mittlerweile können wir eigentlich in Bussen relativ gut schlafen, aber in dieser Nacht war das unmöglich. Während Isabell mit Sarong und Schlafsack gegen die Klimaanlage anzukämpfen versuchte, musste Lena ihre Füße unter dem Vordersitz verkeilen, um in den Kurven nicht in den Gang geschleudert zu werden. Wir waren gerade einmal kurz eingenickt als drei Beamte den Bus betraten. Um 2 Uhr nachts war es Zeit für die „Obstkontrolle“. Sämtliche Taschen wurden durchsucht und wir atmeten erleichtert auf als unsere beiden Äpfel und die Banane (wir nennen sie nun auch liebevoll die fruit friends) die Kontrolle unter den kritischen Augen des Beamten überstanden. Keine Ahnung, warum man nicht innerhalb eines Staatsgebiets Obst von A nach B transportieren darf. Ein Fall für Galileo Mystery.

Früh morgens erreichten wir die Ländergrenze zwischen Guatemala und Belize und freuten uns über die netten Grenzbeamten, die uns in englischer Sprache begrüßten. Notgedrungen mussten wir uns dann aber von den fruit friends trennen und ein sehr frühes Frühstück auf dem Boden des Grenzgebäudes einlegen. Von der Grenzstadt Benque aus nahmen wir dann mal wieder einen komfortablen und günstigen Chickenbus nach Belize City.

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Auf der Fahrt konnten wir die tolle Landschaft anschauen und wissen nun, dass Belize auf jeden Fall eine Reise wert ist. Und auch die Menschen im englischsprachigen Land sind total freundlich. Das konnten wir bereits am Busbahnhof von Belize City feststellen als sich eine Putzkraft als unsere persönliche Reiseberaterin zur Verfügung stellte und uns mit Rat und Tat zur Seite stand. Von ihr bekamen wir den heißen Tipp, nicht den teuren Touristenbus direkt nach Cancún zu nehmen, sondern erst bis zur mexikanischen Grenze in Chetumal mit dem local bus zu fahren. Auf der Fahrt lernten wir ein irisches Paar, eine Mexikanerin und eine Mecker-Griechin kennen, die auch nach Mexiko wollten. Die Griechin beschwerte sich wirklich über alles, vor allem über die Preise in Lateinamerika (es ist total günstig hier und wahrscheinlich bezahlt man in Griechenland mittlerweile viel, viel mehr für einfache Sachen). Im vollbepackten Chickenbus motzte sie dann eine Oma mit Kind auf dem Schoß an, die sich auf den Platz neben sie quetschte, weil sie wohl in ihren personal space eingedrungen war. Witzig, dass sie kurz danach einschlief und ihr Kopf auf die Schulter der Oma rutschte. Da war der personal space wohl nicht mehr so wichtig 😉

Zu sechst überquerten wir dann zu Fuß die Grenze, wobei wir etwas Schwierigkeiten hatten, die mexikanische Seite zu finden und in der free zone bei tropischen Temperaturen umherirrten. Aber schließlich hatten wir den Einreisestempel nach Mexiko in der Tasche und fuhren – mit dem Chickenbus – in die mexikanische Stadt Chetumal. Hier wurde es stressig. Wir hatten eine halbe Stunde Zeit, irgendwie an Geld zu kommen, kurz ein bisschen Obst zu kaufen und dann ging es auch schon weiter nach Cancún!! Nach insgesamt 36 Stunden kamen wir total fertig und übernächtigt um 2 Uhr nachts an und hatten Glück, dass es im Hostel noch zwei freie Betten gab. Isabell hatte die Ehre, im „Hello-Kitty-Mädchenzimmer“ zu schlafen, während Lena auf den 16-Bett-Massenschlafsaal verwiesen wurde.

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Freitagmittag ging es dann mit dem Bus in die Hotelzone, eine kilometerlange Straße, eingerahmt von einem Sumpfgebiet mit Krokodilen und dem Meer. Fast fühlten wir uns wie in Miami, denn es reiht sich hier Luxushotel an Luxushotel. Am Playa Delfines stiegen wir aus und genossen den Ausblick auf das wirklich türkise karibische Meer und den weißen Sandstrand. Zum Glück gibt es über den ganzen Strand verteilt Sonnenschirme aus Bambus, sodass man der heißen Sonne entkommen kann.

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Abends gesellte sich dann die gesamte Hostelbelegschaft um einen riesigen Tisch am Pool, denn im Preis ist nicht nur Frühstück, sondern auch Abendessen inbegriffen, sowie ein kostenloser Tequila-Shot als Appetizer. Das fördert die Kommunikation und wir kamen mit fast allen Leuten ins Gespräch. Als Vorbereitung auf die Partynacht genehmigten wir uns ein paar hostelfremde Getränke auf der Dachterrasse. Eigentlich ist es nie erlaubt, Fremdalkohol mit ins Hostel zu bringen, aber das hat bisher niemanden gestört. Hier allerdings ist der Alkohol-Inspektor aktiv. Der Barmann des Hostels stand mehrere Male wie aus dem Nichts vor uns und kontrollierte unsere Becher. Nach genug Vorbereitungszeit zogen wir mit einer bunt zusammengewürfelten Gruppe los auf die Partymeile am Strand. Damit wir uns im Gedränge nicht verlieren, wurde jedem spaßeshalber eine Nummer zugeteilt und die Vollständigkeit der Gruppe wurde immer wieder überprüft.

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Da Cancún zu einem der beliebtesten Reiseziele der US-Amerikaner gehört, wimmelt es hier nur so von Touristen aus den USA. Im Bus kamen wir mit dem Gespann hinter uns ins Gespräch und als wir erwähnten, dass unsere nächste Station LA ist, gab sich einer der beiden als Police Officer des Santa Monica Police Department zu erkennen. Jetzt haben wir immer jemanden dort, den wir in brenzligen Situationen kontaktieren können, falls wir mit dem Gesetz in Konflikt geraten 😉 Außerdem offerierte er uns lebenslanges freies Parken am Hafen von Santa Monica. Praktisch! Nun denken wir ernsthaft darüber nach, ein Auto zu mieten 😉

Morgen besuchen wir dann noch die antike Maya-Stätte Chichén Itzá, bevor wir dann Dienstag Abschied von Mittelamerika nehmen müssen 😦 Unser nächstes Ziel ist LA. Dort können wir glücklicherweise bei Raman in Santa Monica übernachten, den wir in Indien kennengelernt haben. Die Hostelpreise sind dort nämlich nicht wirklich zu bezahlen und deswegen werden wir dann auch in San Diego erst einmal wieder aufs Couchsurfen zurückgreifen.

Nachtrag Chichén Itzá

Gestern haben wir noch dem Maya-Tempel Chichén Itzá einen Besuch abgestattet und wurden dank Isabells spanischklingendem Vor- und Nachnamen in den Spanischbus mit lauter Mexikanern verfrachtet. Glücklicherweise konnten wir den Erklärungen der Tourleiterin dank mehr oder weniger intensivem Spanischtraining in den letzten 5 Monaten gut folgen und haben einiges Interessantes über die Maya erfahren. Für die Maya, von denen noch einige auf der Yucátan-Halbinsel leben, ist die Schlange ein heiliges Tier, da sie die Verbindung zur Erde und den Elementen darstellt. Der Tempel Chichén Itzá wurde so konstruiert, dass jedes Jahr zur Sommer- und Wintersonnenwende Unglaubliches passiert. Auf der Haupttreppe erscheinen durch den Winkel der Sonneneinstrahlung nach und nach 7 Dreiecke (die die 7 Verbindungen des Menschen mit der Welt symbolisieren – die Gesichtsöffnungen). Zum Schluss erscheint der Kopf einer Schlange. Dies soll die heilige gefiederte Schlange Kukulcan darstellen, die auf die Erde hinabsteigt und sie befruchtet.

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Auf dem Rückweg erwartete uns dann noch eine Überraschung. Wir fuhren zum 50 Meter unter der Erde gelegenen Gewässer Cenote, was für die Maya der Weg zum Erdmittelpunkt war.

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Leider hatten wir keine Badesachen dabei, wollten aber unbedingt ins erfrischende Wasser und so blieb uns nur die Unterwäsche-Aktion. Mittlerweile sind wir ja schmerzfrei. Im wirklich dunkeln Wasser schwammen Schwärme von schwarzen Fischen, sowie unzählige Mexikaner in Schwimmwesten. Ein würdiger Abschluss für unsere Reise in Lateinamerika!! 🙂

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Isabell-und-Lena-Suchbild :)

Isabell-und-Lena-Suchbild 🙂

Mit dem Chickenbus durch Nicaragua

Nach einigen mehr oder weniger entspannten Tagen in San Juan del Sur inklusive Teilnahme am Sunday Funday (Spring-Break auf nicaraguanisch), machten wir uns auf zu unserem nächsten Ziel: die Insel Ometepe im größten See Nicaraguas.

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Zum Glück stand uns nur eine kurze Bus-bzw. Fährfahrt bevor und so erreichten wir drei Stunden später die Vulkaninsel und hatten genug Zeit, eine Tour zum größeren der beiden Vulkane für den nächsten Tag zu organisieren. Bereits um 7 Uhr morgens warteten wir startklar vor dem Hostel auf unseren Guide, mit dem wir nach einer kurzen Busfahrt schließlich am Wanderweg ankamen, der uns hinauf auf den Vulkan führen sollte.

