Falsch zugeordnetes Zitat: „La curva mas hermosa de una mujer es su sonrisa!“ – Dieter Bohlen
Die letzten Tage in Kolumbien verbrachten wir an der Nordküste in Taganga und im Tayrona Nationalpark, wo wir zum ersten Mal wunderschöne Karibikstrände vorfanden.

Nach einer Wanderung durch den tropischen Parque Nacional erreichten wir das Zeltdorf Cabo San Juan mit dazugehörigem Traumstrand und werden seitdem unseren Pixie-Ohrwurm nicht mehr los („we were swimming in the Caribbean“). Eine Nacht im Sauna-Zelt war dann aber auch genug und wir freuten uns wieder in die Casa Villa Mary mit Familienanschluss inklusive sprechendem und miauendem Papageien zurückzukehren. Von da aus ging es dann in die Küstenstadt Cartagena.


Eigentlich hatten wir geplant von dort mit der Fähre nach Panama überzusetzen, weil die Landgrenze zwischen Kolumbien und Panama aufgrund der bürgerkriegsähnlichen Zustände und Guerillaaktivitäten nicht überquerbar ist. Leider stellten wir kurzfristig fest, dass die Fähre in der Regenzeit nicht verkehrt und so hatten wir drei Optionen: Mit der Machete durch den Dschungel (Darién Gap), schwimmen oder eine Fahrt im Segelboot inklusive Stopp auf den karibischen San Blas Inseln. Der Sicherheit wegen entschieden wir uns für Letzteres, obwohl diese Fahrt unser Budget ein wenig sprengte. Unsere drei Tage in der wunderschönen Kolonialstadt verbrachten wir daher nicht mit Sightseeing, sondern mit Reiseorganisation. Dazu gehörten Hafensuche, Preisverhandlungen auf Spanisch (wir bekamen einen Discount von 100$), Dollarsuche in 10 verschiedenen Banken und das alles bei 40 Grad im Schatten. Die gelassene karibische Mentalität (tranquilo) erleichterte das nicht gerade und alles dauerte ewig. Schließlich hatten wir alles erledigt und Freitagnachmittag sollten wir endlich in See stechen. Pünktlich um fünf Uhr fanden wir uns am Club Nautico ein und konnten unsere Mitreisenden kennenlernen. Introducing: Antonio (60), der Quotenbaske, der seit 38 Jahren in Australien lebt und über wirklich alles Bescheid weiß und alles kann, wir nennen ihn auch Indiana Jones, er sieht außerdem aus wie eine Mischung aus Dustin Hoffmann und Udo Jürgens; seine Frau Sue mit chinesischen Wurzeln, die entweder schlief, aufräumte oder lachte oder alles drei zugleich; der Franzose Rodolphe (39), im Herzen aber so alt wie wir, mit Segelerfahrung, da er aufgrund seiner Flugangst aus Frankreich mit dem Schiff nach Kolumbien gereist ist und last but not least der zweite Franzose im Bunde, Thibault (25) die Frohnatur, die ständig einen englischen Song mit französischem Kauderwelsch auf den Lippen hatte. Natürlich wollen wir auch die Crew des Segelbootes mit dem wunderschönen Namen „Rendez-vous“ nicht vergessen: da wäre zum einen der italienische Kapitän Fabio, der aussah wie Mr Bean und mit seiner wehleidigen und gestressten Art nicht gerade eine Wohlfühlatmosphäre kreierte und der venezuelanische Wannabe-Matrose Osberto, der in letzter Sekunde für einen anderen Matrosen mit Passproblemen einsprang.

Wir hatten uns schon auf ein leckeres Abendbrot an Bord mit Weißweinschorle und frischem Fisch gefreut und rechneten damit, um ca. sieben Uhr die Anker zu lichten. Das hatte Fabio allerdings anders geplant. Er eröffnete uns, dass das Essen heute leider noch nicht im Preis inbegriffen war und wir erst um etwa 2 Uhr nachts losfahren sollten, weil er vor der anstrengenden Fahrt noch einmal ausgiebig schlafen wollte. Da er die Hafengebühr für Passagiere nicht bezahlt hatte, wurden wir mit dem Schlauchboot zu einem anderen Anleger geschifft, machten uns mit den Franzosen auf den Weg zur Altstadt und gönnten uns vor der Abfahrt nochmal eine riesige Pizza. Da wussten wir noch nicht, dass wir davon einige Zeit zehren mussten. Auf dem Rückweg zum Boot machten wir noch einen Stopp am Plaza de Trinidad, wo gerade ein offenes Zumbatraining im Gange war, bei dem tausende Menschen mit einem Bier in der Hand zuschauten. Kurz vor dem Anleger kreuzte noch eine Sambaparade unseren Weg und spätestens jetzt konnten wir Kolumbien endgültig als das verrückteste Land Südamerikas einstufen 🙂 Mucho gusto!
An Bord fielen wir erschöpft in unsere Kojen. Es war so heiß, dass die Nacht einem Saunabesuch glich und Isabell sogar von Schneestürmen träumen musste, um sich mental etwas Abkühlung zu verschaffen. Als Fabio endlich um 4(!) Uhr morgens den Motor startete, freuten wir uns über die kühle Brise, die durch die kleinen Fenster zu uns hineinwehte. Dafür schaukelten wir nun hin und her, schafften es aber dennoch irgendwie bis 8 Uhr mehr oder weniger zu schlafen. Einer nach dem anderen quälten wir uns schließlich an Deck und wurden dabei ordentlich durchgeschüttelt. Komischerweise wollte sich bei niemandem so richtig Appetit einstellen und alle nahmen dankend und mit fahlen Gesichtern die Salzcracker entgegen, die Fabio mit säuerlicher Miene herumreichte. Er war nicht gerade gut gelaunt, denn aufgrund des Gegenwindes musste er die ganze Zeit mit dem Motor nachhelfen und verbrauchte daher unverhofft viel Sprit. Dann wurde es sehr still, denn alle waren damit beschäftigt auf den Horizont zu starren, um den Mageninhalt nicht direkt wieder ins Meer zu entleeren. Selbst Antonio, der zuvor noch über die deutsche Wirtschaft philosophiert hatte, wurde auf einmal ruhig und begab sich auf einen Platz an der Schiffsseite, wo Thibault bereits für Fischfutter in Form von verflüssigten Crackern gesorgt hatte. Der Matrose Osberto schaffte es sogar nicht einmal, von seinem Platz auf der Küchenbank aufzustehen und verbrachte dort den Rest des Tages. Wir anderen hatten uns schließlich mehr oder weniger gesammelt und vertrieben uns die Zeit mit Musikhören. In der Ferne sahen wir immer wieder fliegende Fische über das Wasser hüpfen und irgendwann landete sogar einer bei uns auf dem Boot. Hin und wieder wurde uns von Fabio ein Gespräch in einem Italienisch-Spanisch-Mix aufgezwungen. Die Quintessenz: verliebe dich niemals in einen Kapitän, denn so einen freier Geist kann selbst die spannendste Frau nicht lange an Land halten.
Völlig geschafft vom Nichtstun schwankten wir abends zurück in unsere Kojen und allein die Hoffnung, am nächsten Morgen um zehn Uhr bei den San Blas Inseln anzukommen, trieb uns am darauffolgenden Tag aus dem Bett. Naiv wie wir sind, hatten wir natürlich die italienische Zeitrechnung nicht bedacht und so verbrachten wir noch einen Tag in horizontaler Position und mit Crackerdiät an Bord, bis wir schließlich abends die Inseln erreichten. Da die hereinbrechende Dunkelheit eine Weiterfahrt unmöglich machte, mussten wir umgeben von drei verlassenen Inseln den Anker lichten und hatten leider immer noch keinen festen Boden unter den Füßen. Da die persönliche Hygiene in den letzten zwei Tagen aufgrund des schwankenden Bootes und der spärlichen Facilitys etwas zu kurz gekommen war, war der Sprung vom Boot in warme karibische Meer ein wahrer Segen.

Fabio beklagte sich währenddessen über den vielen „Sträääss“ (man beachte die italienische Aussprache) und ließ sich dann doch herab, uns aus Nudeln und Cream Cheese ein kulinarisches Highlight und damit das erste Mahl der Reise zu zaubern. Aber uns war spärliche Essen in diesem Moment relativ egal, denn wir hatten einfach Hunger auf etwas Substanzielles. Alle waren froh, als sich Fabio endlich ins Bett verabschiedete und so ließen wir den Abend bei einem Bier an Bord ausklingen und beobachteten die fluoreszierenden Fische, die um das Boot schwammen.
Am nächsten Morgen konnten wir endlich mal drei Meter geradeaus gehen ohne irgendwo gegenzuprallen und fanden uns zum Frühstücken an Deck ein. Dann stand die erste schwierige Entscheidung des Tages an: Eier oder Obst zum Frühstück? Aber was kann man für 450$ auch schon erwarten?! Im Schneckentempo näherten wir uns dann einer Insel, wobei Rodolphe die Navigation übernahm, da Osberto immer noch nicht einsatzfähig war und auf der Küchenbank schlief. Wenn das alles ist, was ein Matrose machen muss, wäre das auch noch eine Joboption für uns. Zum Glück hatten wir den erfahrenen Rodolphe an Bord, denn ohne seine Anweisungen wäre Fabio geradewegs ohne Rücksicht auf Verluste an einem Riff entlanggeschrammt. Während sich Osberto und Fabio eine eheähnliche Szene an Bord lieferten, sprang der „jüngere“ Teil der Besatzung (Ü 40 ;)) direkt ins Meer und wir schwammen die ca. 800 Meter hin zur Insel, wo wir uns an einem Bilderbuchstrand mit Palmen, weißem Sand und dem türkisistem Meer, das wir je gesehen haben, wiederfanden.