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Im sportlichen Tempo kraxelten wir den unbefestigten Weg hoch und entdeckten in den Baumwipfeln immer mal wieder Brüll- und Kapuzineraffen.

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Als die Vegetation immer spärlicher wurde und der Wind extrem zunahm, wussten wir, dass wir die höchste besteigbare Stelle erreicht hatten.

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Dann mussten wir uns erst einmal setzen, um nicht vom Wind umgefegt und über die Böschung katapultiert zu werden. Leider war die Sicht auf den See und auf die Spitze des Vulkans von Wolken getrübt, aber hin und wieder riss die Wolkendecke auf und wir bewunderten die tolle Aussicht. Allmählich wurde es aufgrund des starken Windes jedoch kalt und so machten wir uns schnell an den Abstieg und kamen mittags schon wieder an unserem Ausgangsziel an.

Für den nächsten Tag stand die Fahrt nach Las Penitas im Nordwesten des Landes an. Da wir dafür nur ca. 200km zurücklegen mussten, entschieden wir uns, die Strecke mit dem Chickenbus zu fahren. So nennt man in Mittelamerika „Linienbusse“ im amerikanischen Schulbusstil, die ihren ganz eigenen Charme haben. Betritt man einen solchen Bus, fällt einem zuerst die mehr oder weniger geschmackvolle Innengestaltung auf. An der Windschutzscheibe klebt zumeist ein religiöses Statement, das dem Fahrer bei seinem riskanten Fahrstil wahrscheinlich Geleitschutz bieten soll. Auf den mit Ornamenten verzierten Aufklebern liest man Sprüche wie „Glaube versetzt Berge“ und „Wenn Gott mit mir ist, was kann dann gegen mich sein“ in verschiedenen Farben, die auf den ersten Blick nicht unbedingt zueinander passen. Wenn man Glück hat, ergattert man einen der begehrten Plätze und kann sich bei 30 Grad im Schatten auf eine Dreier- oder Zweierbank zur einheimischen Bevölkerung quetschen. Hat man noch mehr Glück, wurde das Gepäck vorher zusammen mit Paketen, Käfigen mit Federvieh und sonstigen zu transportierenden Gegenständen/Lebewesen auf das Dach des Busses geschnallt, sodass man es nicht noch zusätzlich auf dem Schoß balancieren muss. Zwischen den Bänken ist gerade genug Platz für einen schmalen Gang, in den bei jedem Halt immer mehr Menschen mit ihrem Hab und Gut gepfercht werden, bis wirklich jeder verfügbare Platz genutzt ist. Das denkt man zumindest. In unregelmäßigen Abständen steigen nämlich zumeist vollschlanke Verkäuferinnen hinzu, die sich mit ihren Körben durch die Gänge quetschen, um Pasteles, Tortillas, Chips und Wasser aus Plastiktüten zu verkaufen. Zum Glück sind meist alle Fenster des Busses geöffnet, sodass einem bei voller Fahrt der Wind ins Gesicht bläst und man kurz vergisst, dass es draußen eigentlich kochend heiß ist. Da Spanisch nicht gerade zu den leisesten Sprachen gehört, herrscht im vollgepackten Bus ein Lautstärkepegel wie auf dem Schulhof einer Grundschule. Dies wird zudem akustisch von eingängiger Reggaetonmusik untermalt. In dieser entspannten Atmosphäre hangelt man sich von Haltestelle zu Haltstelle, die einzig dadurch zu erkennen sind, dass Menschen am Straßenrand warten. Dementsprechend lange dauert die Fahrt, dafür ist der Preis einfach unschlagbar. Für 200km muss man meist nur schlappe 2 Dollar blechen. Gerade richtig, wenn man mit wenig Geld reisen muss.

Völlig entspannt machten wir uns morgens um 10 Uhr auf zum Fähranleger, um wieder ans Festland zurückzukehren.

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Nach ca. 1,5 Stunden hatten wir den Hafen von San Jorge erreicht und wurden gleich von Taxifahrern bestürmt, die uns zum Terminal nach Rivas oder am liebsten gleich direkt zu unserem Ziel bringen wollten. Als Tourist ist es fast unmöglich, einen fairen Preis auszuhandeln, sodass man schließlich resigniert aufgibt und dem Fahrer für die „weite, weite Strecke“ weit mehr bezahlt als man sollte. In Rivas angekommen hatten wir gerade noch Zeit, ein bisschen Obst für die Weiterfahrt zu besorgen, dann wurden wir in den nächsten Chickenbus in Richtung der Hauptstadt Managua geschubst.

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Leider musste der Bano-Stopp ausfallen und so hörten wir vorsichtshalber erst einmal auf zu trinken. Drei Stunden später hatten wir kaum einen Fuß auf den Schotterplatz des Terminals gesetzt, da wurden wir schon wieder von diversen Taxifahrern umzingelt. Natürlich befanden wir uns mal wieder am falschen Terminal in der Stadt, aber kein Problem, mit dem Taxi ist man im Handumdrehen am richtigen Ort und das für unglaubliche 10 Dollar 😉 Nachdem wir einen etwas annehmbareren Preis ausgehandelt hatten, stiegen wir letztendlich in ein Taxi, nur um dann festzustellen, dass uns der gewiefte Geschäftsmann am Busbahnhof für die sogenannten Microbusse abgesetzt hatte, eine Art Kleintransporter, die zwar einen direkteren Weg nehmen, allerdings auch mehr als doppelt so teuer sind. Wir schafften es gerade noch einmal auf die Toilette, dann nahm die rasante Fahrt wieder ihren Lauf. Mit unserem Gepäck, bestehend aus zwei großen Reiserucksäcken und zwei kleineren Taschen, auf dem Schoß verharrten wir zwei Stunden lang in ein und derselben Position bis wir endlich in der kleinen Kolonialstadt Léon ankamen. Es war bereits 17 Uhr, aber die Sonne knallte immer noch unbarmherzig auf uns herunter. Von einem Rikschafahrer erfuhren wir, dass unser nächster und letzter Bus nach Las Penitas leider nicht am Terminal, sondern am Mercado in der Stadt abfuhr. Und so zwängten wir uns zusammen mit dem Gepäck auf die Zweierbank eines Fahrradtaxis. Der jugendliche Fahrer transportierte uns innerhalb von 20 Minuten durch die engen Gassen der Stadt hin zum Marktplatz und hat damit wohl sein Workout für den Tag hinter sich gebracht. Sightseeing mal anders! Am Marktplatz angekommen, war unser Bus bereits zur Abfahrt bereit. Uns wurden die Rucksäcke aus den Händen gerissen und irgendwo im Bus deponiert, während wir gleichzeitig angewiesen wurden, uns einen Platz zu suchen. Diesen fanden wir schließlich im Türrahmen, sicher eingequetscht zwischen Schulkindern, Pendlern und dem Busbegleiter und Ticketverkäufer. Wenigstens hatten wir so etwas frische Luft! 🙂 es dämmerte schon als wir endlich den Strandort Las Penitas erreichten und wir fantasierten schon von einem tollen Hostel mit Pool und einem leckeren Abendessen. Und so stiegen wir voller Erleichterung an der Endhaltestelle aus, nur um dann festzustellen, dass sich unser Hostel am anderen Ende des Ortes befand. Völlig erschöpft schleppten wir uns mit den immer schwerer werdenden Rucksäcken durch die Straßen und hatten nach insgesamt 8,5 Stunden endlich das Hostel erreicht. Kein schlechter Schnitt für 200km, oder? 😉 So reist man also in Mittelamerika!

Am nächsten Morgen machten wir uns auf die Suche nach einem günstigen Surfboardverleih am Strand und beäugten die meterhohen Wellen mit kritischem Blick. Aber jetzt gab es kein Zurück mehr, denn wir haben den beschwerlichen Weg nach Las Penitas einzig und allein auf uns genommen, um hier unsere Surffähigkeiten zu vervollkommnen bzw. erst einmal zu erlernen. Gegen Mittag stürzten wir uns mit unseren etwas zu kleinen Boards das erste Mal in die Fluten und waren von der Wucht des Wassers überrascht. Zum Glück fand neben uns gerade eine Anfängerstunde statt, sodass wir uns noch einmal die Technik vor Augen führen konnten. Dann kämpften wir uns mehr schlecht als recht durch die Wellen und schafften es letztendlich sogar ein paar Mal, zu stehen.

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Den nächsten Tag verbrachten wir mal wieder mit Reiseorganisation und mussten dazu nach Léon fahren. Da uns nicht mehr allzu viel Zeit in Mittelamerika blieb, wollten wir die Strecke von Léon nach Guatemala City in einem Rutsch erledigen und fanden tatsächlich einen günstigen Chickenbus, der den Weg durch Honduras uns El Salvador in 22 Stunden zurücklegen sollte. Erleichtert kehrten wir in unser ruhiges Strandparadies zurück. Am darauffolgenden Tag, ein Samstag, sollte in unserem Hostel ein Surfwettbewerb und ein kleines Elektrofestival stattfinden. Da wollten wir nicht fehlen und hatten die Weiterfahrt deshalb extra für den Sonntag gebucht. Das Festival sollte eigentlich bereits um 12 Uhr beginnen und pünktlich um 11 trafen dann auch die ersten Helfer ein, um mit 20 Mann die Hauptbühne am Strand aufzubauen. Dann wurde es hektisch und in dem ganzen Trubel ging der Surfwettbewerb fast ein bisschen unter. Mit leichter Verspätung fing der erste DJ dann um 14 Uhr an, aufzulegen. Zu unserer Überraschung wurde die ganze Nacht lang feinste Elektromusik gespielt und etwas lädiert machten wir uns am Sonntagmorgen mit den Überbleibseln der Party (Harry und Seamus aus England) im letzten Shuttlebus nach Léon auf zu unserer Fahrt nach Guatemala. Dann hieß es schon, Abschied nehmen von Nicaragua, wo wir zwar gefühlt die Hälfte der Zeit im Bus verbracht haben, es aber dennoch in der restlichen Zeit sehr schön war! 😉

Jetzt sind wir nach 24 Stunden Fahrt über 3 Ländergrenzen mit diversen Drogen- und Personenkontrollen endlich in Antigua in Guatemala angekommen.

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Zusammen mit Ademir, einem Brasilianer, der das gleiche Busschicksal teilte wie wir, machten wir uns hier direkt auf die Geldsuche, um endlich zu frühstücken. Aber aus unerfindlichen Gründen funktionierte keiner der 10 Automaten, die wir auf unserer Odyssee durch die kleine Kolonialstadt ausprobierten. Irgendwann erfuhren wir von einem Einheimischen, dass das Bankensystem gerade kurzfristig zusammengebrochen war. Hmm, blöd, ohne Geld, kein Essen. Glücklicherweise spricht Ademir gutes Spanisch und konnte eine Bäckereiverkäuferin überreden, dass wir bei ihr anschreiben durften. Und so stehen wir nun mit 3 Dollar bei ihr in der Kreide und hoffen, dass wir bald irgendwie an Bargeld kommen. Wenigstens haben wir auf unserer Automatensuche schon einmal das meiste der Innenstadt besichtigt und festgestellt, dass der Vulkan im Hintergrund verdächtig raucht. Es wird also nicht langweilig!

Pura vida

Um wenigstens ein bisschen was von Panama zu sehen, konnten wir uns nach der ersten erholsamen Nacht seit Langem in Panama City nachmittags endlich aufraffen, in die Altstadt zu gehen. Vom modernen Viertel mit vielen Hochhäusern, wo sich unser Hostel befand, liefen wir zusammen mit Rodolphe an der Strandpromenade entlang in die Innenstadt. Auf halbem Weg kamen uns Sue und Antonio entgegen und so war die Bootscrew kurzzeitig fast vollständig wieder vereint. Von der Altstadt waren wir eher mäßig begeistert. Es gab zwar sehr schöne Kolonialbauten, aber irgendwie wirkte alles leblos und wie ausgestorben, bis auf die zahlreichen Polizisten und Soldaten, die an jeder Ecke rumlungerten.

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Und dann war unser kurzer Aufenthalt in Panama auch schon zu Ende und wir bestiegen abends den Bus nach San José in Costa Rica. Vorher verabschiedeten wir uns von Rodolphe und verabredeten ein Wiedersehen in Costa Rica bei seinem Bruder. Im Bus wartete eine Überraschung: Antonio und Sue hatten es sich schon auf den Plätzen vor uns gemütlich gemacht. Und auch Rodolphe wurden wir so schnell nicht los. Nach einer erstaunlich ruhigen Nachtfahrt trafen wir ihn am Grenzübergang wieder. Hier begann der Warte- und Kontrollmarathon. Bei der Ausreise wurde jedes einzelne Gepäckstück kontrolliert. Dazu mussten wir uns zusammen mit der ganzen Busbelegschaft in einem Raum im Kreis aufstellen und wurden wie eine Schulklasse namentlich aufgerufen, während ein Spürhund unser Gepäck beschnüffelte. Dann ging es zur Einreise auf die costa-ricanische Seite und nach drei Stunden hatten wir es dann endlich geschafft und konnten unsere Fahrt fortsetzen. Eigentlich hatten wir uns vorgenommen, eine Nacht in der Hauptstadt zu bleiben. Als wir aber bei der Ankunft das Regenwetter sahen, entschieden wir uns spontan um und fuhren direkt weiter an die Pazifikküste nach Jacó. Hier herrschte reger Urlaubstrubel und wir ließen uns von der entspannten Stimmung anstecken und haben abgesehen von Strand- und drei täglichen Supermarktbesuchen nichts Nennenswertes unternommen. Pura Vida also ganz getreu dem Lebensmotto der Costa Ricaner, die  diesen Ausdruck in allen Lebenslagen anbringen. Leider haben wir schon wieder einen Verlust zu beklagen. Nach einer Partynacht mit Lucia aus Costa Rica, in der wir auch endlich mal lernten, Bachata zu tanzen, musste Lena am nächsten Tag feststellen, dass ihr Handy gestohlen wurde.

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Also sind wir jetzt beide handylos und können uns ganz auf die wesentlichen Dinge des Lebens besinnen. Pura Vida 😉 Einziges Problem: wir wissen nie wie spät es ist 🙂

Um ein bisschen Gepäck erleichtert setzten wir die Reise auf die Nicoya-Halbinsel nach Santa Teresa fort. Hier bezogen wir ein Hostel am Rande des Dschungels und wurden in eine eigene Hütte upgegradet.

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Am nächsten Morgen wurden wir vom Geschrei der Brüllaffen geweckt. Unser erster Weg führte uns zum Arzt, denn Lenas Knie hatte sich nach einem Insektenstich entzündet. Das war der wohl kurioseste Arztbesuch, den wir beide je erlebt haben. Während sich Isabell im Warte-, Rezeptions- und Pflegeraufenthaltsraum einen Actionfilm auf Großbildleinwand ansah und vom Praxishund kritisch beäugt wurde, musste Lena im Behandlungszimmer zahlreiche Untersuchungen über sich ergehen lassen, die auf den ersten Blick nicht direkt etwas mit dem eigentlichen Problem zu tun hatten. Aber es ist ja auch mal schön, seine Größe und Gewicht noch einmal bestätigt zu bekommen und sicher zu sein, dass alle Vitalzeichen aktiv sind 🙂 Dabei erzählte der junge Arzt von seinem Studienplänen in Groningen. Im Plan inbegriffen war ein Partymonat in Amsterdam. Eine halbe Stunde später verkündete er die gute Nachricht, dass das Bein dranbleiben könne und mit einer saftigen Rechnung verließen wir die Praxis, Identitätswechsel inklusive. Der Arzt hatte auf der Rechnung versehentlich den Nachnamen mit dem Geburtsort verwechselt, was uns leider erst später auffiel. Daher mussten wir abends noch einmal zurückkehren und stießen auf drei Pfleger in Badebekleidung und den Arzt in Sportklamotten, da er gerade auf dem Sprung zum Fußball war. Zwischendrin bewunderten wir die Surfer und lagen unter Palmen am einsamen Strand.

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Da wir Rodolphe schon 5 Tage lang nicht mehr gesehen hatten, sollte unser  nächster Halt das Örtchen Samara sein, welches eigentlich nur ca. 400km nördlich von Santa Teresa an der Westküste der Halbinsel liegt. Leider sind die Straßen auf dieser Seite aber überhaupt nicht ausgebaut und es fährt kein direkter Bus, sodass wir erst einmal wieder mit zwei Bussen und der Fähre nach Puntarenas zurückfahren mussten und dann nach dreimal umsteigen und 14 Stunden später endlich an unserem Ziel ankamen. Gut, dass wir um 6 Uhr morgens losgefahren waren. In Samara holten Rodolphe und Cédric uns mit dem Pick-up ab und wir fuhren durch den Dschungel hinauf zu ihrem Haus. Hier lernten wir auch noch den Rest der Familie, bestehend aus der Mutter, dem Stiefvater, Cédrics Frau und den Geschwistern Christophe und Carole, kennen. Dann gab es das von uns lang ersehnte Abendessen und mit Wein und Wodka stießen wir auf Rodolphes Geburtstag am vorherigen Tag an. Zusammen mit einem weiteren Franzosen ging es später in eine Bar mit Livemusik, wo wir noch mehr Franzosen trafen, die in Samara lebten.

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Am nächsten Tag wollte Rodolphe uns unbedingt so viel vom Wildlife zeigen wie möglich. Und so hielten wir auf dem Weg zum Strand Ausschau nach Affen in den Bäumen, die aber wohl gerade ihre Siesta machten. Nachmittags wollten wir eigentlich noch kleinen Schildkröten beim Schlüpfen zusehen, jedoch war die Zeit noch nicht reif. Und auch das Krokodil, das einen Tümpel an einem der 10 schönsten Strände der Welt bewohnte, ließ sich nicht blicken. Dafür waren wie Affen auf dem Rückweg wohl aber aus ihrem Schlaf erwacht und eine ganze Herde kletterte vor uns über ein Stromkabel über die Straße. Bei einer Partie UNO auf der Terrasse, die kurzzeitig von einer Skorpionsspinne und einem Skorpion gestört wurde, ließen wir den Abend ausklingen, denn früh am nächsten Morgen wollten wir uns auf den Weg nach Nicaragua machen.