Nach einer Stunde setzte dann endlich auch Fabio mit den Australiern im Schlauchboot über und gab uns in seinem freundlichsten Ton zu verstehen, dass wir erst einmal den Einheimischen vorstellen mussten, da ihnen die Insel gehörte. So standen wir dann als bunt zusammengewürfelter Haufen in Badebekleidung vor den ältlichen Inselbewohnern und wussten nicht so recht, was wir ihnen erzählen sollten.
Weiterer Plan für den Tag war ein „riesiges Barbecue“ (Zitat Fabio) am Strand. Deswegen fuhren Isabell, Rodolphe und Fabio zurück zum Boot, um alle Zutaten zu holen, wo Osberto in der Zwischenzeit das getan hatte, was er am besten konnte: gar nichts! Und so fragten sich die Zurückgebliebenen auf der Insel nach zwei langen Stunden, ob sie das Grillbüffet jemals zu Gesicht bekommen würden. Meanwhile on the boat: Szenen einer Ehe Teil 2. Während Isabell und Rodolphe an Bord endlich einmal „relaxen“ konnten und sich die einzige Cola teilten, stritt sich die Crewbesatzung in der Kombüse auf Italienisch bzw. Spanisch. Dann schafften sie es endlich wieder zurück an Land, aber Fabio musste unbedingt noch einmal zurück, um das Boot umzuparken und verbrachte gut eineinhalb Stunden mit dem genervten Antonio an Bord. Während es sich Osberto in einer Hängematte bequem machte, schnippelten alle anderen fleißig Gemüse und Thibault stellte sich als Grillmaster zur Verfügung.

Es war schon nachmittags als wir endlich in den Genuss von trockenem Hühnchen, angebranntem Gemüse und halbgaren Kartoffeln kamen. Da hatte sich Fabio wahrlich nicht lumpen lassen, was er uns auch ständig auf die Nase band.
Nach einer kurzen Fotosession mit Osberto, der zum ersten Mal richtig aufblühte, schwammen wir beide schließlich noch einmal zurück zum Boot, um einmal in Ruhe den Kühlschrankinhalt inspizieren zu können.
Zurück auf der Insel schnorchelten wir noch kurz an den wunderschönen Riffen und erkundeten die Umgebung.

Nachdem uns Fabio einen Hummer und Krebse präsentierte, die für das Abendessen gedacht waren, machte er sich zusammen mit den Jungs und Osberto auf zum Boot, um diese zuzubereiten. Zusammen mit den Australiern erwarteten wir gespannt ihre Rückkehr und langsam wurde es dunkel. Zum Glück kamen dann die Indiana-Jones-Qualitäten von Antonio zum Einsatz und er entfachte aus den von uns gesammelten Holzscheiten und trockenen Palmenblättern ein richtiges Lagerfeuer. Dies schien Fabio wohl dazu zu animieren, nach drei geschlagenen Stunden zur Insel zurückzukehren, wo wir ihn eher mäßig gelaunt in der Dunkelheit empfingen. Auch die Franzosen, die die ganze Zeit mit ihm auf dem Boot ausharren mussten, hatten die Nase gestrichen voll. Antonio ergriff schließlich die Initiative und zerteilte und verteilte die Hummer, wobei Fabio lautstark eingriff und einen ganzen Hummer für sich beanspruchte. Hier war der Kunde König! 😉 wir ließen es uns trotzdem schmecken zusammen mit dem trockenen Kokosreis und der Tomate. Wir hatten noch nicht ganz aufgegessen und fanden die Atmosphäre am Lagerfeuer gerade ziemlich gut, da stellte Fabio plötzlich fest, dass anscheinend ein Gewitter im Anzug war. Wir wollten unser Mahl jedoch noch kurz beenden, da schrie er auf einmal los und trieb uns zum Aufbruch an. Zusammen mit Sue wurden wir beide in Boot geschubst und in der Dunkelheit ohne Taschenlampe zum Schiff gebracht. Als alle wieder an Bord waren, war von einem Unwetter jedoch überhaupt nichts zu merken und Fabio war vom ganzen Sträääss völlig fertig. Resigniert begaben sich die Australier ins Bett und wir spielten bei Kerzenschein (die Franzosen sorgten mal wieder für romantische Stimmung ;)) das Kartenspiel Quims, das höchste Blickkontaktintensität erforderte. Leider setzte dann drei Stunden später der Regen ein und wir mussten das Spiel abbrechen, da Osberto mal wieder die Küchenbank beanspruchte.
Und dann brach auch schon der letzte Tag auf der Rendezvous an.