Den ersten Wegabschnitt legten wir trampend zurück und mussten dann nur noch zwei weitere Busse bis zur Grenze nehmen. An der Grenze angekommen, wussten wir dann nicht so recht, wo wir hinmussten. Nach einer Gesundheitskontrolle, die aus einem tiefen Blick in die Augen bestand, konnten wir uns dann in die Schlange vor den Einreiseschaltern stellen. Die rückte so langsam vor, dass wir uns fragten, ob da vorne überhaupt Grenzbeamte saßen. Als wir endlich an der Reihe waren, durfte Lena leider nicht die Grenze passieren, weil sich die Einreisegebühr wohl angehoben hatte und wir nicht genug Dollars hatten. Ein 10-Euro-Schein wurde leider nicht akzeptiert und so saß Isabell mit dem Gepäck schon in Nicaragua, während Lena noch einen Geldautomaten suchte. Zum Glück konnten wir dann doch beide rein und fuhren mit dem Chickenbus bis zu einer Kreuzung, an der wir in ein Taxi nach San Juan del Sur umstiegen. Wir freuten uns schon, in zehn Minuten endlich anzukommen, aber aus bisher ungeklärten Gründe blockierte eine singende Parade die Straße vor uns, hinter der wir eine halbe Stunde lang herfahren mussten. Wenigstens hatten wir so Zeit, uns die schönen Liedtexte über die Liebe in Nicaragua anzuhören.

Morgen wollen wir dann zum legendären Sunday Funday, bevor wir uns  Montag auf den Weg zur Insel Ometepe machen. Ciao, pura vida!

PS: Nach den vielen französischen Einflüssen in den letzten Tagen und dem generell schon vorhandenen Mix aus deutsch, englisch und spanisch sind wir nun vollkommen im Sprachenwirrwarr gefangen und haben unsere ganz eigene Form der Kommunikation. Aber Hauptsache, wir verstehen uns 🙂 Eine typische Unterhaltung läuft in etwa so ab:

I: Wollen wir gleich noch mal zur tienda gehen?

L: Ja, wir brauchen auf jeden Fall noch agua und eggs wären ja auch ganz nice.

I: Dann müssen wir noch beim ATM vorbei, da unten am playa ist doch einer.

L: Ok, on y va!

What shall we do with the crazy Italian sailor? – Mit Mr Bean auf hoher See

Falsch zugeordnetes Zitat: „La curva mas hermosa de una mujer es su sonrisa!“ – Dieter Bohlen

Die letzten Tage in Kolumbien verbrachten wir an der Nordküste in Taganga und im Tayrona Nationalpark, wo wir zum ersten Mal wunderschöne Karibikstrände vorfanden.

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Nach einer Wanderung durch den tropischen Parque Nacional erreichten wir das Zeltdorf Cabo San Juan mit dazugehörigem Traumstrand und werden seitdem unseren Pixie-Ohrwurm nicht mehr los („we were swimming in the Caribbean“). Eine Nacht im Sauna-Zelt war dann aber auch genug und wir freuten uns wieder in die Casa Villa Mary mit Familienanschluss inklusive sprechendem und miauendem Papageien zurückzukehren. Von da aus ging es dann in die Küstenstadt Cartagena.

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Eigentlich hatten wir geplant von dort mit der Fähre nach Panama überzusetzen, weil die Landgrenze zwischen Kolumbien und Panama aufgrund der bürgerkriegsähnlichen Zustände und Guerillaaktivitäten nicht überquerbar ist. Leider stellten wir kurzfristig fest, dass die Fähre in der Regenzeit nicht verkehrt und so hatten wir drei Optionen: Mit der Machete durch den Dschungel (Darién Gap), schwimmen oder eine Fahrt im Segelboot inklusive Stopp auf den karibischen San Blas Inseln. Der Sicherheit wegen entschieden wir uns für Letzteres, obwohl diese Fahrt unser Budget ein wenig sprengte. Unsere drei Tage in der wunderschönen Kolonialstadt verbrachten wir daher nicht mit Sightseeing, sondern mit Reiseorganisation. Dazu gehörten Hafensuche, Preisverhandlungen auf Spanisch (wir bekamen einen Discount von 100$), Dollarsuche in 10 verschiedenen Banken und das alles bei 40 Grad im Schatten. Die gelassene karibische Mentalität (tranquilo) erleichterte das nicht gerade und alles dauerte ewig. Schließlich hatten wir alles erledigt und Freitagnachmittag sollten wir endlich in See stechen. Pünktlich um fünf Uhr fanden wir uns am Club Nautico ein und konnten unsere Mitreisenden kennenlernen. Introducing: Antonio (60), der Quotenbaske, der seit 38 Jahren in Australien lebt und über wirklich alles Bescheid weiß und alles kann, wir nennen ihn auch Indiana Jones, er sieht außerdem aus wie eine Mischung aus Dustin Hoffmann und Udo Jürgens; seine Frau Sue mit chinesischen Wurzeln, die entweder schlief, aufräumte oder lachte oder alles drei zugleich; der Franzose Rodolphe (39), im Herzen aber so alt wie wir, mit Segelerfahrung, da er aufgrund seiner Flugangst aus Frankreich mit dem Schiff nach Kolumbien gereist ist und last but not least der zweite Franzose im Bunde, Thibault (25) die Frohnatur, die ständig einen englischen Song mit französischem Kauderwelsch auf den Lippen hatte. Natürlich wollen wir auch die Crew des Segelbootes mit dem wunderschönen Namen „Rendez-vous“ nicht vergessen: da wäre zum einen der italienische Kapitän Fabio, der aussah wie Mr Bean und mit seiner wehleidigen und gestressten Art nicht gerade eine Wohlfühlatmosphäre kreierte und der venezuelanische Wannabe-Matrose Osberto, der in letzter Sekunde für einen anderen Matrosen mit Passproblemen einsprang.

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Wir hatten uns schon auf ein leckeres Abendbrot an Bord mit Weißweinschorle und frischem Fisch gefreut und rechneten damit, um ca. sieben Uhr die Anker zu lichten. Das hatte Fabio allerdings anders geplant. Er eröffnete uns, dass das Essen heute leider noch nicht im Preis inbegriffen war und wir erst um etwa 2 Uhr nachts losfahren sollten, weil er vor der anstrengenden Fahrt noch einmal ausgiebig schlafen wollte. Da er die Hafengebühr für Passagiere nicht bezahlt hatte, wurden wir mit dem Schlauchboot zu einem anderen Anleger geschifft, machten uns mit den Franzosen auf den Weg zur Altstadt und gönnten uns vor der Abfahrt nochmal eine riesige Pizza. Da wussten wir noch nicht, dass wir davon einige Zeit zehren mussten. Auf dem Rückweg zum Boot machten wir noch einen Stopp am Plaza de Trinidad, wo gerade ein offenes Zumbatraining im Gange war, bei dem tausende Menschen mit einem Bier in der Hand zuschauten. Kurz vor dem Anleger kreuzte noch eine Sambaparade unseren Weg und spätestens jetzt konnten wir Kolumbien endgültig als das verrückteste Land Südamerikas einstufen 🙂 Mucho gusto!
An Bord fielen wir erschöpft in unsere Kojen. Es war so heiß, dass die Nacht einem Saunabesuch glich und Isabell sogar von Schneestürmen träumen musste, um sich mental etwas Abkühlung zu verschaffen. Als Fabio endlich um 4(!) Uhr morgens den Motor startete, freuten wir uns über die kühle Brise, die durch die kleinen Fenster zu uns hineinwehte. Dafür schaukelten wir nun hin und her, schafften es aber dennoch irgendwie bis 8 Uhr mehr oder weniger zu schlafen. Einer nach dem anderen quälten wir uns schließlich an Deck und wurden dabei ordentlich durchgeschüttelt. Komischerweise wollte sich bei niemandem so richtig Appetit einstellen und alle nahmen dankend und mit fahlen Gesichtern die Salzcracker entgegen, die Fabio mit säuerlicher Miene herumreichte. Er war nicht gerade gut gelaunt, denn aufgrund des Gegenwindes musste er die ganze Zeit mit dem Motor nachhelfen und verbrauchte daher unverhofft viel Sprit. Dann wurde es sehr still, denn alle waren damit beschäftigt auf den Horizont zu starren, um den Mageninhalt nicht direkt wieder ins Meer zu entleeren. Selbst Antonio, der zuvor noch über die deutsche Wirtschaft philosophiert hatte, wurde auf einmal ruhig und begab sich auf einen Platz an der Schiffsseite, wo Thibault bereits für Fischfutter in Form von verflüssigten Crackern gesorgt hatte. Der Matrose Osberto schaffte es sogar nicht einmal, von seinem Platz auf der Küchenbank aufzustehen und verbrachte dort den Rest des Tages. Wir anderen hatten uns schließlich mehr oder weniger gesammelt und vertrieben uns die Zeit mit Musikhören. In der Ferne sahen wir immer wieder fliegende Fische über das Wasser hüpfen und irgendwann landete sogar einer bei uns auf dem Boot. Hin und wieder wurde uns von Fabio ein Gespräch in einem Italienisch-Spanisch-Mix aufgezwungen. Die Quintessenz: verliebe dich niemals in einen Kapitän, denn so einen freier Geist kann selbst die spannendste Frau nicht lange an Land halten.
Völlig geschafft vom Nichtstun schwankten wir abends zurück in unsere Kojen und allein die Hoffnung, am nächsten Morgen um zehn Uhr bei den San Blas Inseln anzukommen, trieb uns am darauffolgenden Tag aus dem Bett. Naiv wie wir sind, hatten wir natürlich die italienische Zeitrechnung nicht bedacht und so verbrachten wir noch einen Tag in horizontaler Position und mit Crackerdiät an Bord, bis wir schließlich abends die Inseln erreichten. Da die hereinbrechende Dunkelheit eine Weiterfahrt unmöglich machte, mussten wir umgeben von drei verlassenen Inseln den Anker lichten und hatten leider immer noch keinen festen Boden unter den Füßen. Da die persönliche Hygiene in den letzten zwei Tagen aufgrund des schwankenden Bootes und der spärlichen Facilitys etwas zu kurz gekommen war, war der Sprung vom Boot in warme karibische Meer ein wahrer Segen.

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Fabio beklagte sich währenddessen über den vielen „Sträääss“ (man beachte die italienische Aussprache) und ließ sich dann doch herab, uns aus Nudeln und Cream Cheese ein kulinarisches Highlight und damit das erste Mahl der Reise zu zaubern. Aber uns war spärliche Essen in diesem Moment relativ egal, denn wir hatten einfach Hunger auf etwas Substanzielles. Alle waren froh, als sich Fabio endlich ins Bett verabschiedete und so ließen wir den Abend bei einem Bier an Bord ausklingen und beobachteten die fluoreszierenden Fische, die um das Boot schwammen.
Am nächsten Morgen konnten wir endlich mal drei Meter geradeaus gehen ohne irgendwo gegenzuprallen und fanden uns zum Frühstücken an Deck ein. Dann stand die erste schwierige Entscheidung des Tages an: Eier oder Obst zum Frühstück? Aber was kann man für 450$ auch schon erwarten?! Im Schneckentempo näherten wir uns dann einer Insel, wobei Rodolphe die Navigation übernahm, da Osberto immer noch nicht einsatzfähig war und auf der Küchenbank schlief. Wenn das alles ist, was ein Matrose machen muss, wäre das auch noch eine Joboption für uns. Zum Glück hatten wir den erfahrenen Rodolphe an Bord, denn ohne seine Anweisungen wäre Fabio geradewegs ohne Rücksicht auf Verluste an einem Riff entlanggeschrammt. Während sich Osberto und Fabio eine eheähnliche Szene an Bord lieferten, sprang der „jüngere“ Teil der Besatzung (Ü 40 ;)) direkt ins Meer und wir schwammen die ca. 800 Meter hin zur Insel, wo wir uns an einem Bilderbuchstrand mit Palmen, weißem Sand und dem türkisistem Meer, das wir je gesehen haben, wiederfanden.

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Nach einer Stunde setzte dann endlich auch Fabio mit den Australiern im Schlauchboot über und gab uns in seinem freundlichsten Ton zu verstehen, dass wir erst einmal den Einheimischen vorstellen mussten, da ihnen die Insel gehörte. So standen wir dann als bunt zusammengewürfelter Haufen in Badebekleidung vor den ältlichen Inselbewohnern und wussten nicht so recht, was wir ihnen erzählen sollten.
Weiterer Plan für den Tag war ein „riesiges Barbecue“ (Zitat Fabio) am Strand. Deswegen fuhren Isabell, Rodolphe und Fabio zurück zum Boot, um alle Zutaten zu holen, wo Osberto in der Zwischenzeit das getan hatte, was er am besten konnte: gar nichts! Und so fragten sich die Zurückgebliebenen auf der Insel nach zwei langen Stunden, ob sie das Grillbüffet jemals zu Gesicht bekommen würden. Meanwhile on the boat: Szenen einer Ehe Teil 2. Während Isabell und Rodolphe an Bord endlich einmal „relaxen“ konnten und sich die einzige Cola teilten, stritt sich die Crewbesatzung in der Kombüse auf Italienisch bzw. Spanisch. Dann schafften sie es endlich wieder zurück an Land, aber Fabio musste unbedingt noch einmal zurück, um das Boot umzuparken und verbrachte gut eineinhalb Stunden mit dem genervten Antonio an Bord. Während es sich Osberto in einer Hängematte bequem machte, schnippelten alle anderen fleißig Gemüse und Thibault stellte sich als Grillmaster zur Verfügung.

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Es war schon nachmittags als wir endlich in den Genuss von trockenem Hühnchen, angebranntem Gemüse und halbgaren Kartoffeln kamen. Da hatte sich Fabio wahrlich nicht lumpen lassen, was er uns auch ständig auf die Nase band.
Nach einer kurzen Fotosession mit Osberto, der zum ersten Mal richtig aufblühte, schwammen wir beide schließlich noch einmal zurück zum Boot, um einmal in Ruhe den Kühlschrankinhalt inspizieren zu können.
Zurück auf der Insel schnorchelten wir noch kurz an den wunderschönen Riffen und erkundeten die Umgebung.

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Nachdem uns Fabio einen Hummer und Krebse präsentierte, die für das Abendessen gedacht waren, machte er sich zusammen mit den Jungs und Osberto auf zum Boot, um diese zuzubereiten. Zusammen mit den Australiern erwarteten wir gespannt ihre Rückkehr und langsam wurde es dunkel. Zum Glück kamen dann die Indiana-Jones-Qualitäten von Antonio zum Einsatz und er entfachte aus den von uns gesammelten Holzscheiten und trockenen Palmenblättern ein richtiges Lagerfeuer. Dies schien Fabio wohl dazu zu animieren, nach drei geschlagenen Stunden zur Insel zurückzukehren, wo wir ihn eher mäßig gelaunt in der Dunkelheit empfingen. Auch die Franzosen, die die ganze Zeit mit ihm auf dem Boot ausharren mussten, hatten die Nase gestrichen voll. Antonio ergriff schließlich die Initiative und zerteilte und verteilte die Hummer, wobei Fabio lautstark eingriff und einen ganzen Hummer für sich beanspruchte. Hier war der Kunde König! 😉 wir ließen es uns trotzdem schmecken zusammen mit dem trockenen Kokosreis und der Tomate. Wir hatten noch nicht ganz aufgegessen und fanden die Atmosphäre am Lagerfeuer gerade ziemlich gut, da stellte Fabio plötzlich fest, dass anscheinend ein Gewitter im Anzug war. Wir wollten unser Mahl jedoch noch kurz beenden, da schrie er auf einmal los und trieb uns zum Aufbruch an. Zusammen mit Sue wurden wir beide in Boot geschubst und in der Dunkelheit ohne Taschenlampe zum Schiff gebracht. Als alle wieder an Bord waren, war von einem Unwetter jedoch überhaupt nichts zu merken und Fabio war vom ganzen Sträääss völlig fertig. Resigniert begaben sich die Australier ins Bett und wir spielten bei Kerzenschein (die Franzosen sorgten mal wieder für romantische Stimmung ;)) das Kartenspiel Quims, das höchste Blickkontaktintensität erforderte. Leider setzte dann drei Stunden später der Regen ein und wir mussten das Spiel abbrechen, da Osberto mal wieder die Küchenbank beanspruchte.
Und dann brach auch schon der letzte Tag auf der Rendezvous an.

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Uns allen ging es auf hoher See heute relativ gut, jedoch waren die Vorräte dank der guten Planung erschöpft und wir mal wieder auf Crackerdiät. Da uns auch nichts angeboten wurde, bedienten wir uns unter den missfälligen Blicken von Fabio selbst und schmissen noch einmal eine Runde Joghurt. Am späten Nachmittag erreichten wir endlich unseren Zielhafen Portobelo. Hier schüttete es wie aus Eimern und wir mussten doch noch etwas länger als gehofft im stickigen Innenbereich des Bootes verbringen. Rodolphe plünderte erst einmal den letzten Biervorrat und die versteckte Schokolade von Fabio und so wurde es noch fast gemütlich. Plötzlich müsste es mal wieder schnell gehen und wir wurden im strömenden Regen auf ein Boot verfrachtet.

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Leider fand Isabells Handy die Feuchtigkeit nicht ganz so gut und streikt bis heute. In unserer etwas klammen Unterkunft (natürlich recommended by Fabio) schaukelte es glücklicherweise nicht mehr und so konnten wir bis 7 Uhr morgens ausschlafen, um dann mit der ganzen Gruppe um 8 Uhr nach Colon zu fahren, wo angeblich schon unsere Pässe mit Visum auf uns warten sollten. Alle fanden sich pünktlich um 8 am vereinbarten Treffpunkt ein, nur Fabio schlenderte 20 Minuten später die Straße herunter. Im Party-Chickenbus ging es in die etwas heruntergekommene Hafenstadt Colon. Hier kamen wir in den Genuss von einer insgesamt fünfstündigen Wartezeit am dreckigen Terminal, denn angeblich gab es Visaprobleme. Das war besonders für die Australier eine Zumutung, die schon von der Fahrt sehr erschöpft waren. Wir vertrieben uns die Zeit mit unserem Lieblingskartenspiel und wurden von den Australiern mit allerhand Obst verköstigt.