Uns allen ging es auf hoher See heute relativ gut, jedoch waren die Vorräte dank der guten Planung erschöpft und wir mal wieder auf Crackerdiät. Da uns auch nichts angeboten wurde, bedienten wir uns unter den missfälligen Blicken von Fabio selbst und schmissen noch einmal eine Runde Joghurt. Am späten Nachmittag erreichten wir endlich unseren Zielhafen Portobelo. Hier schüttete es wie aus Eimern und wir mussten doch noch etwas länger als gehofft im stickigen Innenbereich des Bootes verbringen. Rodolphe plünderte erst einmal den letzten Biervorrat und die versteckte Schokolade von Fabio und so wurde es noch fast gemütlich. Plötzlich müsste es mal wieder schnell gehen und wir wurden im strömenden Regen auf ein Boot verfrachtet.

Leider fand Isabells Handy die Feuchtigkeit nicht ganz so gut und streikt bis heute. In unserer etwas klammen Unterkunft (natürlich recommended by Fabio) schaukelte es glücklicherweise nicht mehr und so konnten wir bis 7 Uhr morgens ausschlafen, um dann mit der ganzen Gruppe um 8 Uhr nach Colon zu fahren, wo angeblich schon unsere Pässe mit Visum auf uns warten sollten. Alle fanden sich pünktlich um 8 am vereinbarten Treffpunkt ein, nur Fabio schlenderte 20 Minuten später die Straße herunter. Im Party-Chickenbus ging es in die etwas heruntergekommene Hafenstadt Colon. Hier kamen wir in den Genuss von einer insgesamt fünfstündigen Wartezeit am dreckigen Terminal, denn angeblich gab es Visaprobleme. Das war besonders für die Australier eine Zumutung, die schon von der Fahrt sehr erschöpft waren. Wir vertrieben uns die Zeit mit unserem Lieblingskartenspiel und wurden von den Australiern mit allerhand Obst verköstigt.

So viel hatten wir schon lange nicht mehr gegessen. Endlich traf der Mittelsmann mit den Pässen ein, die wir ihm förmlich aus den Händen rissen. Wir und Thibault hatten jedoch jeweils 25 $ Dollar für ein verlängertes Visum bezahlt, unser Passstempel sah jedoch genauso aus wie der der anderen. Da platzte uns der Kragen und wir forderten lautstark unser Geld zurück, das sich Fabio wohl in seine eigene Tasche stecken wollte, da auch der Mittelsmann nichts von einem verlängerten Visum wusste. Wir bekamen, was wir wollten, und Fabio rauschte ohne sich zu verabschieden ab. Endlich konnten wir uns auf den Weg nach Panama City machen. Hier hatten wir das erste Mal wieder Internet und mussten nach einem Blick auf die Seite des Auswärtigen Amts feststellen, dass wir aufgrund der Einreise per Schiff nur 72 Stunden in Panama bleiben durften und sonst 100$ bezahlen müssten. Also schmissen wir zum 100. Mal unsere Pläne über Bord und entschieden uns zusammen mit Rodolphe am nächsten Tag abends direkt nach Costa Rica zu fahren. Rodolphe wollte dort seinen Bruder besuchen und seine ganze Familie wird ihn zu seinem Geburtstag am 14. Juli hier treffen. Leider wusste er nicht, dass man nach einem Besuch in Kolumbien für die Einreise in Costa Rica eine gültige Gelbfieberimpfung benötigt. Das setzte dem ganzen die Krone auf und das Bachblütenspray zur Beruhigung musste zum x-ten Mal an diesem Tag herhalten. Das war nicht unser Tag und zusammen ließen wir den Abend im Hostel bei Pasta und Wein ausklingen und konnten mal so richtig „reeläääxen“.
Sollte irgendjemand in Erwägung ziehen, den Segeltrip nach Panama über die San Blas Inseln zu machen, können wir dies auf jeden Fall empfehlen. Die Inseln sind wirklich traumhaft und es ist mal eine ganz andere Art der Fortbewegung. Aber tut euch selbst den Gefallen und fahrt nicht bei Fabio mit!!! 🙂