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So viel hatten wir schon lange nicht mehr gegessen. Endlich traf der Mittelsmann mit den Pässen ein, die wir ihm förmlich aus den Händen rissen. Wir und Thibault hatten jedoch jeweils 25 $ Dollar für ein verlängertes Visum bezahlt, unser Passstempel sah jedoch genauso aus wie der der anderen. Da platzte uns der Kragen und wir forderten lautstark unser Geld zurück, das sich Fabio wohl in seine eigene Tasche stecken wollte, da auch der Mittelsmann nichts von einem verlängerten Visum wusste. Wir bekamen, was wir wollten, und Fabio rauschte ohne sich zu verabschieden ab. Endlich konnten wir uns auf den Weg nach Panama City machen. Hier hatten wir das erste Mal wieder Internet und mussten nach einem Blick auf die Seite des Auswärtigen Amts feststellen, dass wir aufgrund der Einreise per Schiff nur 72 Stunden in Panama bleiben durften und sonst 100$ bezahlen müssten. Also schmissen wir zum 100. Mal unsere Pläne über Bord und entschieden uns zusammen mit Rodolphe am nächsten Tag abends direkt nach Costa Rica zu fahren. Rodolphe wollte dort seinen Bruder besuchen und seine ganze Familie wird ihn zu seinem Geburtstag am 14. Juli hier treffen. Leider wusste er nicht, dass man nach einem Besuch in Kolumbien für die Einreise in Costa Rica eine gültige Gelbfieberimpfung benötigt. Das setzte dem ganzen die Krone auf und das Bachblütenspray zur Beruhigung musste zum x-ten Mal an diesem Tag herhalten. Das war nicht unser Tag und zusammen ließen wir den Abend im Hostel bei Pasta und Wein ausklingen und konnten mal so richtig „reeläääxen“.
Sollte irgendjemand in Erwägung ziehen, den Segeltrip nach Panama über die San Blas Inseln zu machen, können wir dies auf jeden Fall empfehlen. Die Inseln sind wirklich traumhaft und es ist mal eine ganz andere Art der Fortbewegung. Aber tut euch selbst den Gefallen und fahrt nicht bei Fabio mit!!! 🙂

In the jungle oder: 4 Tage nass

Vorangestelltes Zitat: “The best and worst thing we’ve ever done.” Isabellena 😉

Montagmorgens machten wir uns endlich auf zu unserem Dschungelabenteuer. Früh morgens ging es mit dem Jeep und zusammen mit unserem Führer Jhon, seinem elfjährigen Zögling Louis und den anderen Gruppenmitgliedern – Danny aus Vancouver, Rumi aus Amsterdam und Roisin und David aus London – in Richtung des Tayrona Nationalparks. Hier sollten wir 4 Tage lang durch die Wildnis laufen, um die Verlorene Stadt (Ciudad Perdida) mitten im Tropenwald zu finden. Voller Elan brachen wir nach dem Mittagessen in El Mamey auf. Aktuelle Ortstemperatur: 30 Grad, Luftfeuchtigkeit : 80 %! Kein Wunder, dass uns nach 100 Metern bereits der Schweiß herunterlief. Und das sollte sich auch in den nächsten Tagen nicht ändern, vor allem weil unser Guide Jhon im Joggingtempo bergauf und bergab voranschritt. Da kam der erste Stopp an einer natürlichen Badestelle im Fluss nach einer Stunde strammen Laufens mit kurzzeitigen Unterbrechungen durch Erklärungen zur Flora und Fauna sehr gelegen. Von einem Felsen stürzten wir uns ins kühle Nass, einige sogar komplett bekleidet, da sowieso schon alles nassgeschwitzt war.

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Dann ging es aber erst so richtig los. Wir liefen eine Stunde lang steil bergauf. Immer wieder überholten uns Pferdekolonnen, die mit Vorräten bepackt von Camp zu Camp trabten. Zum Glück entdeckte Jhon am Wegesrand irgendwann eine Ananas, die er mit seiner Machete zerteilte. Das bescherte uns eine willkommene Pause mit leckerer Erfrischung. Da Jhon nur Spanisch sprach, stellte sich Danny freundlicherweise als Übersetzer zur Verfügung. Weil er vorher ein halbes Jahr im ecuadorianischen Amazonasgebiet verbracht hatte, kannte er sich mit den spanischen Pflanzen- und Tiernamen bestens aus und wir erhielten alle wichtigen Infos.  Dann hatten wir den für diesen Tag höchsten Punkt erreicht uns machten an einer Tienda Halt, die von drei Soldaten bewacht wurde. Es gab Kaffee und Wassermelone und das hauseigene Wildschwein Luna musste für viele Fotos herhalten.

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Nun hatten wir die Grenze zum Reservat der indigenen Bevölkerung erreicht. Dieses Gebiet wird von 4 verschiedenen Stämmen bewohnt, die kaum in Kontakt mit der „zivilisierten Welt“ stehen. Sie haben in Kolumbien eine Sonderstellung inne und verfügen über ihre eigenen Gesetze und Stammesregeln. Jhon erklärte uns, dass ein Großteil des Gebiets um das Reservat herum bis 2004 von Cocaplantagen bedeckt war. Coca ist das Ausgangsprodukt zur Herstellung von Kokain. Der Dschungel eignete sich außerdem hervorragend als Versteck für Laboratorien, die unter paramilitärischer Kontrolle standen. 2004 wurden die Pflanzen dann mit US-amerikanischer Unterstützung zunächst vergiftet und dann abgeholzt. Der Anbau von Coca ist nun nur noch der indigenen Bevölkerung gestattet, die es als eine Heilpflanze ansehen. Die Pflanze ist zudem ein wichtiger Teil von kulturellen Ritualen und wird von den Männern täglich konsumiert. Außerdem dient sie den Schamanen zur Herstellung von verschiedenen Heilmitteln. Um das unübersichtliche Gebiet zu überwachen, sind an verschiedenen Punkten Soldaten stationiert.

Dann ging es zur Abwechslung mal bergab und nach insgesamt vier Stunden erreichten wir das Camp Nummer 1, wo wir die Nacht verbrachten. Hier trafen wir zum ersten Mal auf Mitglieder der indigenen Bevölkerung mit ihren traditionellen weißen Gewändern. Jungen und Mädchen kann man bis zum 14. Lebensjahr nur an der Kette (Mädchen) und der Tasche (Jungen) unterscheiden. Es dämmerte bereits, als wir uns in einem natürlichen Pool erfrischen konnten. Nach einem leckeren Abendessen und einer Runde des weltweit bekannten holländischen Kartenspiels „Ezel“ fielen uns um 21 Uhr schon fast die Augen zu. Jhon gab uns noch ein paar nützliche Tipps für die Nacht. Für den Weg zur Toilette sollte man auf jeden Fall eine Taschenlampe mitnehmen, um Schlangen, Spinnen und Skorpionen aus dem Weg zu gehen. Besonders den Londoner Businessmann David versetzte das in eine leichte Unruhe. Er sehnte sich wahrscheinlich schon nach 1 Stunde Wanderung in sein 5-Sterne-Hotel zurück, denn er war nur aufgrund der Überredungskünste seiner Freundin mit auf die Tour gekommen. Unglücklicherweise hatte er auch noch ein Bett ganz außen erwischt und leuchtete es panisch mehrere Male ab, bevor er sich unter das Mückennetz legte.

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Am nächsten Tag klingelte der Wecker bereits um 5.30 Uhr. In der Morgendämmerung machten wir uns kurz fertig und frühstückten, bevor es dann wieder ans Maschieren ging. Zunächst ging es ein Stück am Fluss entlang und wir kletterten über nasse Steine und Baumwurzeln bis hin zu einem indigenen Dorf, das aus 10 runden Hütten bestand. Am Wegesrand wartete schon ein kleiner Junge mit einem Baby und beäugte uns kritisch. In diesem Kulturkreis ist es nicht unüblich, dass Fünfjährige auf ihre kleinen Geschwister aufpassen und der Kleine war außerdem schon sehr geschäftstüchtig. Als Jhon ihn fragte, ob wir ein Foto von den beiden machen dürften, verlangte er als Gegenleistung Süßigkeiten, gab sich dann aber auch mit einem Cracker zufrieden.

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Pünktlich zum Mittagessen erreichten wir Camp 2 und hatten dann noch Zeit, uns im Fluss zu erfrischen. Den ganzen Vormittag hatten wir uns schon vor der nun bevorstehenden Wegstrecke gefürchtet, aber jetzt gab es kein Zurück mehr. 1,5 Stunden lang kraxelten wir bis zum höchsten Punkt des Weges auf 860 Metern.

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Und dann fing es auch noch an zu Regnen. Wir sprechen hier nicht von Nieselregen, sondern von einem riesigen Gewitter mit allem Drum und Dran. Da machte der Regenwald seinem Namen alle Ehre. Und so schlidderten wir die matschigen Wege herunter, hielten uns an Felsvorsprüngen und Lianen fest und bemitleideten die uns entgegenkommenden Gruppen, die irgendwie die matschigen Berge bezwingen mussten. Aber irgendwie machte uns der Regen auch nichts aus, denn es war eine gute Abkühlung und wir waren sowieso schon komplett nass vom Schwitzen. Dann mussten wir auch noch zweimal durch den Fluss waten, natürlich mit Schuhen, um besseren Halt zu haben. Nach einer weiteren halben Stunden Schlitterpartie erreichten wir dann endlich unser Nachtlager und stärkten uns mit Kaffee und Popcorn.

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Nach dem Abendessen bei Kerzenschein erzählte uns Jhon noch viele interessante Facts über die indigenen Stämme. Etwa im Alter von 14 Jahren werden Jungen und Mädchen mit ca. 20 Jahre älteren Partnern verheiratet. Dadurch entsteht ein Lehrer-Schüler-Verhältnis und alle wichtigen Traditionen und Praktiken werden so weitergegeben. Ist der ältere Partner dann ca. 50 Jahre alt, kann sich der jüngere Partner dann mit einem Jugendlichen nochmals vermählen.

Und dann war es so weit: am dritten Tag erklommen wir nach einer weiteren Flussüberquerung die 1200 Stufen zur Ciudad Perdida.

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Diese wurde 1973 zufälligerweise von einem Jäger aus El Mamey wiederentdeckt, nachdem sie von der indigenen Bevölkerung nach Ankunft der Spanier verlassen wurde. Er fand dort viele Goldschätze und behielt das Geheimnis zunächst für sich. Seine Mitbürger wurden jedoch misstrauisch als er plötzlich sehr viel Geld für Ländereien, Häuser und Prostituierte ausgab und folgten ihm in den Dschungel. So wurde die Stadt auch von den anderen Bürgern von El Mamey entdeckt und ausgeplündert.

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Bei strahlendem Sonnenschein konnten wir die Ruinen begutachten und viele Fotos schießen, bevor es dann zum Mittagessen wieder an den Abstieg ging. Nun hatten wir mehr als die Hälfte des Weges zurückgelegt und traten den Rückweg an, der jedoch nicht weniger anstrengend war. Unsere Muskeln schmerzten vom vielen Wandern und zudem mussten wir uns permanent auf den steinigen und glitschigen Weg konzentrieren, den wir mal wieder im Laufschritt bezwangen.

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Am vierten Tag waren wir schon total im Laufmodus und die ganze Welt schien nur aus diesem Weg mitten im Dschungel zu bestehen. Tausende Mückenstiche später und mit einem Rucksack voller feuchter und durchgeschwitzter Klamotten erreichten wir mit letzter Kraft schließlich wieder den Ausgangspunkt El Mamey. Noch nie hatten wir uns mehr über eine staubige Straße mit ein paar Häusern gefreut. Zur Belohnung erhielten wir ein dickes Mittagessen mit einem riesigen gegrillten Fisch und anderen kolumbianischen Spezialitäten. Bei 30 Grad quetschten wir uns dann zu zehnt in einen Jeep, der uns wieder nach Santa Marta brachte. Endlich konnten wir duschen und waren dann einmal für mehr als 10 Minuten sauber und trocken! Die kleinen Freuden des Lebens.

Die ganze Expedition war wirklich eine tolle Erfahrung und wir haben wirklich mehr geschafft als wir je gedacht hätten. Der Weg ist zum Teil wirklich anstrengend, aber noch weitestgehend unbekannt und deshalb nicht so überlaufen wie beispielsweise der Inkatrail zum Machu Picchu. Dank unseres kundigen Führers Jhon haben wir wirklich viel gelernt und viele Tiere (Tukane, Kolibris, Giftfrösche, Schlangen, Krebse, Papageien, Geier usw.) und heimische Früchte (Ananas, Papaya, Guanaba, Bananen, Melonen, Avocados, Orangen, Guama usw. ) entdeckt.

Nach vier Tagen in der Wildnis traf uns hier fast der Schlag. Wir mussten uns durch die vollgestopften Straßen bis zum Supermarkt durchdrängeln, in dem anscheinend gerade jede einzelne Familie aus Santa Marta ihren Großeinkauf erledigte. Jetzt entspannen wir erst einmal einen Tag unsere Muskeln, bevor wir dann in den Tayrona Nationalpark aufbrechen. Heute Abend findet übrigens ein legendäres Match statt. Kolumbien spielt im Copa América gegen Argentinien und alle drehen jetzt schon völlig durch (es ist mittags)! Wir hoffen auf einen kolumbianischen Sieg und eine rauschende Siegesfiesta 🙂 In diesem Sinne: Viva Columbia!!

Fly on the wings of life

Nach einem kurzen Aufenthalt in Cali, der Hauptstadt des Salsa, ging es weiter Richtung Bogotá. Schon die Klimaanlage im Bus gab uns einen Vorgeschmack auf die Kälte, die uns dort erwarten sollte. Aus den fast tropischen Gefilden fuhren wir mal wieder steil bergauf bis auf 3000 Meter Höhe und mussten im Hostel angekommen erst einmal wieder unsere Alpakasachen aus den Tiefen des Rucksacks hervorkramen. Dick eingepackt erkundeten wir das historische Viertel La Candelaria. Abends stürzten wir uns dann in das überraschend elektronische Nachtleben, nicht ohne zwischendurch dem Taxi Anfahrhilfe zu geben. Zu viert schoben wir das Taxi durch die belebten Straßen Bogotás.

Am nächsten Tag machten wir uns auf zum Cerro Montserrate. Auf dem Weg dorthin fanden wir uns plötzlich mitten in einem Volksfest in einem Meer von gelben Trikots wieder. Zum einen wegen eines Feiertages, zum anderen weil Kolumbien nachmittags aufgrund des Copa Americas auf dem Fußballplatz stand. Hier wurde so richtig was geboten, z.B. ein Meerschweinchenrennen (total spannend 😉 wir wissen leider nicht, ob der Verlierer dann später auf dem Grill gelandet ist).

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Nachdem wir uns mit einer kolumbianischen Spezialität – Milchreis mit Rosinen und Käse – gestärkt hatten, ging es mal wieder mit dem Teleférico auf den Hügel, von dem aus man einen guten Ausblick auf die riesige Stadt hatte.

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Ein wirkliches Highlight in Bogotá war die Graffititour durch das Viertel La Candelaria. Unsere deutsche Tourführerin erzählte uns viele interessante Facts über die verschiedenen Künstler und ihre Messages. Die Graffitikunst wird oft dazu genutzt, um politische Statements zu machen und auf die Probleme der ärmeren und/oder indigenen Bevölkerung und sonstige Missstände aufmerksam zu machen. In dem Land, in dem heute noch ein Bürgerkrieg herrscht, gibt es die höchste Anzahl von Menschen, die von ihrem Grund und Boden vertrieben wurden und alles verloren haben. Auch in Kolumbien sind Graffitis zwar illegal, aber die Strafen sind so gering, dass es die Künstler nicht davon abhält. Oft gibt es aber auch Abmachungen zwischen den Hausbesitzern und Künstlern. Sogar das älteste Gebäude Bogotás ist voller Wandmalereien – an einem deutschen Fachwerkhaus undenkbar! Während der Tour gab es plötzlich einen Tumult. Die Amerikaner unter uns hatten Michael Rooker erkannt, einen Schauspieler, u.a. bekannt aus The Walking Dead und Guardians of the Galaxy. Leider stand er uns für ein Foto nicht zur Verfügung 😦

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Abends stiegen wir dann mal wieder in den Bus – diesmal nach Medellin. Ende der 80er galt Medellin als die gefährlichste Stadt der Welt, die von Drogenkartellen und dem Drogenbaron Pablo Escobar beherrscht wurde. Heute ist die Stadt ziemlich sicher und modern. Um mehr über Pablo Escobar zu erfahren, kann man eine Tour buchen, die einen zu den einschlägigen Orten aus damaliger Zeit führt und mit Roberto Escobar, seinem Bruder, bei einem Kaffee über die Familie plaudern. Leider verbockte unser Hostel die Buchung und wir konnten die Tour nicht machen. Trotzdem haben wir einiges über den berühmt-berüchtigten Menschen erfahren, der 1000e Leben auf dem Gewissen hat. Unweit von Medellin hatte er beispielsweise eine Hacienda, die heute noch besteht. Auf dem Gelände leben u.a. einige Nilpferde, die er aus Afrika importiert hat. Um seinen Privatzoo zu vergrößern hat er auch Zebras, Krokodile usw. einführen lassen, die natürlich vom Zoll beschlagnahmt und in Quarantäne und schließlich in den städtischen Zoo verfrachtet wurden. Aber er war nicht umsonst der einflussreichste Mensch in Kolumbien und hat in einer Nacht- und Nebelaktion seine Zebras befreit und gegen angemalte Esel ausgetauscht.

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Dann verlangte unser Adrenalinspiegel mal wieder nach einem Kick. Bevor wir uns abends auf den Weg an die Karibikküste machten, wollten wir noch über den Hügeln Medellins paragliden. Schon früh fuhren wir mit dem Bus hoch in die Berge, aber bei unserer Ankunft machte uns der Wind einen Strich durch die Rechnung. Nachmittags um 16 Uhr sollte es allerdings möglich sein. Deswegen mussten wir die Zeit in dem kleinen Örtchen San Pedro de los Milagros totschlagen, die Hauptstadt der Milch. Klingt spannend oder? Nach 10 Minuten hatten wir den Ort abgelaufen und ließen uns dann ganz viel Zeit beim Essen. Seit Bolivien ernähren wir uns von den günstigen Mittagsmenüs, die meistens um die zwei Euro kosten und eine Suppe, ein Hauptgericht und ein Getränk umfassen. Genau richtig, wenn man mit wenig Geld reisen muss. Es ist immer wieder eine Überraschung, was auf dem Teller landet, aber die Almuerzo-Suche hat ihren festen Platz im Tagesablauf. Ein Whiteboard am Imbiss gibt immer einen ersten Hinweis. So haben wir wahrscheinlich schon sehr viele nationale Spezialitäten kennengelernt.

Um 15 Uhr sollten wir noch einmal beim Aeroclub anrufen, um die Wetterlage zu erfragen. Da es keine funktionierenden öffentlichen Telefonzellen gibt, stehen überall fleißige Geschäftsmänner, die an ihren Ständen Handys mit Schnüren befestigt haben, von denen aus man gegen eine kleine Gebühr telefonieren kann. Wir hatten Glück, der Wind hatte sich etwas gelegt und pünktlich um 16 Uhr starteten wir unseren Flug. Beide gleichzeitig hoben wir mit unseren Piloten ab. Ein total coole Erfahrung, die echt unwirklich scheint. Wie in einer Schaukel sitzt man gemütlich mitten in der Luft und gleitet über die Hügel. Man hat einen wirklich traumhaften Ausblick auf Medellin und die tolle Landschaft drumherum. Nach einigen halsbrecherischen Manövern war der Flug aber dann leider viel zu schnell vorbei und wir setzten zur Landung an.

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Dann hetzten wir durch den Feierabendverkehr zurück zum Hostel, um von dort aus ein Taxi mit all unseren Sachen zum Nordterminal zu nehmen. Mal wieder stand eine Nachtfahrt an – nach Santa Marta an der Nordküste Kolumbiens. Am nächsten Morgen wurden wir unsanft geweckt als ein Soldat alle Insassen aufforderte, aus dem Bus auszusteigen. Schwer bewaffnet kontrollierten sie alle Männer und auch wir als einzige Gringas mussten unsere Taschen vor den erstaunlich netten Soldaten leeren. Dabei wurde kurz Konversation betrieben und interessiert der Pass durchgeblättert. Vor allem das auffällige Indienvisum mit verzerrtem Foto erheiterte die Gemüter. Der/die/das Gesuchte war nicht dabei und so konnten wir die Fahrt fortsetzen.

In Santa Marta angekommen gab es erst einmal wieder ein Almuerzo. Schwitzend saßen wir unter dem Ventilator in einem Imbiss und trauten unseren Augen nicht. Ein etwas abgewrackt aussehender Mann spazierte in das Restaurant. Auf seinen Fingern saß ein Wellensittich, der diese schon halb zerhackt hatte. Er trat an die verschiedenen Tische und bot den Wellensittich zum Kauf an. Drei Tische weiter wurde der Deal dann auch wirklich abgewickelt. Die zufriedene Kundin erhielt den Wellensittich in eine Papiertüte verpackt. Wirklich verrückt,  diese Kolumbianer. Überhaupt fühlen wir uns hier wie in der südamerikanischen Version von Indien. In den engen Straßen reiht sich ein Stand an den nächsten und hupende Autos nutzen jede verfügbare Lücke.

Ab morgen verabschieden wir uns erstmal für 5 Tage aus der Zivilisation in den Dschungel auf der Suche nach der verlorenen Stadt. Das gibt vielleicht Stoff für einen Abenteuerroman. Hasta pronto!

It’s a hard knock life for us….

Das letzte Wochenende war, wie bereits erwaehnt, sehr arbeitsintensiv. Zumindest verbrachten wir viele Stunden hinter dem Tresen und warteten auf Kundschaft . Leider blieb der grosse Ansturm aus und wir hatten Zeit zum Fotos hochladen, Playlisten erstellen und DVDs gucken. Nach den zwei Tagen kannten wir dann auch jedes Youtubevideo, was wir schon immer einmal sehen wollten. Auch in Sachen Promis sind wir, dank Promiflash, jetzt auf dem neusten Stand. Wusstet ihr, dass der Hochzeitskuss von Kate und William 0,7 Sekunden gedauert hat?

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Der Hostelmanager Santiago dagegen setzte sich uebers Wochenende nach Montanita ab und ward nie wieder gesehen. Naja fast, Dienstag abend kam er dann doch auf Bitte von Don Simon hin wieder zurueck, um nach dem Rechten zu schauen. Letzterer war eigentlich der Hausmeister, musste dann aber an der Rezeption einspringen, weil Santiago es versaeumt hatte, einen Schichtplan fuer die naechste Woche zu erstellen. Nicht das einzige, was verkehrt lief. Jetzt wissen wir zumindest, wie man ein Hostel nicht fuehrt!

Montagmorgens konnten wir dann endlich wieder einen Fuss vor die Tuer setzen und machten uns auf den Weg nach Otavalo. Dort gibt es einen riesigen Markt mit regionalen Kunst- und Handwerksprodukten, also vor allem Taschen, Ohrringe und Klamotten. Gerne haetten wir uns einen riesigen bunten Wandteppich fuer das WG-Wohnzimmer mitgenommen, aber unsere Rucksaecke platzen jetzt schon aus allen Naehten.  Also begnuegten wir uns mit ein bisschen Kleinkram, was auch fuer das Budget das Beste war.

Um wieder etwas aktiv zu werden, stand am Dienstag die Besteigung des Cotopaxis, dem hoechsten aktiven Vulkan der Erde, auf dem Plan. Frueh morgens um sieben Uhr ging es mit unserem Tourguide Marco und dem junggebliebenen, amerikanischen Rentner David los. Nach einem Fruehstuecksstopp fuhren wir in den Nationalpark bis hin zu einem Parkplatz auf 4000m Hoehe. Von da aus ging es dann, in alle verfuegbaren Klamotten eingepackt und bei eisigem Wind, zu Fuss weiter nach oben. Im Schneckentempo kaempften wir uns den steilen Weg hoch bis zum Refuge auf 4800m Hoehe. Nicht ohne mehrmals stehen zu bleiben und die gigantische Aussicht auf den schneebedeckten Gipfel mit dem aufsteigenden Rauch zu geniessen. Und natuerlich auch um Luft zu schnappen, da das Atmen einem auf dieser Hoehe wirklich schwer faellt. Im Refuge machten wir eine kurze Pause und waehrend sich David schon auf den Rueckweg machten, wollten wir noch weiter hinauf. Dies ging auch gut bis 5200m, denn dann machte uns der schneebedeckte Weg einen Strich durch die Rechnung. Auf der eisigen Flaeche haetten wir wirklich gute Wanderschuhe und Bergsteigerausruestung gebraucht. Trotzdem ein wirklich beeindruckendes Erlebnis.

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Nachdem wir wieder am Parkplatz angekommen waren, fuhren wir mit dem Mountainbike das restliche Stueck downhill zu einem See. Wir haben jetzt noch Muskelkater vom Bremsen. Zwischendurch konnten wir am Rand Wildpferdeherden beobachten und angeblich waren auch zwei Kondore ueber uns unterwegs. Wir mussten uns jedoch so auf den Weg konzentrieren, dass  wir darauf leider nicht achten konnten.

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Auf der Rueckfahrt erheiterte uns der Guide Marco mit Fun Facts ueber Ecuador und sein Leben. Von ihm lernten wir, dass die vier groessten Wirtschaftszweige in Ecuador Oel, Bananen, Rosen und Tourismus sind. Der derzeitige, sozialistische Praesident hat vor allem den Tourismus promotet und das Geld aus dem Oelgeschaeft ins Land investiert. So wurde Ecuador innerhalb von acht Jahren zu einem der reichsten Staaten Suedamerikas. Auch Marco wuerde das Praesidentenamt sehr gut gefallen. Er sucht nur noch die perfekte First Lady. Wir haben dankend abgelehnt. Dennoch hat er sich auf unsere lange Warteliste schreiben lassen, denn er haelt uns fuer reiche Europaeerinnen. Da kann er lange warten! (;

Nach ca. 10 Tagen in Quito und 400 gesparten Euro fuehrte uns unser Weg weiter nach Kolumbien. Uns fiel der Abschied sehr schwer, denn Ecuador ist ein sehr vielseitiges Land und wir koennen jedem nur einen Besuch empfehlen. Vielleicht noch mit einem Abstecher zu den Galapagosinseln.

Unsere erste Station in Kolumbien sollte die Stadt Cali sein, die man von Quito aus in 16 Stunden erreichen kann. Wir jedoch brauchten 32 Stunden! Warum? Das fragen wir uns auch immer noch. Auf jeden Fall standen wir nachts mit dem Bus 6 Stunden lang auf einem verlassenen Parkplatz in den Bergen  und dachten uns nichts dabei. Am naechsten Tag ging es dann in einer kilometerlangen Lastwagen- und Busschlange im Stop and go ueber die Panamericana. Irgendwann konnten wir den Uebeltaeter ausmachen. Am Strassenrand stand ein ausgebrannter LKW und um ihn herum hunderte aufgeregte Polizisten und Soldaten.

Dies waere alles nicht so schlimm gewesen, haetten wir am Tag zuvor nicht einen Detox-Safttag eingelegt, so dass wir am naechsten Morgen wirklich Hunger hatten, unsere Essenstuete jedoch leider nur Kaese hergab. So waren wir auf die wohlwollenden Stopps des Busfahrers angewiesen, der leider nur zum Fruehstueck hielt.

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Um sieben Uhr abends hatten wir dann mehr als Appetit und waren froh endlich im Hostel angekommen zu sein.

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